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College-Basketball
Michael Jordan leidet beim Finale auf der Tribüne

NCAA: Michael Jordan leidet beim Finale auf der Tribüne
Michael Jordan beim NCAA-Finale. FOTO: afp, mw
Houston/Köln. Vor der Kulisse von 74.340 Zuschauern haben die Villanova Wildcats in letzter Sekunde den Titel im US-College-Basketball geholt. Edelfan Michael Jordan trauerte mit seinen North Carolina Tar Heels.

Michael Jordan überspielte seine Enttäuschung. "Ich hab's gewusst", sagte der beste Basketballer der Geschichte zu seinem Tribünennachbarn und setzte ein bitteres Lächeln auf, nachdem seine North Carolina Tar Heels das College-Finale gegen die Villanova Wildcats vor sage und schreibe 74.340 Zuschauern in letzter Sekunde verloren hatten.

Natürlich hatte sich Jordan, einst Starspieler der Universität aus der Stadt Chapel Hill, nach Houston/Texas aufgemacht, um sein früheres Team zu unterstützen. Die Tar Heels kamen dem Titel mit dem Ausgleich 4,7 Sekunden vor Schluss ganz nahe, leisteten sich dann aber einen Fehler zu viel. Kris Jenkins stand hinter der Dreierlinie frei und traf mit Ablauf der Uhr zum 77:74 für seine Wildcats. Die Sirene ertönte, die Halle wurde zum Tollhaus.

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Die Mitspieler fielen über ihren Helden Jenkins her, nach dem siegbringenden Treffer brachen bei der Live-Übertragung in der Uni-Sporthalle in Villanova/Pennsylvania alle Dämme. "Ein guter Wurf", sagte Jordan voller Respekt. Etwas weniger nüchtern als der sechsmalige NBA-Champion äußerten sich die Beteiligten zum Buzzer-Beater.

"Solche Würfe nimmt er andauernd, und manchmal würde ich ihn gerne dafür umbringen", sagte etwa Wildcats-Trainer Jay Wright: "Aber manchmal trifft er sie eben auch." Kyle Lowry, NBA-Allstar von den Toronto Raptors und ehemaliger Villanova-Spieler, überraschte das Ende nicht. "Weißt du, wie oft ich diesen Wurf in diesem Sommer von ihm gesehen habe?", sagte der Profi zu einem Reporter: "Mindestens 1000 Mal."

Michael Jordan weiß, wie sich solche Glücksmomente anfühlen, und das nicht erst seit seinem Aufstieg in die NBA. 1982 hatte der heute 53-Jährige die Tar Heels im NCAA-Finale kurz vor dem Spielende zum Meistertitel geworfen. "Das war die Geburtsstunde von Michael Jordan", sagte die Basketball-Legende am Sonntag in Houston: "Davor war ich Mike. Dann gelang mir dieser Wurf, und ich war Michael."

Im riesigen NRG Stadium, wo normalerweise die Houston Texans aus der Football-Profiliga NFL ihre Heimspiele austragen, hatte sich der frühere Ausnahmspieler der Chicago Bulls in seinem himmelblauen Sweatshirt als einer von geschätzt 50 ehemaligen UNC-Spielern unter die Zuschauer gemischt und die Daumen gedrückt - es half am Ende nichts. Villanova triumphierte zum zweiten Mal nach 1985, North Carolina verpasste bei seiner zehnten Finalteilnahme den sechsten Sieg.

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Das Final Four in Houston war der gelungene Schlusspunkt der alljährlichen "March Madness". Das K.o.-Turnier gehört zu den größten Sportereignissen in den USA, für das Endspiel ruht sogar der Spielbetrieb in der Profiliga NBA.

Beim diesjährigen Finale sorgten die Fans für die zweitgrößte Kulisse der Turniergeschichte. 2014 waren in Arlington/Texas 79.238 Zuschauer dabei, als der deutsche Nationalspieler Niels Giffey nach 2011 zum zweiten Mal mit den UConn Huskies triumphierte. Heute spielt der 24-Jährige in der Bundesliga für Alba Berlin. Die Dimensionen lassen sich nicht vergleichen.

(sid)
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