Eine Woche vor Olympia-Zeitfahren: Ullrich fühlt sich in Olympia-Form
zuletzt aktualisiert: 08.08.2004 - 15:24Neuss/San Sebastian (rpo). Angesichts des Abschneidens der T-Mobil-Fahrer Jan Ullrich und Andreas Klöden bei den Clasica San Sebastian kannte T-Mobile-Sportdirektor Mario Kummer nur eine Reaktion: "Das war keine große Leistung". Dennoch zeigt sich Ullrich mit seiner Form zufrieden und hofft nun bei den Olmpischen Spielen auf Edelmetall.
Jan Ullrich wollten nur noch schnell zum Flughafen nach San Sebastian. Nichts wie weg aus dem Baskenland - nach einem Weltcuprennen voller Pleiten, Pech und Pannen. Was als letzter Härtestest für die Olympischen Spiele gedacht war, endete für die beiden deutschen Medaillen-Hoffnungen im "Besenwagen". Ein abgeschlagener Ullrich kapitulierte 25 km vor dem Ziel an einem gebrochenen Rennsattel, Klöden stieg bei 38 Grad mit heftigen Kopfschmerzen vom Rad. Enttäuschender hätte die Olympia-Generalprobe für die beiden deutschen Radstars bei der 24. Clasica San Sebastian, die Lokalmatador Miguel Angel Perdiguero gewann, kaum verlaufen können.
Anders dagegen der Berliner Jens Voigt und T-Mobile-Profi Alexander Winokurow, die in Bestform die Reise nacht Athen antreten. Voigt stand bei der Dänemark-Rundfahrt am Sonntag vor dem Gesamtsieg, genauso wie der ehemalige Tour-Ditte Winokurow bei der fünftägigen Regio-Tour. Mit zwei Etappensiegen zeigte sich der Kasache von seiner Schulterverletzung, die ihn zum Verzicht auf die Frankreich-Schleife gezwungen hatte, bestens erholt.
Ullrich: "Vielleicht haben wir in Athen umso mehr Glück"
"Vielleicht haben wir in Athen umso mehr Glück", mutmaßte Ullrich nach seinem Ausstieg in San Sebastian. Auf der Abfahrt vom Jaizkibel passierte das Malheur mit seinem Sattel. Als der Materialwagen erst vier Minuten später eintraf, hatte der 30-Jährige die Nase voll und stieg ganz vom Rad. Das Rennen war aber ohnehin für Ullrich schon vor der Panne gelaufen, beim letzten Anstieg hatte er eine siebenköpfige Spitzengruppe ziehen lassen müssen. Zu diesem Zeitpunkt war Klöden erst gar nicht mehr im Rennen. Der Tour-Zweite beendete, von Kopfschmerzen geplagt, an der Verpflegungsstelle das Rennen.
T-Mobile-Sportdirektor Mario Kummer zog ein ernüchterndes Fazit: "Das war keine so große Leistung. Als es am letzten Berg zur Sache ging, war von unseren Fahrern keiner mehr zu sehen." Ganz im Gegensatz zum Team Gerolsteiner. Gleich drei Pedaleure der Mannschaft von Teamchef Hans-Michael Holczer fuhren unter die besten Zehn, Gerolsteiner-Kapitän Davide Rebellin (Italien) verteidigte mit Platz drei seine Führung im Gesamtweltcup (282 Punkte) vor seinem Landsmann Paolo Bettini.
"Das war wieder eine überragende Leistung. Ich bin mir sicher, dass wir nun das Weltcup-Trikot von Davide nach Hause fahren werden", meinte Reimund Dietzen als Sportlicher Leiter vor Ort. Drei Rennen - Zürich (22. August), Paris-Tours (10. Oktober) und die Lombardei-Rundfahrt (16. Oktober) - muss der kleine Italiener noch überstehen. Zunächst einmal gönnt sich Rebellin aber eine Olympia-Pause.
Edelmetall ist das erklärte Ziel
Dagegen beginnt für Ullrich und Co. ab Montag im Trainingslager auf Kreta der Countdown für die Sommerspiele in Athen. "Meine Form stimmt", meint Ullrich und hofft, bereits am 14. August im olympischen Zeitfahren ganz oben auf dem Podium zu stehen. Vor vier Jahren in Sydney hatte der Toursieger von 1997 im Kampf gegen die Uhr Silber, im Straßenrennen Gold vor Winokurow und Klöden gewonnen.
Edelmetall ist auch das erklärte Ziel von Winokurow. Und die Form stimmt beim Kasachen, bei der Regio-Tour war er der überragende Fahrer. "Ich habe die Zeit während der Tour genutzt und daheim in Kasachstan hart trainiert", meinte Winokurow. Bei einem Sturz bei der Tour de Suisse hatte der Paris-Nizza-Sieger von 2003 eine schwere Schulterverletzung erlitten.
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