"Ich brauche keine harten Trainingseinheiten mehr": Ullrich: Keine Zeit zum Feiern
zuletzt aktualisiert: 21.06.2004 - 14:24Lugano (rpo). Da hatte T-Mobile-Star Jan Ullrich gerade die Tour de Suisse gewonnen, da musste er schon wieder los. Gerade mal eine Stunde nach dem Sieg war der Wahlschweizer schon wieder auf dem Weg nach Hause - ohne Feierlichkeiten.
Vom sonnigen Lugano, dem Ort seines Erfolgs, zog es den 30-Jährigen ins regnerische Scherzingen am Bodensee zu Freundin Gaby und Töchterchen Sarah-Maria. "Die Kleine ist auch nach einem Jahr die beste Motivation, die ich mir wünschen kann", erklärte der stolze Vater. Und die verbleibenden Tage als "Heimschläfer" bis zur Tour de France sind rar.
Nicht einmal mehr zwei Wochen bleiben Ullrich bis zum Start des Saison-Höhepunkts. Da kam der erste Rundfahrtsieg seit knapp fünf Jahren genau zum richtigen Zeitpunkt: "Das ist ein Traumstart in den Sommer, so kann's weitergehen." Dafür sei es jetzt wichtig, die Schweiz-Rundfahrt "nachwirken" zu lassen: "Ich brauche sicher keine harten Trainingseinheiten mehr, denn der Form-Schub dieses Rennens kommt ganz von alleine. Das wird mich nochmal eine Stufe hochbringen", so der T-Mobile-Kapitän.
Präsentation des T-Mobile-Tourteams am Freitag
Nach zwei Regenerationstagen geht Ullrichs Tour-Countdown in dieser Woche in die letzte Phase. Für Mittwoch und Donnerstag sind lockere Übungseinheiten geplant. Am Donnerstagabend stellt er gemeinsam mit ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf in Köln sein Buch "Ganz oder gar nicht - Meine Geschichte" vor. Freitag geht's dann zur Präsentation des T-Mobile-Tourteams nach Bonn.
Das letzte Rennen vor der großen Schleife bestreitet der Olympiasieger am Sonntag bei den deutschen Straßen-Meisterschaften in Freiburg, bevor es am Mittwoch kommender Woche nach Lüttich geht. Am liebsten würde Ullrich wie 1997 und 2001 mit dem Trikot des deutschen Meisters im Gepäck zur Tour anreisen: "Das wäre toll, aber am Wichtigsten ist, dass wir den Titel überhaupt mit unserer Mannschaft holen - das wird schwer genug."
Auf der anderen Seite scheint der Toursieger von 1997 stärker denn je im Vorfeld der Frankreich-Rundfahrt. Auch im vergangenen Jahr, als er mit dem zweiten Platz hinter Fünffach-Sieger Lance Armstrong ein überzeugendes Comeback feiern konnte, war Ullrich nicht in dieser Verfassung. "Vor einem Jahr bin ich noch während der Tour de Suisse krank geworden und musste sogar Antibiotika einnehmen. Trotzdem lief's danach ja gut. Aber dieses Jahr bin ich noch besser drauf."
Ein Fragezeichen steht dagegen weiter hinter seinem Team. Aufgrund der verletzungsbedingten Ausfälle von Alexander Winokurow (Kasachstan) und Paolo Savoldelli (Italien) kann T-Mobile nicht in Bestbesetzung antreten. Ullrichs vorrangige Helfer werden deshalb der Australier Cadel Evans, Sieger der Österreich-Rundfahrt, Ex-Zeitfahrweltmeister Santiago Botero aus Kolumbien und Routinier Giuseppe Guerini aus Italien sein. Dazu kommen vermutlich Andreas Klöden (Cottbus), Matthias Kessler (Nürnberg), Rolf Aldag (Beckum) und Tobias Steinhauser (Scheidegg) sowie Erik Zabel (Unna) als Mann für die Sprintentscheidungen.
"Wir hatte sicher Pech mit den Ausfällen. Aber die Mannschaft ist immer noch stark genug", ist Ullrich überzeugt. "Wenn wir das Gelbe Trikot haben, sind wir auch in der Lage, es zu verteidigen."
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