Eiskunstlauf: Viele "Zwangsehen" beim Paarlauf: Trügerisches Lächeln im Rampenlicht
zuletzt aktualisiert: 28.03.2000 - 12:27Nizza (dpa). Gefunden, gekämpft, gezankt, gelitten, gefeiert, gelernt - die deutschen Eistanzmeister Kati Winkler und Rene Lohse können nach dreizehn Jahren sportlicher Ehe was erzählen. "Es gibt Momente, in denen ich mir vornehme, nach meiner Karriere Telefonnummer und Adresse zu ändern", sagt er. Bloß keine Kati mehr!
Ihre Kollegen Stephanie und Thomas Rauer haben als Geschwister das Streiten wenigstens von Kindesbeinen an gelernt. "Wir hängen 24 Stunden am Tag aufeinander", erklärte der Essener am Rande der WM in Nizza und hatte den Lacher auf seiner Seite. Das Eis als spiegelglatte Beziehungspiste: Das Lächeln im Rampenlicht täuscht oft, die Harmonie der Figuren und Schritte entspricht selten jener des schweißtreibenden Alltags.
Die Glitzerszene des Wintersports hat schon die buntesten Geschichten geschrieben. Die Ex-Weltmeister Mandy Wötzel und Ingo Steuer aus Chemnitz, auch privat zeitweise ein Paar, stritten und versöhnten sich ungefähr so oft wie sie Wettkämpfe bestritten. Die exzentrische Oksana "Pascha" Gritschuk trennte sich nach ihrem zweiten Eistanz-Olympiasieg 1998 von ihrem Partner Ewgeni Platow und bandelte mit ihrem russischen Kollegen Alexander Schulin an.
Der Weltmeister von 1992 war damals mit seiner Partnerin Maja Usowa verheiratet. "Ich habe nicht die Ehe von Maja und Alexander zerstört", wehrt sich Gritschuk noch heute. Platow ("Oksana ist eine Verrückte") rächte sich auf seine Art und schnappte sich für seine Profilaufbahn Usowa. "Gebt mir einen Deutschen, ich mache jeden zum Weltmeister", hatte Gritschuk zudem getönt.
Doch eine Fundstelle für passende Partner gibt es im Eiskunstlauf nicht. Das muss dieser Tage auch Mirko Müller erfahren, der mit Peggy Schwarz nach dem Kurzprogramm im Paarlauf auf Rang fünf liegt. Knut Schubert, der Trainer der deutschen Meister aus Berlin, sucht derzeit eine neue Mitstreiterin für den 25-Jährigen, da die viermalige Olympia-Teilnehmerin Peggy zuletzt oft patzte und mit 28 Jahren ihrem Karriereende entgegen sieht.
Doch in Deutschland gibt es derzeit bei den Aktiven insgesamt nur drei Paare, und WM-Teilnehmerin Mariana Kautz hat schon deutlich signalisiert, dass sie ihrem sportlichen Partner Norman Jeschke treu bleiben will: "Ich steh' zu ihm." So ist die Zukunft von Schwarz/Müller weiter offen. "Wir wissen selbst noch nicht, wo wir im Sommer sind: Zusammen oder getrennt auf dem Eis oder nebeneinander."
Winkler/Lohse durchlebten schon einige Krisen, haben aber immer wieder die Kurve gekriegt. Zuletzt litt Kati unter dem Tod ihres Vaters und konnte sich kaum aufs Training konzentrieren. "Das hat mich schon runtergerissen." Da krachte es mal wieder zwischen den EM- Fünften aus Berlin, doch inzwischen gehört das fast dazu.
"Wir haben viel voneinander gelernt, was den Umgang miteinander angeht", erklärt Rene. "Und ich habe Kati auch in Sachen Motivation sehr viel zu verdanken. Man wird toleranter und muss auch Kompromisse eingehen." Rauer/Rauer sind als Geschwister wenig zimperlich. "Wir können uns eigentlich alles an den Kopf werfen", sagt Thomas. "Und wenn's mal richtig kracht, dann lässt man halt eine Trainingseinheit ausfallen."
Ihre Lebensparter haben sich Winkler/Lohse bislang außerhalb des Eislaufens gesucht - und sind damit ganz gut gefahren. In zehn oder fünfzehn Jahren, wenn für sie das Eis abgetaut ist, hofft Lohse doch, "dass wir uns noch gut kennen und Freunde sind". Der 26-Jährige kann sich sogar vorstellen, eines Tages mit Kati "Städte zu bereisen" - ohne Kostüme und Schlittschuhe im Gepäck.
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