Als letzter Deutscher im Viertelfinale ausgeschieden: US Open: Kiefer scheitert an Geheimfavorit Safin
zuletzt aktualisiert: 07.09.2000 - 21:18New York (sid). Selbst ein Boris Becker kann sich irren. "Nicolas Kiefer spielt derzeit sehr gut. Ich gebe ihm gegen Marat Safin exzellente Chancen", sagte der als internationale Repräsentant des Deutschen Tennisbundes (DTB) zu den US Open angereiste Leimener. Drei Stunden später wurde Becker eines Besseren belehrt.
Mit 5:7, 6:4, 6:7 (5:7) und 3:6, verabschiedete sich Kiefer gegen den russischen Geheimfavoriten Marat Safin aus dem letzten Grand Slam-Turnier des Jahres, das nach dem Viertelfinal-Aus von Anke Huber gegen die ungesetzte Elena Dementieva (Russland) ohne deutsche Beteiligung in die letzten beiden Runden ging.
Nicolas Kiefer versuchte alles. Wie in seinen bisherigen Begegnungen begann der Deutsche ungemein konzentriert, ging nach einer kurzen Phase des Abtastens im ersten Satz mit 4:2 in Führung. Das schnelle Break erwies sich jedoch als willkommene Starthilfe für den 20Jahre alten Moskauer, der in der Folgezeit deutlich die Initiative übernahm und sich nach vier Spielen in Folge den ersten Durchgang sicherte.
Kiefer zeigte sich zunächst unbeeindruckt, wehrte im zweiten Satz beim Stand von 3:3 und 0:40 in beeindruckender Manier drei Breakbälle ab und schaffte nach 76 Minuten mit einem Break zum 6:4 den Satzausgleich. In der Folgezeit stand das Match auf des Messers Schneide, beide Spieler lieferten sich einen offenen Schlagabtausch, der die 5.000 Zuschauer auf dem nur spärlich besetzten Center Court des Arthur Ashe Stadiums von den Sitzen riss.
Immer wieder brachte Kiefer gegen den ungestüm ans Netz vorstürmenden Russen unglaubliche Bälle ins Feld zurück, dieser musste trotz eines "Becker-Hechts" und zweier durch die Beine zurück gespielter Bälle beim Stand von 3:4 das Break von Kiefer hinnehmen. Der aufopferungsvoll kämpfende Deutsche konnte sich allerdings nur kurz über den Vorsprung freuen, Safin gelang das direkte Rebreak und wenig später mit dem Satzgewinn im Tiebreak die Vorentscheidung.
Nach exakt 3:04 Stunden war das Unternehmen "US Open" im Jahr 2000 für Kiefer beendet. Mit gestiegenem Selbstbewußtsein nach dem Gewinn des dritten Satzes nutzte Safin seine Chance. Als Trost bleibt Kiefer ein Preisgeld von 110.000 Dollar.
Pete Sampras stand in seinem Viertelfinale gegen "Angstgegner" Richard Krajicek (Niederlande) nach einem 0:1-Satzrückstand und einem 2:6 im Tiebreak des zweiten Durchganges bereits dicht vor dem Aus. Doch nach einem grandiosen Comeback siegte der viermalige US Open-Gewinner doch noch mit 4:6, 7:6 (8:6), 6:4, 6:2 und trifft am Samstag im "Duell der Generationen" auf den 19 Jahre alten australischen Shooting Star Lleyton Hewitt.
Derweil hat Lindsay Davenport den amerikanischen Traum vom finalen "Sister Act" zerstört. Im Duell der US Open-Siegerinnen der vergangenen beiden Jahre eliminierte die Weltranglistenzweite die an Nummer fünf gesetzte Titelverteidigerin Serena Williams mit 6:4, 6:2. Motivation für ihren Viertelfinalsieg holte sich Davenport ausgerechnet bei ihrer schärfsten Konkurrentin. "Jeder sprach nur vom Williams-Finale. Martina Hingis und ich haben uns zusammengesetzt und abgemacht, den Sister-Act zu verhindern." Williams wurde zudem vom Verletzungspech heimgesucht. Sie zog sich eine Entzündung am linken grossen Zeh zu und sah sich gezwungen, ihre weitere Teilnahme im Doppelwettbewerb der US Open abzusagen.
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