Kushner: "Mit Klitschkos hat er zwei Jackpots": US-Promoter neidisch auf Kohl
zuletzt aktualisiert: 28.11.2002 - 14:21Las Vegas (rpo). Klaus-Peter Kohl kann sich des Neides seiner Box-Promoter-Kollegen sicher sein. Mit den Klitschko-Brüdern hat er nach einhelliger Meinung gleich zwei Jackpots gezogen.
Ganz besonders in Amerika, dem Mekka des Faustkampfes, wünschen sich die prominenten Gegenspieler der Zunft an seiner Stelle zu sein. Nach dem glanzvollen K.o.-Sieg von Witali Klitschko gegen Larry Donald (USA) vorigen Samstag in Dortmund kam in Übersee auch der letzte aus der Branche zu der Einsicht, dass Kohl jetzt sogar mit den Klitschkos im Doppelpack den lukrativsten Markt dominieren wird. "Mit den Brüdern hat er gleich zwei Jackpots, er ist wirklich zu beneiden", meinte Promoter Cedric Kushner zehn Tage vor der Titelverteidigung von WBO-Champion Wladimir Klitschko in Las Vegas gegen den von ihm gemanagten Schwergewichtler Jameel McCline.
Kohl könne sich überglücklich schätzen, ihm stünden goldene Zeiten bevor, behauptet auch Bob Arum, neben Don King und Kushner der einflussreichste US-Promoter. Des extrovertierten Gehabes von King beim Klitschko-Kampf hätte es nicht bedurft, um zu begreifen, was er damit bezwecken wollte. Allein die Tatsache, dass der Ober-Guru der Szene in Dortmund am Ring saß, zeugte von der Furcht, künftig ohne bedeutenden Einfluss in der "Königsklasse" dazustehen und somit nur noch kleine Häppchen vom großen Kuchen abzubekommen. Eine solche Kontaktpflege mit einem deutschen Widersacher war King bislang fremd.
Mit WBA-Weltmeister John Ruiz sowie Evander Holyfield und Chris Byrd, die am 14. Dezember um den vakanten IBF-Titel kämpfen, hat King zwar noch zwei Schwergewichts-Champions unter seiner Ägide. Doch die ersehnten mehrstelligen Millionensummen lassen sich mit beiden nicht verdienen. Die garantieren momentan nur WBC-Weltmeister Lennox Lewis (Großbritannien), Mike Tyson und alsbald das Klitschko-Duo - sie alle aber stehen nicht bei King unter Vertrag. Angstschweiß treiben dem skrupellosen Geschäftsmann mit der markanten Haarfrisur die gebürtigen Ukrainer und deren Promoter auf die Stirn. Vor sechs Jahren hatten die Klitschkos King bereits eine Abfuhr erteilt, als er sie an sich binden wollte, sie aber in Hamburg anheuerten.
Die drei "K" - Kohl und zwei Mal Klitschko - drohen über Jahre das Schwergewicht zu beherrschen. Ein Albtraum für King und Konkurrenten. Denn ernst zu nehmende einheimische Talente drängen sich nicht auf. Außerdem sind die makellosen Schützlinge von Meistertrainer Fritz Sdunek noch jung und stehen längst nicht im Zenit ihres Könnens. Die gleiche Erkenntnis setzt sich auch zunehmend in den amerikanischen Medien durch, die mittlerweile auch davon ausgehen, dass Witali Klitschko am 8. März den britischen WBC-Weltmeister Lennox Lewis herausfordern wird. "Die Klitschkos - Russlands neue Revolution", wie "Boxing Digest" in der Oktober-Ausgabe prophezeite, scheinen die Titelseiten der Box-Zeitschriften inzwischen abonniert zu haben.
Es sei bewundernswert, wie Kohl die Hünen jahrelang aufgebaut habe, befand Arum. "Er hat es sich verdient, jetzt viel Geld zu machen", anerkannte Kushner und meinte: "Ich möchte nicht wissen, wie viel er in diese Jungs investiert hat. Und so geradlinig und komplikationslos, wie es nach außen wirkt, wird ihre Zusammenarbeit auch nicht immer gewesen sein. Beide Seiten müssen aber aneinander geglaubt haben, sonst wären sie nicht so weit gekommen".
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