Patzer am Seitpferd: Turn-EM: Deutschland beim Heimspiel Fünfter
zuletzt aktualisiert: 26.05.2000 - 16:36Bremen (sid). Fehlende "Sattelfestigkeit" am Seitpferd hat den flüchtigen Medaillentraum der ersatzgeschwächten deutschen Riege bei den Europameisterschaften der Kunstturner in Bremen brutal zerstört. Zwei Flüchtigkeitsfehler am unscheinbarsten aller sechs Geräte ließ die Gastgeber im Mannschafts-Wettbewerb mit 167,832 Punkten bis auf den fünften Platz abstürzen. Neuer Titelträger wurde Russland (171,071)) vor Rumänien (170,844) und der Ukraine (170,608).
"Gerade dort hatte ich eigentlich nicht mit solchen Fehlern gerechnet", sagte Cheftrainer Rainer Hanschke, nachdem der Berliner Dimitri Nonin bei einer simplen Kreisflanke das Pauschenpferd vorzeitig verlassen musste. Der deutsche Sechskampf-Meister Sergej Pfeifer aus Hannover machte eine unfreiwillige Sitzprobe zwischen den Pauschen, beide Patzer wurden mit einem Abzug von rund einem Punkt bestraft.
Dabei hatte der Wettkampf für das Team des Deutschen Turner-Bundes (DTB) besser als erwartet begonnen. Am Reck lief alles glatt, und die bekannten Schwächen am Boden wurden vor rund 1.500 Zuschauern, unter ihnen auch Bundesinnenminister Otto Schily, geschickt überspielt.
Stark präsentierte sich das DTB-Team auch an den Ringen; die verletzungsbedingten Ausfälle der Oldies Andreas Wecker (Berlin), Waleri Belenki (Stuttgart) und Sergej Charkow (Dilligen) wurden kompensiert. Auch mit Sprung und Barren durfte man zufrieden sein.
Der Fehler am Seitpferd kostete Pfeifer aber wenigstens nicht die Qualifikation für das Mehrkampf-Finale am Samstag (13.30 Uhr), wo der in Tadschikistan geborene Athlet eine Platzierung unter den Top Ten anstrebt. Realistische Hoffnungen auf Edelmetall dürfen der schon 32 Jahre alte Riegen-Senior Marius Toba aus Hannover und auch Nonin hegen, die die sonntäglichen Endkämpfe an den Ringen bzw. am Reck erreichten.
Die EM-Gastgeber konnten damit das Husarenstück der deutschen Junioren im Teamwettbewerb nicht wiederholen. Völlig überraschend hatte sich das Quintett von Nachwuchstrainer Andreas Hirsch hinter Europameister Russland und dem entthronten Titelverteidiger Frankreich die Bronzemedaille gesichert.
"Unser Nachwuchs ist anscheinend doch besser als sein Ruf", meinte DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam nach der unerwartet guten Platzierung. Einen weiteren Medaillengewinn bei den Gerätefinals am Sonntag wollte er nicht ausschließen: "Das würde die Sache richtig rund machen."
Ernsthaftester Kandidat auf Edelmetall ist Waldemar Eichhorn. Das erst 13 Jahre alte Talent aus Dillingen, geboren in Kasachstan, erturnte am Barren die höchste Note aller Teilnehmer. Gleich zweimal (Boden und Reck) steht der Steinheimer Marcel Niess im Endkampf, Sergej Erjutin (Stuttgart) qualifizierte sich für das Finale am Seitpferd.
Die europäischen Titelkämpfe werden am Samstag (09.30 Uhr) mit dem Mehrkampf-Finale der Junioren fortgesetzt. Deutschland ist nicht vertreten, da Bundestrainer Hirsch aus taktischen Gründen darauf verzichtete, einen seiner Schützlinge einen kompletten Sechskampf turnen zu lassen: "Der Erfolg der Mannschaft hatte absolute Priorität, ich denke, das Ergebnis hat mich bestätigt."
Kunstturnen, Europameisterschaften (Männer) in Bremen, Mannschafts-Wettbewerb, Endstand:
1. Russland 171,071 Punkte 2. Rumänien 170,844 3. Ukraine 170,608 4. Frankreich 167,883 5. Deutschland 167,832 6. Bulgarien 167,358 7. Spanien 167,332 8. Weißrussland 165,872 9. Lettland 164,961 10. Schweiz 164,433 11. Ungarn 164,421 12. Großbritannien 163,209 13. Italien 161,010 14. Griechenland 161,006 15. Finnland 158,609 ... 21. Österreich 152,110
Einzelwertung:
1. Alexander Beresch (Ukraine) 57,699 2. Alexej Nemow 57,649 3. Alexej Bondarenko (beide Russland) 57,174 4. Marian Dragulescu (Rumänien) 57,060 5. Jordan Jowtschew (Bulgarien) 56,798 6. Eugeni Podgorni (Russland) 56,248 7. Sergej Pfeifer (Hannover) 56,048 8. Alexander Swetlitschni (Ukraine) 55,998 9. Iwan Iwankow (Weißrussland) 55,786 10. Igors Vihrovs (Lettland) 55,674 ... 25. Thomas Zimmermann 52,724 ... 31. Marco Baldauf 50,149 ... 34 Martin Staudinger (alle Österreich) 49,237 ... 44. Andreas Schweizer 44,936 ... 51. Dieter Rehm (beide Schweiz) 37,736 ... 56. Dimitri Nonin (Berlin) 36,786 57. Felipe Andres (Schweiz) 36,762 ... 74. Sven Kwiatkowski (Chemnitz) 28,312 ... 76. Marius Toba (Hannover) 27,849 ... 86. Martin Fuchs (Schweiz) 26,862 ... 104. Rene Tschernitschek (Halle) 18,837 ... 114. Martin Weibel (Schweiz) 18,137
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