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Basketball in der NBA
Schröder auf dem Weg zum Anführer

Fotos: Schröder – Braunschweiger, NBA-Pick 17, Hawks-Profi
Fotos: Schröder – Braunschweiger, NBA-Pick 17, Hawks-Profi FOTO: dpa, js uw
Atlanta. Dennis Schröder und die Atlanta Hawks sind in den Play-offs der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA erneut an den Cleveland Cavaliers gescheitert. An Dennis Schröder lag es nicht. Dem deutschen Nationalspieler winkt im Sommer sogar eine Beförderung. Von Sebastian Bergmann

Dennis Schröder hält den Ball in seinen Händen. Immer wieder geht sein Blick in Richtung Wurfuhr. Jetzt sind alle Augen auf ihn gerichtet. Jetzt liegt es an ihm, das erneute Play-off-Aus seiner Atlanta Hawks gegen die Cleveland Cavaliers zu verhindern. 99:100 steht es wenige Sekunden vor Schluss aus Sicht von Schröders Hawks. Mindestens ein Punkt ist nötig, um sein Team in die Verlängerung zu retten. Der 22-Jährige fasst sich ein Herz, zieht wildentschlossen in Richtung Korb. Dort warten jedoch die langen Kerle der Cavaliers bereits auf den Deutschen. Cavs-Superstar LeBron James durchkreuzt Schröders Pläne, bekommt irgendwie die Hände an das orangefarbene Spielgerät und verhindert so einen Abschluss. Die Unparteiischen entscheiden auf Sprungball. Noch 2,3 Sekunden. Der um 18 Zentimeter kleinere deutsche Nationalspieler hat im direkten Duell gegen den selbsternannten "King" keine Chance. Ein letzter, verzweifelter Wurf von Hawks-Spieler Paul Millsap prallt vom Ring ab. Die Sirene ertönt, das Spiel ist aus. Atlanta ist im zweiten Jahr in Folge mit 0:4 aus den Play-offs ausgeschieden.

Während sich bei den Hawks nach dem erneuten Ausscheiden Frust breit macht, sieht Schröders Zukunft in der besten Basketball-Liga der Welt deutlich rosiger aus. Als einer der wenigen Atlanta-Akteure hat er in den Play-offs trotz der verpatzten letzten Aktion nicht enttäuscht. Sein Potenzial scheint ebenso groß wie sein Selbstbewusstsein. Mit 21 Punkten im letzten Spiel hatte er enormen Anteil daran, dass sein Team am Ende überhaupt noch die Hoffnung auf den Sieg hatte. Hawks-Trainer Mike Budenholzer vertraute Schröder in der entscheiden Phase der Partie, da der etatmäßige Spielmacher Jeff Teague mit mageren fünf Punkten mal wieder weit unter seinen Möglichkeiten blieb. In den vier Spielen gegen Cleveland kam er auf 48 Punkte und wirkte nur selten wie ein Anführer. Schröder hingegen erzielte trotz weitaus weniger Spielzeit 61 Zähler und bewies, dass er auch in der entscheidenden Spielphase kreieren und selbst treffen kann. Im Sommer könnte es jetzt zur Wachablösung in Atlanta kommen.

Schon seit Monaten wird in der größten Stadt des US-Bundesstaats Georgia über einen personellen Wechsel auf der Spielmacher-Position diskutiert. Die Stimmen, die fordern, dem größten deutschen Talent nach Dirk Nowitzki endlich die Hauptverantwortung für den Spielaufbau zu überlassen, werden lauter. Und das mit Recht. Schließlich hat Schröder im Laufe seiner dritten Spielzeit in der NBA bewiesen, dass ihm die Rolle in der Startformation zuzutrauen ist. Sollten sich die Hawks dazu entscheiden, sich im Sommer von Teague zu trennen, winkt dem Deutschen der lang ersehnte Sprung in die Startformation. Aufgrund seines deutlich niedrigeren Gehalts gegenüber seinem direkten Konkurrenten – Schröder verdient in der kommenden Saison etwa 2,3 Millionen Euro, Teague etwa 7 Millionen Euro – ist es nicht unwahrscheinlich, dass Atlanta sich schon bald nach Tauschpartnern für Teague umschaut. Schon im Februar soll es sich der Klub nach Interessierten Teams umgehört haben. Sollte der bisherige Starter Teague – der von seinen Anlagen her dem um fünf Jahre jüngeren Schröder ähnelt – verschifft werden, könnte Schröder in die erste Fünf befördert werden.

Der 22-Jährige aus Braunschweig hatte im Oktober erstmals öffentlich Ansprüche auf einen Platz in der Startformation angemeldet und angedroht, sich andernfalls ein neues Team zu suchen. Die Hawks werden es sich zweimal überlegen, ihr Aufbau-Talent ziehen zu lassen. Den Weg zum Anführer der Hawks – Schröder hat ihn sich selbst geebnet.

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