84. Giro d'Italia: Ullrich gestürzt - Italiener vorne
zuletzt aktualisiert: 24.05.2001 - 17:50Nettuno (rpo). Daniel Hondo mußte nach zwei Etappensiegen in Folge auf dem fünften Teilstück den italienischen Sprintern den Vortritt lassen. Im Badeort Nettuno in der Nähe von Rom ließ Ivan Quaranta dabei Mario Cipollini (Foto) keine Chance.
Nach den 229 km mit Start in Avellino durfte sich Hondo jedoch erneut das Lila Trikot des Punktbesten überstreifen und trägt es damit auch am Freitag auf der 6. Etappe über 150 km von Nettuno nach Rieti.
Im Rosa Trikot des Gesamtführenden fährt dann zum dritten Mal der Italiener Dario Frigo, der wie Jan Ullrich mit dem Hauptfeld ins Ziel rollte. Ullrich hatte auf dem fünften Tagesabschnitt wiederum Glück im Unglück. Der Olympiasieger kam rund 50 km vor dem Ziel bei einem Sturz im Hauptfeld zwar selbst nicht zu Fall, musste aber vom Rad absteigen und seinen Lenker richten. Auf der 1. Etappe war Ullrich auf regennasser Straße gestürzt, jedoch unverletzt geblieben.
Für die Akzente sorgten am Himmelfahrtstag Davide Casarotto und Michele Gobbi. Die beiden im Gesamtklassement weit zurück liegenden Italiener setzten sich nach 70 km ab und fuhren zeitweise bis zu acht Minuten Vorsprung heraus. Das war nicht genug: Die Ausreißer wurden zehn Kilometer vor dem Ziel gestellt, so dass es zum erwarteten Massensprint kam.
Frigo führt in der Gesamtwertung weiter mit zwölf Sekunden Vorsprung auf den Spanier Abraham Olano. Der 25-Jährige hatte das «Maglia Rosa» am Mittwoch auf der 169 km langen Etappe ins 1270 m hoch gelegene Montevergine erobert. Frigo kam trotz eines Sturzes zeitgleich mit Tagessieger Danilo di Luca ins Ziel und löste nach fünf Tagen den Belgier Rik Verbrugghe als Spitzenreiter ab. Marco Pantani konnte auf dem 17 km langen Schlussanstieg nicht an seine starke Vorstellung von der 1. Etappe anknüpfen und verlor 30 Sekunden auf den Sieger. Verbrugghe hatte viereinhalb Minuten Verspätung.
Ullrich musste gar einen Rückstand von 8:35 Minuten hinnehmen. Telekom-Teamchef Rudy Pevenage kommentierte das gelassen: «Wenn er gewollt hätte, wäre er vier Minuten schneller gefahren.» Wie Ullrich plagen auch Kevin Livingston und den Italiener Giuseppe Guerini Erkältungs-Symptome. Beide werden mit Antibiotika behandelt. Während sich Kletterspezialist Guerini am Mittwoch bei der ersten von drei Bergankünften wenigstens an der Seite Ullrichs halten konnte, verlor der einstige Team-Kollege des zweifachen Toursiegers Lance Armstrong noch mehr Terrain.
Abgesehen von seiner augenblicklichen Schwäche machte Livingston (USA) im bisherigen Saisonverlauf nicht unbedingt den Eindruck, im Juli in Frankreich die erwartet große Hilfe für Ullrich sein zu können. Pevenage mahnte zur Geduld mit dem einst auch persönlich engen Vertrauten Armstrongs während dessen Krebserkrankung: «Wir haben noch Zeit. Wenn es ihm körperlich besser geht, wird er sich in der letzten Woche in den Bergen zeigen. Ich rechne damit, dass Kevin zur Tour die Form hat, die wir von ihm erwarten.»
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