Olympische Spiele in Sydney: Transport und Sicherheit als Hauptprobleme
zuletzt aktualisiert: 26.07.2000 - 13:24Sydney (sid). 50 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele von Sydney plagen die Organisatoren die gleichen Probleme, die Atlanta vor vier Jahren zum Albtraum machten. Zwei schlimme Zugunfälle mit insgesamt 14 Verletzten in der Umgebung der Olympiastadt "krönten" die Pannen-Serie in dem schon unter Normalbelastung chaotischen Transportsystem.
Bedenken gibt es auch im Sicherheitsbereich, nachdem die Ausweisung von fünf Männern mit Verbindungen zu internationalen Terrorgruppen (davon zwei zum weltweit gesuchten Top-Terroristen Osama bin Laden) Befürchtungen um einen Anschlag wie in Atlanta verstärkt hatten. Zudem sollen sich Mitglieder der russischen Mafia auf dem Weg nach Australien befinden.
Trotz aller Negativschlagzeilen versprechen sich Olympiaminister Michael Knight und das Internationale Olympische Komitee (IOC) unisono "die besten Spiele aller Zeiten". Zwei große Pluspunkte hat Sydney zweifelsohne: Die für 4,3 Milliarden Mark erbauten Wettkampfstätten bieten Top-Bedingungen für die 10.200 Athleten beim Kampf um 300 Goldmedaillen. Und die Olympia-Begeisterung ist beim großen Teil des "sportverrücktesten Volk der Welt" (IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch) ungebrochen, was zu spannenden Entscheidungen auch noch eine entsprechende Stimmung verspricht.
Trotz allem wollen laut einer Umfrage fast eine halbe Million "Sydneysider" in der Zeit der Spiele aus ihrer Stadt fliehen - vor allem wegen des befürchteten Transport-Chaos'. Selbst Premierminister Carr bezeichnete die Situation im Bahnsystem rund um die Olympiastadt Sydney in Sachen Sicherheit und Pünktlichkeit als "unhaltbar". In der Nacht zu Mittwoch war zunächst in einem Vorortzug in den Blue Mountains, wo während der Spiele viele Touristen untergebracht sein werden, ein Feuer ausgebrochen.
Sechs Personen mussten vor allem mit Rauchvergiftungen ins Krankenaus eingeliefert werden, weitere 80 entkamen durch zerbrochene Fensterscheiben. Zwei Stunden später mussten acht Arbeiter ins Hospital gebracht werden, nachdem beim Zusammenstoß eines Güterzuges mit einem anderen Zug 20.000 Tonnen der chemischen Substanz Naphtalen freigesetzt worden waren.
Derlei Vorfälle sind schon vor der bei Olympia bevorstehenden größten Transportaktion der australischen Geschichte mit 34 Millionen Passagieren beileibe kein Einzelfall: In den letzten zwölf Monaten entgleisten insgesamt 29 (!) Züge rund um Sydney, in den letzten zwei Jahren kamen neun Menschen bei Unfällen ums Leben. Auch der Flughafen wirkt wenig Vertrauen erweckend, nachdem am Dienstag zum zweiten Mal binnen drei Wochen Teile des Radarsystems ausgefallen waren. Vergangene Woche war ein geistig verwirrter Mann auf dem Flugfeld unbehelligt in das Cockpit einer Boeing gestiegen.
Genau solche Zwischenfälle lassen Zweifel an den olympischen Sicherheitsstandards in einem bisher weitgehend terror-freien Land aufkommen. Während die amerikanische Bundespolizei FBI wegen Informationen über mögliche Olympia-Anschläge speziell von Anhängern des US-Feindes bin Laden extra zwölf Agenten nach Sydney entsandte, sieht der olympische Sicherheitschef Peter Ryan "keine spezielle Bedrohung" und fühlt sich mit seiner 16.500-Mann-Armada für "alle Notfälle gerüstet". Australiens Einwanderungsbehörde verbreitet ein ähnliches Selbstbewusstsein, obwohl sie nicht einmal Auskunft darüber geben kann, ob sie angekündigte Vertreter der Russen-Mafia an der Einreise hindern wird oder nicht.
Das Olympia-Organisationskomitee Socog schiebt derweil weitere Probleme wie die Festsetzung der (hohen) Verpflegungs-Preise an den Wettkampfstätten und die Entscheidung über den Verkauf von 70.000 verbliebenen "Supertickets" für Topveranstaltungen vor sich her. Dabei wird das Geld dringend benötigt: Zum Ausgleich des Budgets von 3,3 Milliarden Mark fehlen immer noch knapp 200 Millionen Mark, weil insgesamt 2,4 MIllionen Tickets immer noch nicht verkauft worden.
Ebenfalls nicht entschieden ist bisher, wer die olympische Flamme bei der von 15.000 Mitwirkenden gestalteten und der Ankunft eines "Raumschiffs" gekrönten Eröffnungsfeier am 15. September entzünden soll. Als Favoriten gelten Schwimm-Olympiasiegerin Dawn Fraser, die im Rollstuhl sitzende Ex-Läuferin Betty Cuthbert, Reit-Legende Bill Roycroft und Ron Clarke, der den "Job" bei den Spielen 1956 in Melbourne bereits einmal erfolgreich bewältigt hat.
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