Boll-Club ohne Chance: Tischtennis: Deutscher Pokal für Ochsenhausen
zuletzt aktualisiert: 26.10.2003 - 16:03Dillenburg (rpo). Timo Boll verliert sein erstes Spiel und der Pokal ist futsch. Im Endspiel um den deutschen Tischtennis-Pokal unterlag Boll-Club Rebau Gönnern klar dem Titelverteidiger TTF Ochsenhausen.
Der Weltrangliste-Zweite Timo Boll hat mit seinem finanziell angeschlagenen Club TTV Rebau Gönnern einen wichtigen Prestigesieg verpasst. Neun Tage nach dem erstmaligen Erreichen der Champions League verlor Gönnern im heimischen Dillenburg durch ein klares 0:3 gegen Titelverteidiger TTF Ochsenhausen das Endspiel um den deutschen Pokal. Mit einem Erfolg wären die Hoffnungen auf die Sanierung sicherlich größer gewesen.
Im Finale der Endrunde zeigte sich, wie abhängig die Hessen von ihrem Ausnahmespieler sind. Als Boll gegen den Russen Alexej Smirnow sein erstes Einzel mit 1:3-Sätzen verlor, hatte sein Team keine Siegchance mehr. Der Taiwanese Chuang Chih-Yuan mit einem 3:2 über Rekordnationalspieler Jörg Roßkopf und der Rumäne Adrian Crisan mit einem 3:0 über Slobodan Grujic machten vor 700 Fans den zweiten Cup- Sieg in Folge für Ochsenhausen perfekt.
Mit zittrigen Beinen gespielt
Im Viertelfinale und in der Vorschlussrunde hatte der 22-Jährige Boll jeweils beide Einzel gewonnen, obwohl er Grippe geschwächt "mit zittrigen Beinen" spielte. Trotz der Niederlage gegen den Weltranglisten-Zwölften Smirnow steht für den Ex-Europameister fest: "Wir Spieler haben jetzt alles dafür getan, dass es in Gönnern weiter geht. Der Rest steht nicht in unserer Macht." Er plane seine Zukunft weiter in Gönnern: "Ich habe einen Vertrag bis 2005 und den will ich erfüllen. Ich hoffe, dass die Wirtschaft jetzt begriffen hat, dass sie uns helfen muss."
Ausgerechnet der Verein mit den beiden deutschen Aushängeschildern Boll und Roßkopf tut sich sehr schwer damit, Sponsoren zu finden. "Wir haben zwischen 2001 und dem Ende der letzten Saison 190 000 Euro verloren, weil Sponsoren ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sind oder das nicht konnten", rechnete Manager Torsten Märte vor: "Und in dieser Saison haben sich weitere Außenstände in Höhe von 150 000 Euro summiert. Wir sind nicht mehr bereit, das aus eigener Kasse abzudecken".
Licht am Ende des Tunnels
Für Boll würde durch einen Rückzug eine Welt zusammenbrechen. Seit dem Pokal-Wochenende kann Märte seinem Ausnahmespieler wieder etwas mehr Hoffnung machen. "Es ist ein ganz kleines Licht am Ende des Tunnels erkennbar. Es sind konkret zwei Unternehmen, die sagen: Ja, wir machen mit", erklärte der Manager, nachdem sich ein halbes Jahr lang in Sachen Sponsoring nichts bewegt hatte: "Das eine Unternehmen investiert im Sport einen siebenstellige Summe, und wenn wir nur fünf Prozent davon abbekommen würden, stünde unser Etat für die nächste Saison."
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