| 16.36 Uhr

Rookie bei den New York Knicks
Porzingis: Erst ausgebuht, jetzt gefeierter Hoffnungsträger

Porträt: Kristaps Porzingis: Der lettische Dirk Nowitzki?
Porträt: Kristaps Porzingis: Der lettische Dirk Nowitzki? FOTO: afp, eg
New York/Köln. Die Fans der New York Knicks buhten lauthals, als ihr Klub den Letten Kristaps Porzingis im NBA-Draft an Position vier auswählte. Der 20-Jährige hat die Stimmen der Kritiker schnell verstummen lassen.

Es soll der schönste Tag seines Lebens werden. Entsprechend hat sich Kristaps Porzingis in Schale geworfen. Im roten Anzug, mit weißem Hemd und schwarzer Krawatte wartet der 20-Jährige darauf, dass sein Name endlich beim NBA-Draft aufgerufen wird. Was dann passiert, wird das Basketball-Talent aus Lettland nie vergessen.

Ohrenbetäubende Buruhfe begleiten Porzingis auf seinem Weg zur Bühne, die Fans der New York Knicks senken die Daumen, schlagen ihre Hände über dem Kopf zusammen, manche können sich ein Lachen nicht verkneifen. Sie sind fassungslos, als Ligaboss Adam Silver verkündet, dass sich ihr Klub ausgerechnet für den schmalen, blassen Balten entschieden hat. In den Gesichtern lässt sich die immer gleiche Frage ablesen: Dieser Kerl soll unseren Knicks weiterhelfen?

Etwas mehr als fünf Monate ist es her, als Porzingis die totale Ablehnung entgegenschlug. Er hatte das Pech, dass die Talenteverteilung diesmal im New Yorker Stadtteil Brooklyn stattfand und eine Menge Knicks-Fans in der Halle waren. Viele, die damals ihre gute Kinderstube vergaßen, dürften Porzingis heute zujubeln. Der Buhmann spielt groß auf.

"Dieser junge Mann hat etwas Magisches. Damit hat er sich die Bewunderung der Fanbase in New York City und im ganzen Land erarbeitet", sagte zuletzt Phil Jackson, "er hat das richtige Temperament und die richtige Einstellung." Sein Urteil hat Gehalt, der heutige Teampräsident der Knicks ist mit elf Titeln erfolgreichster Trainer der NBA-Geschichte und hatte einst Stars wie Michael Jordan oder Kobe Bryant unter seinen Fittichen.

Porzingis hat voll eingeschlagen. Gerade erst wurde der Forward im Osten als Rookie des Monats ausgezeichnet. Mit einem Schnitt von 13,8 Punkten und 9,3 Rebounds ist er nach dem ersten Saisonviertel in Sachen Scoring die Nummer drei unter allen Neuen. Mit seinem Top-Wert von 29 Zählern liegt er vorn.

"Por-zin-gis, Por-zin-gis", rufen die Zuschauer mittlerweile im Madison Square Garden. "Es hat sich gut angefühlt, in der Arena seinen Namen zu hören", sagte Knicks-Superstar Carmelo Anthony: "Ich bin stolz auf ihn." Gerade in New York kann es eben schnell nach oben gehen, und genauso schnell wieder nach unten.

Und doch hätte es Porzingis leichter haben sollen. Basketball-Fans wissen, welcher Qualitätsbeweis es ist, an so hoher Position gezogen zu werden. Und dass europäische Spieler in der Lage sind, in der besten Liga der Welt eine bedeutende Rolle zu spielen, müsste spätestens klar sein seit Deutschlands Superstar Dirk Nowitzki und der Spanier Pau Gasol dort unterwegs sind.

Dennoch hätten selbst die Fans im so weltoffenen New York einen ihrer bekannten College-Spieler dem Niemand vorgezogen. "Wer mich nicht kennt, denkt vielleicht ich bin weich, ein Europäer. Aber ich liebe das Spiel und bin hungrig", sagte Porzingis, höchster Draft-Pick aus einem baltischen Staat.

Nachtragend ist der vielseitige, 2,21 m große und über 100 kg schwere Porzingis offenbar nicht - die Erlebnisse vom 25. Juni verdrängt er. "Unsere Fans sind besser als die Brooklyn-Fans", sagte Porzingis vor seinem ersten Stadtderby am Freitag gegen die Nets: "Manchmal sehe ich Leute mit Brooklyn-Mützen. Dann sage ich: Was ist das? Du brauchst eine von den Knicks."

(ems/sid)
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