Olympische Bilderbuch-Karriere: Thomas Bach kandidiert als IOC-Vizepräsident
zuletzt aktualisiert: 31.03.2000 - 13:58Neuss (sid). Die olympische Bilderbuch-Karriere des Dr. Thomas Bach scheint unaufhaltsam. Bei der Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Vorfeld der Jahrtausendspiele von Sydney im September kandidiert der 46 Jahre alte Wirtschaftsjurist aus Tauberbischofsheim als IOC-Vizepräsident. "Ich habe mich entschlossen, anzutreten, weil ich davon ausgehe, dass ich nicht ohne Chance bin. Ich glaube, dass meine Kandidatur ein logischer Schritt ist", bestätigte Bach am Freitag via Telefon aus North Carolina im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid).
Seit 1991 in Birmingham Mitglied des IOC und seit Atlanta 1996 in der Exekutive, hat der Fecht-Olympiasieger von Montreal 1976 nun das große Ziel vor Augen, in der 106-jährigen Geschichte des IOC dritter deutscher Vizepräsident nach Willi Daume (1972 bis 1976) und Berthold Beitz (1984 bis 1988) zu werden.
Schärfster Konkurrent von Bach wird erneut der Japaner Chiharu Igaya sein, der schon vor fünf Wochen seine Kandidatur bekanntgab und den Bach 1996 bei der Wahl in die Exekutive im ersten Wahlgang klar hinter sich gelassen hatte. Der Kanadier Richard "Dick" Pound, einer der potenziellen Nachfolger von IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch bei der Session 2001 in Moskau, scheidet in Sydney nach vier Amtsjahren turnusgemäß als Vizepräsident aus. Bach: "Ich trete an, weil ich die Reformen im IOC voranbringen will. Ich habe sie mit ausgearbeitet und ich will sie realisieren."
Der große deutsche Olympier Willi Daume war der größte Förderer von Bach, Samaranch perfektionierte die Karriere auf der olympischen Bühne. Bach gilt seit Jahren als der große Hoffnungsträger des deutschen Spitzensports im olympischen Zirkel. Mit seiner Wahl in die IOC-Exekutive hatte seine Karriere in Atlanta ihren bisherigen Höhepunkt erfahren. Bach will nach dem Bestechungsskandal um die Olympiavergabe an Salt Lake City 2002 mehr Transparenz in die olympische Bewegung bringen und weiter an vorderster Front Anwalt der olympischen Athleten bleiben.
Daume, der die Athleten liebte, hatte stets von dem Olympiasieger geschwärmt und den promovierten Juristen früh für seine Nachfolge favorisiert. 1991 auf der Session in Birmingham trat Daume, nicht ohne Verbitterung über entgangene eigene Hoffnungen, aus dem IOC zurück und machte Platz für Bach.
Bach ist im IOC nicht ohne Kritiker, aber seine Kompetenz findet größte Anerkennung. Als Vorsitzender der Auswahl-Kommission für die Olympischen Winterspiele 2002 und die Sommerspiele 2004 bestand er sein olympisches Examen. In der Kommission zur Erschließung neuer Finanzquellen und der juristischen Kommission sitzt der Tauberbischofsheimer an weiteren Schlüsselstellen der Olympischen Familie. Als Vorsitzender der Berufskammer des Internationalen Sportgerichtshofs (CAS) ist Bach einer der beiden höchsten Olympischen Richter.
In seiner sportlichen Karriere holte Bach 23 nationale Meistertitel, war 1976 und 1977 zweimal Weltmeister mit der Mannschaft und krönte seine Laufbahn mit Olympischem Gold in Montreal. Bach entschied sich ebenso frühzeitig zur Kandidatur für die Exekutive wie jetzt für die um die Vize-Präsidentschaft. "Sie ist die logische Folge meines bisherigen Bemühens im IOC", sagt Bach selbstbewusst.
Bach ist nach Theodor Lewald (1927 bis 1937), Karl Ritter von Halt (1937 bis 1945 und 1957 bis 1963), Willi Daume (1972 bis 1976) und Berthold Beitz (1984 bis 1988) das fünfte deutsche Mitglied im Präsidium des IOC. Nur zwei Olympier waren beim Eintritt in die Exekutive jünger als er: Richard "Dick" Pound war 41, der Däne Ivar Emil Lindh wurde mit 35 Jahren in das Präsidium gewählt.
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