| 12.59 Uhr

US-Medien überschlagen sich
"Willkommen to the NFL, Moritz Boehringer"

Moritz Böhringer: "Willkommen to the NFL"
Moritz Böhringer hat überzeugt FOTO: Screenshot Twitter
Erst vor fünf Jahren hat Moritz Böhringer Football für sich entdeckt, jetzt ist der Wide Receiver in der besten Liga der Welt angekommen. Das NFL-Abenteuer beginnt bei seinem Lieblingsteam.

Es ist eine Geschichte, wie sie die Amerikaner lieben. Mit dem Nobody, der es aus dem Nirgendwo bis ganz nach oben schafft. Und genau so einer ist Moritz Böhringer. Erst vor fünf Jahren entdeckte der junge Deutsche den Football für sich, nun wurde er in der US-Profiliga NFL gedraftet, auch noch von seinem Lieblingsteam Minnesota Vikings - ein Märchen.

"Das ist das Coolste, was passieren konnte", sagte der 22-Jährige an seinem großen Tag. So recht konnte er sein Glück nicht fassen, besser hätte es für Böhringer bei der Verteilung der Talente auf die 30 Teams einfach nicht laufen können. Sechste Runde, Position 180, der erste Schritt zur NFL-Karriere ist gemacht.

"Ich kann gar nicht beschreiben, wie ich mich gerade fühle. Ich bin sehr glücklich, dass ich ausgewählt wurde", sagte der Stuttgarter. Angst vor der Herausforderung hat er nicht. "Ich lerne schnell und kann mich schnell anpassen. Und ich kann gut zuhören, denn ich rede nicht viel."

In einem für die Zeremonie vor dem Auditorium Theatre in Chicago errichteten Zelt hatte Böhringer geduldig gewartet, bis er dran war. Kavin Tedumroongwanish, ein Fan der Vikings, hatte die Ehre, den für ihn kompliziert auszusprechenden Namen vorzulesen. Sekunden später wurde Böhringer eine graue Kappe mit dem Team-Logo aufgesetzt.

Der Wide Receiver von den Schwäbisch Hall Unicorns aus der German Football League (GFL) hat Geschichte geschrieben. Böhringer ist der erste europäische Spieler, der ohne vorherigen Einsatz bei einer Mannschaft aus Nordamerika gedraftet wurde.

Entsprechend war das Echo. Die Tageszeitung USA Today schrieb Deutsch ("Willkommen to the NFL, Moritz Boehringer"), auf der NFL-Homepage schmückte das Ausnahmetalent am Sonntag das Titelfoto, bei den News war er Thema Nummer eins - die US-Medien überschlugen sich regelrecht.

Böhringer hat in kurzer Zeit viel Eindruck hinterlassen. Beim Pro Day der Florida University überzeugte der drahtige 1,93-m-Riese mit Zahlen. Er rannte 40 Yards in 4,45 Sekunden, sprang aus dem Stand 3,30 Meter weit und einen Meter hoch, beim Bankdrücken stemmte er die 100-kg-Hantel 17-mal. Böhringer gehörte in jeder Disziplin zu den fünf besten auf seiner Position.

"Er ist ein unglaublicher Athlet mit großartigen Händen. Er kann den Ball fangen", sagte Rick Spielman, General Manager der Vikings. Auch Cheftrainer Mike Zimmer erwartet viel vom Neuen: "Es ist eine coole Story, aber aus diesem Grund haben wir ihn nicht geholt."

Für Böhringer, den die Kombination aus Größe und Schnelligkeit ausmacht, steht am Wochenende das Rookie-Minicamp auf dem Programm. Wieder muss er sich beweisen, und das geht noch viele Monate weiter. Nur wenn er den letzten Roster-Cut auf 53 Profis Anfang September übersteht, kann er es zum Saisonauftakt ins Aufgebot schaffen. Ein weiter Weg.

Minnesotas Quarterback Teddy Bridgewater hat er bei einem Workout kennengelernt, richtig gespannt ist er aber auf einen anderen Teamkollegen. "Ich habe mir Highlights von Adrian Peterson auf YouTube angeschaut. Das Spiel gefiel mir", erinnert sich Böhriger an seinen ersten Kontakt zum Football. Das Treffen kann er kaum noch erwarten: "Er soll einen kräftigen Händedruck haben. Darauf werde ich mich einstellen."

(sid)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Moritz Böhringer: "Willkommen to the NFL"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.