Tennis: John McEnroe kritisiert Pete Sampras: US-Daviscup-Kapitän bemängelt zudem die Terminierung
zuletzt aktualisiert: 02.02.2000Hamburg (dpa). Seinen Einstand als Daviscup-Kapitän hatte sich John McEnroe ganz anders vorgestellt. "Wenn Andre und Pete spielen, kann ich mich entspannt auf meinem Stuhl zurück lehnen, die Hände in die Hosentaschen stecken und zuschauen, wie die Beiden den Daviscup gewinnen", hatte "Big Mac" im vergangenen September gescherzt, nachdem es ihm auf Anhieb gelungen war, nach seiner Ernennung zum neuen Kapitän des Rekordsiegers (31 Titel) das "Dreamteam" Agassi und Sampras wieder zum vereinten Einsatz für das US-Tennis zu gewinnen.
Vier Monate später ist der schöne Traum erst einmal vorbei. Der 40-jährige McEnroe muss bei seiner Premiere im afrikanischen Harare gegen Gastgeber Simbabwe nicht nur auf Sampras verzichten, der nach seiner Halbfinal-Niederlage bei den Australian Open gegen Agassi wegen einer Hüftverletzung absagte, sondern auch noch auf den kranken Todd Martin. Amerikas Nummer drei hat sich einen Virus eingefangen.
Debütant Chris Woodruff (27) als zweiter Einzelspieler neben Agassi sowie der 35-jährige Daviscup-Veteran Rick Leach als neuer Doppelpartner von Alex O'Brien sollen nun dafür sorgen, dass McEnroe im Duell mit den Black-Brüdern Byron und Wayne kein blaues Wunder auf dem afrikanischen Kontinent erlebt. "Es ist schwer, einzigartige Spieler wie Sampras oder Martin zu ersetzen", stöhnte McEnroe.
Nach einem Anreise-Marathon über 36 750 km erwartet "Big Mac" im 1 500 m hoch gelegenen Spielort von Freitag bis Sonntag ein heißes Match, und das nicht nur, weil das Harare City Sports Center keine Klimaanlage besitzt. "Die Black-Brüder sind keine Superstars, aber gute Wettkämpfer. Wir werden sie nicht unterschätzen", versicherte McEnroe.
Seine Hoffnungen ruhen nun total auf Australian-Open-Sieger Agassi: "Andre ist in der Form seines Lebens." Als Kapitän steht McEnroe im Daviscup erst am Anfang, als Spieler sind seine Erfolge legendär; der Linkshänder führte die US-Auswahl zu fünf Titeln, brachte es auf 59 Siege (41:8 im Einzel, 18:2 im Doppel) und hält insgesamt noch fünf weitere amerikanische Bestmarken im Daviscup.
Aus deutscher Sicht steht neben dem eigenen Heimspiel gegen die Niederlande in Leipzig die Partie zwischen Außenseiter Schweiz und Titelverteidiger Australien im Mittelpunkt. Die beiden Sieger treffen im Viertelfinale (7. bis 9. April) aufeinander. Die Schweizer haben mit hausgemachten Streitereien ihre Chancen schon im Vorfeld auf ein Minimum reduziert. Die Ernennung von Ex-Profi Jakob Hlasek zum neuen Kapitän sorgte für Riesenärger und zur vorläufigen Demission des erfahrenen Marc Rosset. "So lange Hlasek Kapitän ist, werde ich nicht mehr spielen", verkündete der 29-jährige Rosset, nachdem ein letztes Friedensgespräch gescheitert war. Nun soll der zwar talentierte, aber unerfahrene Roger Federer (18) ein Team der Namenlosen gegen Mark Philippoussis und Jungstar Lleyton Hewitt zur Sensation führen.
Von den insgesamt acht Erstrunden-Begegnungen der Weltgruppe versprechen zwei auf Sand besondere Spannung. Italien fährt mit einer positiven Bilanz (7:3 Siege) zum Auswärtsspiel gegen Spanien nach Murcia. Vorjahres-Finalist Frankreich steht in Florianopolis, der Heimat von Gustavo Kuerten, gegen Brasilien vor einer hohen Hürde. Die übrigen Paarungen lauten: Russland - Belgien, Tschechien - Großbritannien und Slowakei - Österreich. Die Österreicher hatten im vergangenen Jahr in der Relegationsrunde als "Favoritenkiller" den damaligen Titelverteidiger Schweden in die zweite Liga geschickt.
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