Kandarr attackiert DTB: US Open: Huber und Rittner verhindern Damen-Debakel
zuletzt aktualisiert: 29.08.2001 - 10:41New Yorrk (rpo). Acht von zehn deutschen Starterinnen bei den US Open in Flushing Meadows haben ihre Auftaktspiele nicht überstanden, nur die im Juli im Fed Cup gegen Argentinien gescheiterten "Oldies" Anke Huber und Barbara Rittner konnten unter die letzten 64 einziehen.
Schwache Nerven, schlechte Leistungen, aber auch schwere Lose: Fünf Jahre nach dem letzten Triumph durch Steffi Graf konnte das deutsche Damen-Tennis seinen großen Abstand zur Weltelite nicht verringern.
Dies ist die schwächste Bilanz bei den diesjährigen Grand-Slam- Turnieren, obwohl in New York mit zehn Spielerinnen das stärkste deutsche Kontingent bei den vier Wettbewerben das Hauptfeld erreichte. Jeweils vier Damen kamen bei den Australian und French Open zumindest in die zweite Runde, in Wimbledon waren es sechs.
"Einige haben überraschend schlechte Leistungen geboten und nicht das gespielt, was sie können", räumte Fed-Cup-Teamchef Markus Schur ein. Besonders die Nachwuchshoffnungen Bianka Lamade und Marlene Weingärtner enttäuschten, die Heidelbergerin gab nach gewonnenem zweiten Satz 14 Punkte in Folge ab und verlor am Dienstag (Ortszeit) 4:6, 7:6 (7:4), 1:6 gegen Qualifikantin Sarah Taylor aus den USA.
"Es hat sich seit dem vergangenen Jahr schon etwas getan", sagte Schur und beharrte auf einen Aufwärtstrend. Er verwies auf einige gute Ergebnisse bei anderen Turnieren und die Zahl von nur fünf qualifizierten deutschen Damen bei den US Open im vorigen Jahr. Ob von den jungen Spielerinnen zumindest eine genügend Talent besitzt, um auch einmal eine Favoritin zu stürzen, bleibt aber zweifelhaft.
Die Hoffnungen ruhen bei den US Open deshalb wieder einmal auf Anke Huber, die in der zweiten Runde auf Sarah Taylor trifft. Mit einem 6:2, 6:4 gegen Maria Emilia Salerni aus Argentinien begann die 26-Jährige ihre Abschiedsvorstellung in Flushing Meadows. "Weil es meine letzten US Open sind, genieße ich es hier umso mehr und möchte mit einem guten Erfolg aufhören", sagte die Karlsdorferin, die spätestens nach den Australian Open im Januar den Schläger aus der Hand legen will. Eventuell bestreitet sie aber schon jetzt ihr letztes Grand-Slam-Turnier.
Ihr Ziel sei es, Ende Oktober das Masters in München zu erreichen, betonte Anke Huber und stellte für diesen Fall den Start in Australien in Frage, mit der sich der Kreis ihrer fast 13-jährigen Profikarriere schließen würde. Einen Rücktritt vom Rücktritt werde es bei ihr "nie" geben, auch keine Art von Rückkehr, wie sie derzeit Boris Becker praktiziert. "Ich verstehe das auch nicht so richtig. Entweder nimmt man eine Pause, oder man kommt nie zurück."
Ein Comeback verpasste Jana Kandarr beim 4:6, 6:3, 3:6 gegen Chanda Rubin, obwohl sich die US-Amerikanerin im dritten Satz übergeben musste und sehr lange auf eine Ärztin wartete. Von Pech und einer schweren Auslosung sprach die in München lebende Hallenserin anschließend, bevor sie den Deutschen Tennis Bund (DTB) attackierte.
Dort sei nach dem Ende der Ära Becker/Graf "Misswirtschaft" betrieben worden. Statt das Geld in den Nachwuchs zu investieren, sei es von Funktionären unter anderem für 10 000 Mark teure Flüge in der Business-Klasse zu zweistündigen Besprechungen nach New York ausgegeben worden. "Wir gelten als geldgierig, aber wir müssen davon leben", sagte Jana Kandarr, die sich nicht in der Nachfolgerolle von Anke Huber sieht. Deren Rücktritt werde jungen Spielerinnen gewiss mehr Möglichkeiten eröffnen. In New York war davon allerdings nichts zu sehen - auch von der 24-Jährigen nicht.
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