Deutschland-Tour: Ullrich für Sinkewitz-Erfolg dankbar
zuletzt aktualisiert: 03.06.2004 - 12:19Landshut (rpo). Jan Ullrich konnte es nur recht sein: Der Radstar vom T-Mobile Team verzog sich nach der dritten Etappe der Deutschland-Tour in den österreichischen Alpen schnell ins Mannschafts-Hotel, während ausnahmsweise einmal ein anderer deutscher Fahrer im Mittelpunkt des Medien-Interesses stand.
Patrik Sinkewitz aus Fulda hatte mit seinem Husarenritt auf der "Königsetappe" über den Arlberg alle Favoriten düpiert und mit dem Tagessieg den größten Erfolg in seinen bislang dreieinhalb Jahren als Profi gefeiert.
Sinkewitz: Jan kann die Tour gewinnen
Doch trotz seines Triumphes, der ihm das Gelbe Trikot für das vierte Teilstück am Donnerstag von Bad Tölz nach Landshut (181,4 km) einbrachte, kam auch Sinkewitz nicht um die Fragen nach Ullrich herum. "Ich weiß gar nicht, warum immer alle an ihm zweifeln. Ich denke, er hat gute Chancen, die Tour de France in diesem Jahr zu gewinnen", erklärte der 23-Jährige. Mit dem Schicksal, als Radsportler in Deutschland meist im Schatten des Olympiasiegers zu stehen, hat der Youngster kein Problem: "Man muss erstmal absolute Top-Leistungen bringen, um Beachtung zu finden. An Jans Erfolge reicht doch noch lange keiner heran."
Der so Gelobte zeigte sich denn auch zufrieden mit seinem ersten Renntag der Saison im Hochgebirge: "Natürlich sind diese Berge noch etwas zu hoch für mich, aber es geht weiter aufwärts. Ich hätte nicht gedacht, dass ich schon so lange vorne mithalten kann." Die Attacke seines sieben Jahre jüngeren Konkurrenten konnte der 30-Jährige allerdings nicht mehr kontern: "Da fehlt mir noch etwas, wenn so die Post abgeht." Die nächste Formüberprüfung wartet schon am Samstag auf Ullrich, wenn die Bergankunft auf dem Fichtelberg in 1214 m Höhe ansteht.
Spätestens dann ist auch die Führung von Sinkewitz in Gefahr. Nach der Arlberg-Etappe lag er im Gesamtklassement nur 11 Sekunden vor dem zweitplatzierten Tschechen Jan Hruska und jeweils 18 Sekunden vor Ullrich und dem Spanier Igor Gonzales de Galdeano. Auch der Berliner Jens Voigt liegt als Fünfter mit 23 Sekunden Rückstand noch aussichtsreich im Rennen. "Ich müsste lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass ich mir Hoffnungen auf den Gesamtsieg mache", sagte Sinkewitz.
Bislang stand für ihn nur ein Profi-Sieg vor zwei Jahren beim Grand Prix Winterthur zu Buche. "Letzte Saison war ich auf zweite Plätze programmiert. Aber die interessieren doch nicht wirklich", so der "Rad-Legionär" vom belgischen Quick Step Team. Dabei waren unter den Top-Ergebnissen so beachtliche wie die zweiten Ränge bei der Bayern-Rundfahrt und der deutschen Straßen-Meisterschaft, der siebte Platz bei der Deutschland-Tour sowie der 16. im WM-Rennen von Hamilton.
Sinkewitz hofft auf Tour-Nominierung
Sein großes Ziel in diesem Jahr ist das geplante Debüt bei der Tour in Frankreich. Darauf hat er in den vergangenen Monaten hingearbeitet. Wenn er nicht gerade mit seinem Teamkapitän Paolo Bettini in der Toscana trainierte, fuhr Sinkewitz durch die heimische Rhön. "Gemeinsam mit meiner Freundin Cornelia, die eine starke Konkurrenz im Training war - mit ihrem Motorroller."
Die Entscheidung über seine Tour-Nominierung wird nach der Deutschland-Tour fallen. Aber Quick-Step-Teamchef Patrick Lefevre hat ihm bereits signalisiert, dass er wohl dabei ist. Der Belgier war auch einer der Ersten, die Sinkewitz nach dessen Etappensieg gratulierten - telefonisch: "Hoffentlich hat man in Deutschland jetzt erkannt, dass man nicht nur einen Rennfahrer hat ..."
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