Unterstützung für Jan Fitschen: Top-Athleten unterschreiben Petition an IAAF
zuletzt aktualisiert: 05.03.2001 - 20:46Neuss (sid). Der Clinch zwischen dem Weltverband IAAF und dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) im Fall Dieter Baumann geht in die nächste Runde. DLV-Präsident Prof. Helmut Digel hat am Montag im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) seine Kritik am internationalen Regelwerk und den Alleingängen von IAAF-Generalsekretär Istvan Gyulai bekräftigt.
Das von Aktiven und Trainern gescholtene DLV-Verhalten in der Affäre um die Sperren der Baumann-Gegner verteidigt Digel als "formaljuristisch korrekt".
Derweil haben sich bislang acht deutsche Topathleten, darunter Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler und Zehnkampf-Idol Frank Busemann (Foto), in einer Petition an Gyulai für das Startrecht des 3.000-m-Läufers Jan Fitschen bei den Hallen-Weltmeisterschaften in Lissabon (9. bis 11. März) eingesetzt. Der Wattenscheider war wegen seines Antretens gegen den von der IAAF gesperrten Baumann bei der Hallen-DM in Dortmund wie sieben weitere Sportler mit einem Bann von noch nicht benannter Dauer belegt worden.
Nach seiner Rückkehr von einer einwöchigen Chile-Reise stellte Digel die Auswirkungen der für die Sperren der Baumann-Gegner verantwortlichen IAAF-Regel 53.1 ii an den Pranger. "Es ist demütigend für einen Unschuldigen wie Jan Fitschen, sein Startrecht über ein Gnadengesuch erwirken zu müssen", sagte der DLV-Chef: "Die für das Dilemma verantwortliche Regel 53.1 ii macht keinen Sinn in der Berufs-Leichtathletik. Sie ist gebaut auf Pfeilern der Macht, die willkürlich gegenüber den Mitgliedsverbänden eingesetzt wird."
In diesem Zusammenhang kritisiert der DLV-Chef das Verhalten Gyulais: "Es war nicht seine Sache, über die Sanktionen zu befinden. Darüber kann nur das Council entscheiden." Letzterem gehört auch Digel an, nach dessen Meinung bei der Sitzung am kommenden Wochenende in Lissabon "darüber zu diskutieren ist, mit welchen Vollmachten der Generalsekretär ausgestattet ist".
Digel, der bereits in Dortmund auf Konfrontationskurs zur IAAF gegangen war ("Wenn diese lächerliche Regel ernsthaft eine Rolle spielt, habe ich in dieser Sportart nichts zu suchen"), schließt persönliche Konsequenzen vorerst aus: "Ich sage nicht: Wir sind gegen die Wand gefahren, da muss man aussteigen. Ich werde die Leichtathletik nicht im Stich lassen und nach wie vor dafür kämpfen, dass diese Sportart athletengerechter wird."
IOC-Vizepräsident Dr. Thomas Bach äußerte am Montag die Hoffnung, dass die deutschen Leichtathleten zum Vorreiter einer weitreichenden Regelreform werden: "Der DLV könnte beim nächsten IAAF-Kongress in Edmonton voran gehen und die Entscheidungsgewalt an den Weltverband abgeben. Die erste Entscheidungsinstanz muss der internationale Verband sein und letztinstanzlich bindend der internationale Sportgerichtshof CAS."
IAAF lehnte WM-Start von Astafei und Herschmann ab
Auf 18 Athleten schrumpfte am Montag das bisher 20-köpfige Aufgebot des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) für die Hallen-Weltmeisterschaften am Wochenende in Lissabon (9.-11. März). Der Weltverband IAAF erteilte Hochspringerin Alina Astafei (Mannheim) und Dreispringerin Nicole Herschmann (Berlin) kein Startrecht, da nach starker Reduzierung der Teilnehmerfelder in ihren Disziplinen andere Athletinnen mit höherwertigen Leistungen den Vorzug erhalten.
"Im Falle von Jan Fitschen, den wir wie die anderen der IAAF gemeldet haben, wurde keine Streichung vorgenommen", erklärte am Montag DLV-Generalsekretär Frank Hensel. Der deutsche 3.000-m-Vizemeister aus Wattenscheid war wegen seiner Teilnahme am Dortmunder Rennen gegen den von der IAAF suspendierten Dieter Baumann gesperrt worden. Ein Schreiben des DLV und eine Petition von acht deutschen Weltklasseathleten an die IAAF sollen Fitschen zum Start in Lissabon verhelfen.
Das DLV-Aufgebot umfasst noch folgende Namen:
Männer:
60 m: Tim Goebel (Köln), 3.000 m: Jan Fitschen (Wattenscheid), Hochsprung: Martin Buß (Leverkusen), Stabhochsprung: Michael Stolle (Leverkusen), Dreisprung: Charles Friedek (Leverkusen),
Frauen:
200 m: Birgit Rockmeier (Dortmund), 400 m: Shanta Ghosh (Rehlingen), 800 m: Ivonne Teichmann (Magdeburg), 60 m Hürden: Juliane Sprenger (Kreuztal), Hochsprung: Elena Herzenberg (Ludwigshafen), Stabhochsprung: Yvonne Buschbaum (Stuttgart), Weitsprung: Heike Drechsler (Karlsruhe), Kugel: Nadine Kleinert-Schmitt (Magdeburg), Fünfkampf: Sabine Braun (Wattenscheid), Karin Ertl (Fürth/München), 4 x 400 m: Ghosh, B. Rockmeier, Claudia Marx (Berlin), Anika Ahrens (Hamburg), Florence Ekpo-Umoh (Mainz)
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