Williams im Halbfinale: US Open: Kiefer steht erstmals im Viertelfinale
zuletzt aktualisiert: 05.09.2000 - 23:44New York (dpa). Mit äußerster Entschlossenheit und dem Glück des Tüchtigen hat Nicolas Kiefer (Foto) bei den US Open den haushohen Favoriten Magnus Norman (Foto unten) gestürzt und ist erstmals ins Viertelfinale der US Open eingezogen. Der großartige kämpfende Holzmindener nutzte am Dienstag in New York seine Chancen konsequenter als der French-Open-Finalist und entzauberte den an Nummer drei gesetzten Schweden mit 6:2, 6:7 (3:7), 6:1, 6:3.
Die Statistik der Breakbälle offenbarte den Schlüssel zum Erfolg der deutschen Nummer eins: Kiefer nutzte in den drei Stunden Spielzeit acht von 13 Breakchancen, Norman nur zwei von 16. Nach dem sechsten Matchball war die Überraschung beendet.
Kiefer steht zum vierten Mal nach Wimbledon 1997 sowie den Australian Open 1998 und 2000 im Viertelfinale eines Grand Slams. Den Sprung ins Halbfinale hat er bislang stets verfehlt. Beim vierten Versuch trifft der 23-Jährige in Flushing Meadows am Donnerstag auf den Russen Marat Safin oder Juan Carlos Ferrero aus Spanien.
Wimbledonsiegerin Venus Williams hat das Halbfinale erreicht. Die 20-jährige US-Amerikanerin besiegte am Dienstag Nathalie Tauziat aus Frankreich im Viertelfinale mit 6:4, 1:6, 6:1. Für Venus Williams war es der 24. Sieg in Folge. Im Halbfinale trifft sie am Freitag auf die Siegerin der Partie zwischen der Weltranglisten-Ersten Martina Hingis aus der Schweiz und der Amerikanerin Monica Seles.
Bereits an diesem Mittwoch hat Anke Huber (Karlsdorf) gegen die Russin Elena Dementjewa die Chance, bei dem mit 15 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam-Turnier in New York ins Halbfinale einzuziehen.
Erfolgreiche Revanche
Bei Kiefers erfolgreicher Revanche für die zu Jahresbeginn bei den Australian Open erlittene Viersatz-Niederlage gegen Norman sah es zunächst nach einer enttäuschenden Parallele aus. Kiefer fand erneut besser ins Spiel hinein, variierte aus der Defensive heraus das Tempo mit Stopp- und Slice-Bällen und machte beim 6:2 in Durchgang eins nur zwei vermeidbare Fehler. Doch wie in Melbourne gewann Magnus Norman zunehmend die Oberhand, drängte den Deutschen mit seiner gewaltigen Vorhand in die Defensive. Kiefer benötigte viel Glück, um den Tie- Break zu erreichen, in dem er jedoch nach einer 3:1-Führung sechs Punkte in Folge verlor.
Doch statt der erwarteten Wende legte Kiefer zu - und Norman baute ab. Womöglich war dies die Folge der vier Stunden, die der Schwede am Sonntag bei seinem Fünfsatz-Kraftakt gegen den Weißrussen Max Mirnyi auf dem Platz gestanden hatte. Vier Mal durchbrach Kiefer den Aufschlag seines Gegners und ging mit 2:1 Sätzen in Führung. Nun hatte Kiefer den Sieg vor Augen - und griff mit dem Break zum 4:2 im vierten Satz vorentscheidend zu.
Für Anke Huber geht es an diesem Mittwoch um den erstmaligen Einzug ins Halbfinale der US Open. Gegen die Weltranglisten-25. Elena Dementjewa geht die an Nummer zehn gesetzte Karlsdorferin als klare Favoritin ins Match, auch wenn sie das bislang einzige Spiel gegen die 18-jährige Russin im vergangenen März in Indian Wells in drei Sätzen verloren hat. "Ich weiß, dass ich eine große Möglichkeit habe", meinte Huber. Die mögliche Halbfinal-Gegnerin wird in einem reinen US-Duell zwischen Titelverteidigerin Serena Williams und Australian-Open-Champion Lindsay Davenport ermittelt, die meinte: "Ich würde im Viertelfinale auch lieber gegen eine Spielerin wie Dementjewa spielen."
An Pete Sampras kommt bei den US Open keiner vorbei - höchstens Richard Krajicek. Nach der 7:6 (7:4), 6:2, 6:4-Pflichtübung gegen Schüttler-Bezwinger Hyung-Taik Lee aus Südkorea steht dem 29-jährigen Amerikaner am Mittwoch gegen Aufschlag-König Krajicek die womöglich höchste Hürde auf dem durch Favoritenstürze geebneten Weg zum 14. Grand-Slam-Titel bevor. Denn gegen den 28-jährigen Niederländer weist Sampras nach Siegen mit 3:6 eine negative Bilanz auf. Von den letzten fünf Partien hat der siebenmalige Wimbledonsieger nur eine gewonnen.
"Richard ist gegen mich sehr selbstbewusst. Er hat in den letzten Jahren sehr gut gegen mich gespielt. Der Schlüssel wird sein, wer den anderen bei den Aufschlagspielen stärker unter Druck setzen kann. Der Return wird entscheiden", sagte Sampras nach dem Achtelfinalsieg gegen Lee. Im ersten Satz hielt der Südkoreaner noch selbstbewusst sein Service. Nach dem gewonnenen Tie-Break hatte sich Sampras auf das Spiel des ihm vorher unbekannten Gegners eingestellt. "Am Anfang war es wie beim Baseball, wenn der Schlagmann den Werfer nicht kennt", meinte Sampras.
Krajicek ist bereit für einen weiteren Sampras-Sturz. "Mein Aufschlag-Volley-Spiel ist auf einem hohen Niveau", sagte der 28- Jährige nach seinem 7:6 (13:11), 6:4, 6:1-Erfolg gegen Dominik Hrbaty aus der Slowakei. Der knapp zwei Meter große Niederländer ist froh, schon im Viertelfinale gegen den 13fachen Grand-Slam-Champion zu spielen. "Pete hat eine fantastische Final-Bilanz bei den Grand Slams. Es ist besser, früher auf ihn zu treffen", sagte Krajicek, der in vier Spielen schon 78 Asse geschlagen hat.
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