72. French Open: Tommy Haas mit Auftaktsieg - Kiefer schon draußen
zuletzt aktualisiert: 28.05.2002 - 13:06Paris (rpo). Sieg und Niederlage für die deutschen Tennis-Cracks: Während Tommy Haas bei den French Open mit schmerzender Schulter ein Auftaktsieg gegen den Tschechen Michal Tabara gelang, war für Nicolas Kiefer, Marlene Weingärtner, Bianka Lamade und Anca Barna schon die erste Runde in Paris Endstation.
Tommy Haas kämpfte sich mit Schmerzen zum Sieg, Nicolas Kiefer ging mit hängendem Kopf in die Pleite. Nach Tag 1 der French Open ruhen die vagen deutschen Hoffnungen auf den lädierten Schultern von Haas, der den Tschechen Michal Tabara in seinem 100. Sandplatzspiel mit Medizin im Blut 6:3, 7:5, 6:4 besiegte. Sein hilfloser Kollege Kiefer blamierte sich dagegen beim 3:6, 0:6, 4:6 gegen den Spanier Alex Calatrava einmal mehr und kassierte die neunte Erstrundenschlappe des Jahres.
"Es war wichtig, dass ich in drei Sätzen gewonnen habe. Meiner Schulter gehts nicht so gut, besonders die Vorhand tut weh. Ich nehme Antibiotika, aber bisher keine Schmerzmittel", erklärte der an drei gesetzte Haas und lächelte gequält. Die deutschen Damen legten am Tag, als Regen und Kälte kamen, dagegen einen klassischen Fehlstart hin. Die Mannheimerin Bianka Lamade hatte die Ehre des Eröffnungsspiels auf dem Centre Court und unterlag 3:6, 3:6 gegen Venus Williams (USA). Marlene Weingärtner (Leimen) bot beim 2:6, 6: 2, 0:6 der an 16 gesetzten Barbara Schett (Österreich) immerhin einen Satz Paroli. Und Anca Barna (Leimen) vergab beim 6:1, 5:7, 1:6-Niederlage gegen Wynne Prakusya (Indonesien) eine klare Führung im zweiten Satz.
Variables Grundlinienspiel
Da war der an drei gesetzte Haas aus anderem Holz geschnitzt. Trotz wachsender Probleme mit der rechten Schulter ("Die Sehne war schon im Febraur entzündet und Flüssigkeit drin. Jetzt zieht der Schmerz schon in den Schlagarm") dominierte er das Match gegen den genau 100 Plätze hinter ihm geführten Tabara auf dem Außenplatz 6 mit seinem variablem Grundlinienspiel. Die Regenunterbrechung beim Stand von 1:0 im dritten Satz nutzte der Deutsche zur Erholung. Trotz Aufschlagprobleme stand nach 1:51 Stunden die erfolgreiche Revanche gegen Tabara für die Pleite beim Junioren-Turnier 1996 in Paris fest. In der zweiten Runde wartet mit dem Sieger des Spanier-Duells zwischen Feliciano Lopez und Didac Perez eine lösbare Aufgabe.
"Spanier sind immer gefährlich, die können bis zu sechs Stunden da draußen spielen. Ich denke von Match zu Match und hoffe, dass es am Mittwoch etwas wärmer ist. Das würde der Schulter gut tun und vielleicht passiert ja noch ein Wunder", meinte Haas, der in Paris erstmals über die dritte Runde hinauskommen will. Die fünfte Erstrundenpleite bei den French Open bei sechs Auftritten kassierte Kiefer. "Zu diesem Spiel muss man nicht viel sagen - da sind Ärger und Verzweiflung gleichermaßen da. In mir brodelt es schon, aber ich zweifle nicht an meinem Weg", erklärte der trotz des Preisgeldes von 11.600 Euro fast schon bemitleidenswerte Mann: "Mit diesem Spiel ist meine Sandplatzsaison beendet."
Das ist auch besser so, denn Kiefer schlich wie ein geprügelter Hund über den Außenplatz vier des Stadions Roland Garros schlich. Alle drei bisherigen Duelle hatte er gegen Calatrava gewonnen, doch von Selbstbewusstsein keine Spur: "Wie ich das zurückgewinnen soll, weiß ich auch nicht." Wackliger Aufschlag mit acht Doppelfehlern, zaghafte Returns und 64 Fehler bei den Grundschlägen: Kiefer konnte im entscheidenden Moment wieder nur bei einzelnen Punkten seine Klasse zeigen. Nach 1:37 Stunden stand seine fünfte Erstrundenniederlage bei sechs French-Open-Auftritten fest. Seinen einzigen Sieg auf dem roten Sand hatte er ironischerweise 1998 gegen Haas gefeiert.
Schon vier Deutsche gescheitert
Damit sind von 14 gestarteten deutschen Tennisprofis bereits vier gescheitert. Das Spiel von Barbara Rittner (Leverkusen) fiel wie zahlreiche weitere Matches dem Regen zum Opfer und wird am Dienstag nachgeholt. Größte Überraschung am kühlen ersten Tag des größten Sandplatzturnieres der Welt war die 6:4, 6:4, 4:6, 2:6, 4: 6-Pleite des 89er French-Open-Siegers Michael Chang gegen Sebastien de Chaunac (Frankreich).
Der dreimalige French-Open-Sieger Gustavo Kurten zeigte sich nach seiner Hüftoperation beim 7:5, 6:2, 6:2 gegen Ivo Heuberger (Schweiz) in Topform für die Titelverteidigung. Der topgesetzte Lleyton Hewitt (Australien) besiegte auf dem ungeliebten Belag den Brasilianer Andre Sa mit 7:5, 6:4, 7:5, Australian-Open-Sieger Thomas Johansson (Schweden) ließ dem Argentinier Franco Squillari beim 6:2, 7:6 (8:6), 6:2 keine Chance.
Ergebnisse: Herren | Damen
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