Mary Pierce gibt mit Schulterverletzung auf: US Open: Anke Huber erreicht das Viertelfinale
zuletzt aktualisiert: 04.09.2000 - 21:11New York (dpa). Eine schmerzende Schulter hat Anke Huber nach fünf sieglosen Jahren den ersten "Erfolg" gegen ihre Angstgegnerin Mary Pierce beschert und bei den US Open glänzende Perspektiven eröffnet. Die French-Open-Siegerin aus Frankreich beendete am Montag in New York das Achtelfinal-Match gegen die 25-jährige Karlsdorferin nach dem Verlust des ersten Satzes mit 4:6 vorzeitig.
Die Schmerzen in der Schulter des rechten Schlagarms waren offenbar während der Partie zu schlimm geworden. Wegen der Probleme hatte die 25-jährige Französin seit Wimbledon pausiert und war erst in New York auf den Tennisplatz zurück gekehrt.
Nach zuletzt fünf Niederlagen wollte Anke Huber eigentlich mit sportlichen Mitteln die Misserfolgsserie gegen ihre Angstgegnerin beenden. Doch nun steht der besten deutschen Tennisspielerin bei dem mit 15 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam-Turnier sogar die Tür zum Halbfinale weit offen. Huber trifft in der Runde der letzten Acht nun auf die 18-jährige Jelena Dementiejwa aus Russland, die Lilia Osterloh aus den USA in drei Sätzen besiegte.
Dass Mary Pierce nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte war, wurde früh deutlich, besonders beim Aufschlag. Nach einem ermutigenden Break zum 1:0 leistete sie sich in ihrem ersten Aufschlagspiel gleich drei Doppelfehler und schenkte Anke Huber so förmlich das Rebreak zum 1:1. Danach verlief die Partie im riesigen Arthur Ashe-Stadion, das am späten Vormittag nur spärlich besetzt war, weitgehend ausgeglichen. Beide Spielerinnen hatten Chancen, machten aber zu viele Fehler.
Das frühe Ende der Partie zeichnete sich beim Stand von 5:4 für Huber ab, als Mary Pierce eine dreiminütige Behandlungspause in Anspruch nahm. Ihre Schulter wurde versorgt, aber es half nicht. Sie verlor ihren Aufschlag zum 4:6, bezeichnenderweise nach zwei Doppelfehlern in Folge. Mary Pierce ging ans Netz und gab nach 38 Minuten Spielzeit Anke Huber zum Zeichen der Aufgabe die Hand.
Die Weltranglisten-Erste Martina Hingis stand am Sonntagabend im Regen, doch ihr Freund Magnus Norman kam im stürmischen New York noch einmal mit dem Schrecken davon. Nach 4:06 Stunden besiegte der 24- jährige Schwede den Weißrussen Max Mirnyi im bislang längsten Turnierspiel nach einem beeindruckenden Comeback mit 3:6, 4:6, 7:6 (7:5), 6:4, 7:6 (11:9) und qualifizierte sich damit für das Achtelfinale, in dem er am Dienstag Gegner von Nicolas Kiefer aus Holzminden ist.
"Es ist egal, wie ich gewonnen habe. Es war auf jeden Fall einer der größten Tennis-Krimis meines Lebens", jubelte Norman, der vier Matchbälle abwehrte und in einem an Spannung kaum zu überbietenden Tie-Break des fünften Satzes schließlich selbst seinen dritten verwandeln konnte. Danach sank der French-Open-Finalist wie sein legendärer Landsmann Björn Borg bei jedem seiner fünf Wimbledon- Triumphe auf die Knie, ließ sich von den Zuschauern feiern und dankte dem Himmel.
"Gute Spieler scheinen Glück im richtigen Moment zu haben", sagte der an Nummer drei gesetzte Norman, der mit 58:16-Siegen die beste Bilanz aller Profis in diesem Jahr aufweist. Der unterlegene Mirnyi war laut Statistik sensationelle 173 Mal ans Netz gestürmt und hatte mit 179:174 Punkten sogar fünf mehr als der Sieger gewonnen.
Die topgesetzte Schweizerin Martina Hingis und Titelverteidigerin Serena Williams folgten der Karlsdorferin Anke Huber ins Viertelfinale der 120. US Open der Tennisprofis in Flushing Meadows. Die Weltranglisten-Erste Martina Hingis fertigte die an Nummer elf gesetzte Französin Sandrine Testud in nur 58 Minuten mit 6:2, 6:1 ab. Nächste Gegnerin ist die an Nummer sechs gesetzte Monica Seles.
Titelverteidigerin Serena Williams hatte dagegen gegen die Australierin Jelena Dokic zunächst hart zu kämpfen, ehe sie mit 7:6 (9:7), 6:0 doch noch in die Runde der besten Acht stürmte. Die Nummer sechs der Setzliste machte im ersten Satz 24 unerzwungene Fehler und profitierte von einer strittigen Schiedsrichterentscheidung, die einen Satzball Dokic verhinderten. Die jüngere Williams-Schwester trifft nun auf die Siegerin der Partie zwischen Lindsay Davenport (USA/Nr. 2) und der Belgierin Justine Henin.
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