Lebende Legende in zwei Wettbewerben am Start: Unspektakuläres Comeback von Navratilova
zuletzt aktualisiert: 29.06.2000 - 13:50London (sid). Es war ein eher unspektakuläres Comeback. Als Martina Navratilova nach sechs Jahren wieder einen Tennisplatz in Wimbledon betrat, bekamen das nicht alle mit. Auf Platz 18 wurde sie mit ihrer Doppelpartnerin Mariaan de Swardt abgeschoben. Ein Platz hinten links, eng vor das Fernsehzentrum gequetscht, auf dem nur etwa 500 Zuschauer sitzen können.
Ein Platz, der noch gar nicht gebaut war, als Martina Navratilova 1994 zum letzten Mal im Finale des größten Grand Slam Turniers stand. Ein unwürdiger Platz für die Rückkehr der großen Navratilova.
Aber sie hat es so gewollt. "Man muss es sich verdienen, auf einem der großen Plätze angesetzt zu werden", sagte die 43-Jährige nach dem unspektakulären 6:3, 6:7 (4:7), 6:3 gegen Amanda Hopmans (Niederlande) und Lubomira Bachewa (Bulgarien). Gleichzeitig blockierte nebenan Anna Kurnikowa bei ihrer Niederlage gegen Anne-Gaelle Sidot den großen Hauptplatz eins. Und die Wahrheit ist, dass selbst im Wimbledon der heutigen Tage das Interesse an der sportlich substanzarmen "Tennis-Verona" aus Russland wesentlich größer ist als das einer lebenden Legende.
Die Atmosphäre auf Platz 18 war jedenfalls überhaupt nicht zu vergleichen mit dem Spektakel, das John McEnroe und Steffi Graf bei ihrem Mixed-Auftritt an gleicher Stelle vor zwölf Monaten veranstaltet hatten. Schon bei ihrem Auftritt in Roland Garos hielt sich die Begeisterung der Fans in Grenzen. Martina Navratilova ist eben immer wegen ihrer brillanten sportlichen Leistungen respektiert, verehrt und anerkannt worden, geliebt wurde die leicht spröde wirkende Brillenträgerin eher nicht.
"Es war ein fantastisches Gefühl, wieder hier auf dem Platz zu stehen", sagte sie: "Aber man nimmt den Applaus nur für 30 Sekunden auf, dann muss man sich auf das Match konzentrieren." Das ging schon ganz gut, obwohl es skurril aussah. Ausgerechnet der voll austrainierte Fitness-Freak Navratilova an der Seite der eher etwas ausladenden Mariaan de Swardt. "Wie Pat und Patachon bei der Love Parade", beschrieb ein Zuschauer den Auftritt der beiden.
Wenn Martina Navratilova am Netz steht, sieht man die Extraklasse bei den Volleys, die auch heute noch unerreicht ist. Und lange Duelle von der Grundlinie braucht sie im Doppel nicht zu spielen. Hopmans/Bachewa hatten auch nicht das Niveau, um Navratilova und ihre stämmige Partnerin aus Südafrika ernsthaft zu gefährden.
Es sei ihr beim Comeback nicht um den Applaus gegangen und auch nicht um den 20. Wimbledon-Titel, mit dem sie den Rekord von Billie Jean King einstellen würde: "Das habe ich erst aus der Zeitung erfahren. Wenn ich das gewollt hätte, wäre ich hier in den letzten sechs Jahren jedes Mal angetreten und hätte versucht, zu gewinnen."
Die Lust auf Wimbledon, auf die einmalige Atmosphäre an der Church Road sei es gewesen, die sie zur Rückkehr bewog: "Vielleicht komme ich auch im nächsten Jahr zurück." Die Lust ist so groß, dass sie auch im Mixed-Wettbewerb an der Seite von Mahesh Bhupati antritt. Der Weltklasse-Doppelspieler aus Indien ist sicherlich die bessere Partnerwahl für ein erfolgreiches Abschneiden als Mariaan de Swardt.
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