Tennis:: Titelverteidiger Kiefer mit Mühe ins Viertelfinale
zuletzt aktualisiert: 15.06.2000 - 11:41Halle (sid). Der glanzvollen Auftaktkür gegen den Franzosen Jerome Golmard ließ Titelverteidiger Nicolas Kiefer beim ATP-Turnier im westfälischen Halle einen mühevollen Pflichtsieg gegen Albert Portas folgen. Der an Nummer zwei gesetzte Niedersachse erreichte mit dem 6:7 (11:13), 6:1, 6:2 gegen den blonden Spanier das Viertelfinale, in dem er am Donnerstag auf den früheren Wimbledonsieger Richard Krajicek trifft. Der besiegte den zweimaligen US-Open-Champion Patrick Rafter (Australien) mit 6:7 (4:7), 7:6 (7:5), 6:2.
"Es ist einfach nicht so rund gelaufen, aber es gibt solche Tage", sagte Kiefer nach dem Match, in dem er im ersten Durchgang nicht weniger als sechs Satzbälle vergab und den Tiebreak dann verlor. Doch mit dem Rücken zur Wand und angetrieben von den 12.000 Zuschauern, fing sich Kiefer, dem die mangelnde Spielpraxis der vergangenen zehn Wochen deutlich anzumerken war. Im zweiten Satz deutete der Sieger von 1999 seine Stärke auf Rasen an und sicherte sich den zweiten Durchgang gegen den verbissen kämpfenden Portas nach nur 33 Minuten mit 6:1.
Unterstützt vom ganzen Kiefer-Clan samt Freundin Inga blieb der Schützling von Trainer Bob Brett auch im entscheidenden Satz dominant und verwandelte nach 2:08 Stunden den Matchball. Im Viertelfinale muss sich Kiefer allerdings deutlich steigern, wenn er seiner Rolle als Deutschlands Nummer eins gerecht werden möchte. Gegen Portas sah er nicht immer wie der sichere Sieger aus.
Verbissen kämpfte Kiefer am Mittwoch zudem mit den widrigen äußeren Umständen. Die Sohlen seiner Tennisschuhe schienen viel zu glatt für den schlüpfrigen Rasen, ein ums andere Mal rutschte Kiefer aus und fiel hin. Zudem wirkte er phasenweise konzeptlos und war enorm fehleranfällig. Die mangelnde Spielpraxis nach dem im März erlittenen Syndesmoseriss wurde sichtbar. Vor Wimbledon wartet noch ein hartes Stück arbeitet auf "Kiwi".
Nicht nur auf dem Centre Court, sondern auch abseits der weißen Linien arbeitet Kiefer derzeit akribisch an einer Imagekorrektur. Hielt er bislang nicht immer etwas von guten Manieren, so setzt er in Halle alles daran, das Bild vom Flegel zu korrigieren. Er nimmt sich Zeit für seine Fans, schreibt bereitwillig Autogramme und bedankt sich immer wieder beim Publikum für die Unterstützung.
Auch in den Dienst der guten Sache stellt er sich. Kiefer wird sich fortan für Organspenden einsetzen und rührt zu diesem Zweck kräftig die Werbetrommel für das Klinikum in Bad Oeynhausen. Demonstrativ trägt er außerdem ein T-Shirt der Stich-Stiftung, die HIV-infizierte Kinder und deren Familien unterstützt.
Mit dem Präsidenten des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Georg von Waldenfels, will sich Kiefer übrigens noch vor Wimbledon zusammensetzen und die Unstimmigkeiten bezüglich Daviscup klären. Der "Bad Boy" des deutschen Tennis ist zahm geworden. Das mit dem schlechten Ruf soll bald ein Ende haben.
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