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Michael Oher im Super Bowl
Die wahre Geschichte hinter "The Blind Side"

Porträt: Michael Oher: NFL-Profi und Held aus "The Blind Side"
Porträt: Michael Oher: NFL-Profi und Held aus "The Blind Side" FOTO: ap
So mancher Profi in der Glitzer- und Glamour-Welt der National Football League hätte gern sein Leben verfilmt. Michael Oher sehnte sich nie danach. Dennoch kam das Leben von Carolinas Left Tackle vor einigen Jahren in die Kinos - und wurde ein Kassenknüller.

Er ist schüchtern, zurückhaltend und fällt in der Menge kaum auf. Dennoch hat Michael Oher etwas Besonderes, etwas, das keiner der anderen Profis vorweisen kann, die am Sonntag beim Super Bowl zwischen den Carolina Panthers und den Denver Broncos dabei sind. Viele von ihnen bieten zwar reichlich Stoff für interessante Stories - doch nur Oher den für Hollywood.

Die Geschichte von Carolinas Left Tackle wurde 2009 verfilmt und kam als "The Blind Side" in die Kinos. Oher war nie ganz glücklich damit, er fand den Film nicht gut. Dennoch: Der Streifen spielte 309 Millionen Dollar ein und brachte Sandra Bullock einen Oscar als beste Schauspielerin. Der Film zeigt Ohers Werdegang eines in Armut geborenen Kindes, das ohne familiäre Liebe und Geborgenheit irgendwo zwischen Pflegeeltern, Heim und Straße aufwächst, zufällig von einer reichen Südstaaten-Familie adoptiert wird, Football spielt und es bis in die NFL schafft.

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"The Blind Side" ist eine dieser typisch amerikanischen feel-good-stories a la "Rocky Balboa" oder "Miracle on Ice", in denen der scheinbar chancenlose Underdog am Ende doch gewinnt. Im Fall von Oher müsste eigentlich längst eine zweite Folge gedreht werden. Die erste endet mit der Draft 2009. Bei dieser alljährlichen Verteilung der Nachwuchstalente auf die 32 NFL-Teams wurde der Modellathlet als 23. von den Baltimore Ravens verpflichtet.

Ohers Geschichte ging aber weiter. 2013 krönte er seinen steinigen Weg mit dem Super Bowl-Sieg. Als Baltimore im Endspiel von New Orleans die San Francisco 49ers 34:31 besiegte, saßen unter den 71 024 Zuschauern auch seine Adoptiveltern Sean und Leigh Ann Tuohy mit ihren beiden Kindern.

"The Blind Side" hat Oher seit der Erstaustrahlung ständig begleitet. Die Mitspieler in Baltimore riefen ihn oft "Big Mike" - so wie im Film Bullock, die die Rolle von Leigh Ann Tuohy spielt. Doch Oher hasste den Spitznamen. Er konnte sich ohnehin nie für den Streifen begeistern. Er reflektiere sein Leben als Mensch und Sportler nicht richtig. "Was außerhalb des Feldes passiert, das ist eine andere Geschichte. Deshalb finde ich den Film nicht gut", hatte er einmal gesagt. Die Produktionsfirma habe nie mit ihm gesprochen, vieles, sagt er, sei frei erfunden. "Hollywood eben."

Der Film suggeriert unter anderem, das seine zierliche Adoptivmutter ihm beibrachte, wie man richtig blockt. Dabei musste ihm, der schon immer um einiges größer war als seine Teamkollegen, niemand zeigen, wie man dem Quarterback die Gegner vom Leib hält.

Verrückte Fakten zum Super Bowl FOTO: ap, CAR

Auf seine Zeit in Baltimore folgte ein schwaches Jahr bei den Tennessee Titans, so dass ihn der Klub nach nur einer Saison entließ. Einige sprachen bereits von einem möglichen Karriere-Ende.

Dass der 29-Jährige nun dennoch im Endspiel steht und eine Chance auf seinen zweiten Meistertitel hat, liegt an Cam Newton. Der Panthers-Quarterback war in der Saisonpause auf der Suche nach jemanden, der zuverlässig seine linke Seite bewacht. Bruder Cecil erinnerte sich an Oher, den er aus gemeinsamen Ravens-Zeiten kannte und lobte ihn in den höchsten Tönen. Newton schickte umgehend eine SMS an Oher. "Ich brauche dich. Ich will dich nicht. Ich BRAUCHE dich." Diese klaren Worte wirkten.

"Du bekommst eine SMS von Cam Newton, und er sagt dir, dass er dich braucht. Das hat mir viel bedeutet", sagte Oher. Er unterschrieb für zwei Jahre und spielt - statistisch gesehen - die beste Saison seiner Karriere. Nur viermal gelang es einem Gegner, sich an ihm vorbei zu wühlen und Newton zu Boden zu reißen. Der Spielmacher bezeichnet seinen Bodyguard als "Stützpfeiler".

Dass der "seinen" eigenen Film hat, ist natürlich auch in Carolina bekannt. Einige Mitspieler zitieren gerne schmunzelnd Sequenzen, und Right Tackle Mike Remmers schickt Oher immer sofort eine SMS, wenn es "The Blind Side" im Fernsehen gibt. Geht es nach Oher, läuft der Streifen dort viel zu oft. 

(dpa)
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