Eiskunstlauf: 8.000 Zuschauer begeistert: "Toute la France" feiert Anissina/Peizera
zuletzt aktualisiert: 31.03.2000 - 23:13Nizza (sid). Mit vier Höchstnoten und der grandiosesten Kür ihrer Laufbahn haben die Franzosen Marina Anissina und Gwendal Peizerat ihren Landsleuten bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Nizza den von einer ganzen Nation ersehnten Eistanz-Titel geschenkt.
Mit 9:0-Preisrichterstimmen behielten die Europameister gegen die nach dem Originaltanz führenden Italiener Barbara Fusar-Poli und Maurizio Margaglio die Oberhand. Im Schatten der beiden Top-Paare ertanzten sich wie schon bei der EM Margarita Drobiazko und Povilas Vanagas aus Litauen die Bronzemedaille.
8.000 entfesselte Zuschauer, unter ihnen auch IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch, trugen ihre Landsleute förmlich zum Sieg und forderten am Ende der Kür zu "Carmina Burana" in Sprechchören die Traumnote 6,0. Minutenlang musste das Eis im überfüllten Palais des Expositions von einem Blumenmeer gesäubert werden, der Jubel um die Nachfolger der Russen Anjelika Krylowa und Oleg Owsiannikow wollte kein Ende nehmen.
Für die deutschen Meister Kati Winkler und Rene Lohse nahm die WM ein versöhnliches Ende. Mit der "besten Kür der Saison" (Winkler) zum Thema "Time goes Millennium" behaupteten die beiden Berliner Rang sechs und verbesserten sich damit gegenüber den letztjährigen Welttitelkämpfen um eine Position. "Wir waren richtig gut drauf, haben uns weiter verbessert und laufen auf einem höheren Level", ergänzte Lohse. 19. wurden die Essener Stephanie und Thomas Rauer.
Auch die Eistanz-Entscheidung blieb nicht ohne zwei unangenehme Zwischenfälle. Nach einem Zusammenprall mit dem US-Tänzer Peter Tschernischew beim Abschlusstraining am Vormittag musste die Bulgarin Albena Denkowa mit einer Muskelverletzung am linken Knöchel ins Krankenhaus eingeliefert und später operiert werden. Die italienischen Vize-Meister Federica Faiella und Luciano Milo mussten wegen einer Knöchelverletzung Milos ihre Kür abbrechen.
Bereits am Nachmittag war Titelverteidigerin Maria Butirskaja in die Goldspur zurückgekehrt. Nach ihrer EM-Niederlage verteidigte die Russin mit einem zauberhaften und fehlerfreien Kurzprogramm ihre Führung nach der Qualifikation und geht mit einem knappen Punktvorsprung in die Kür-Entscheidung am Samstag (16.00 Uhr). "Mein Sieg vom vergangenen Jahr gab mir Selbstvertrauen", erklärte Butirskaja.
Dennoch sitzt der Moskauerin die Konkurrenz weiterhin dicht im Nacken. Immerhin zwei der neun Preisrichter gaben Europameisterin und Teamkollegin Irina Slutskaja, ingesamt Zweite, den ersten Platz, in Lauerstellung auf Rang drei liegt die Olympia-Zweite Michelle Kwan aus den USA. Schnittwunden an zwei Fingern der linken Hand, die sich die Vorjahressiegerin beim Reinigen ihrer Kufen direkt vor dem Lauf zugefügt hatte, behinderten Butirskaja nach eigenem Bekunden nicht.
Nach gelungener Qualifikationskür wurde die deutsche Vize-Meisterin Zoya Douchine hingegen im Kurzprogramm eiskalt erwischt. Eine misslungene Kombination aus dreifachem Flip und Doppel-Toeloop und ein auf zwei Füßen gelandeter Doppel-Axel ließ die Münchnerin bis auf den 20. Platz abstürzen. Angesichts der Noten bis zu 3,7 Punkten herunter kämpfte die 16-Jährige mit den Tränen.
"Im Vergleich zu anderen bin ich für meine Fehler zu hart bestraft worden. Darauf war ich auch als WM-Neuling nicht vorbereitet", sagte die gebürtige Russin enttäuscht. Immerhin habe sie mit der Qualifikation für das Kürfinale ihr Minimalziel errreicht. Für den nächsten Winter hat sich Douchine "einen Platz um 15 herum" vorgenommen.
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