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Kampf um Platz im Team
Für Böhringer wird es eng

Porträt: Moritz Böhringer – aus Deutschland direkt in die NFL
Porträt: Moritz Böhringer – aus Deutschland direkt in die NFL FOTO: ap
Mankato/USA. Schafft es ein Schwabe in die NFL? Moritz Böhringer könnte als erster Deutscher als Wide Receiver, also Passempfänger, in der US-amerikanischen Football-Liga spielen. Dafür muss er aber möglichst schnell große Fortschritte machen.

Für American-Football-Spieler Moritz Böhringer wird es jetzt ernst. "Es geht um den Job", sagt er. Vor einem halben Jahr war der 22-Jährige noch ein unbekannter Maschinenbau-Student in Aalen auf der schwäbischen Ostalb. Am Freitag beginnt seine Reifeprüfung für die US-amerikanische National Football League (NFL): Böhringer will den Sprung in den Kader der Minnesota Vikings schaffen.

Im Trainingslager muss Böhringer zeigen, dass er die Qualitäten für die Top-Liga hat. "Das ist die NFL. Dort sind die besten Athleten der Welt", sagt er. "Von dem, was ich bis jetzt gezeigt habe, würde ich sagen, dass ich hierher gehöre."

90 Kandidaten kämpfen um die 53 Plätze im Team

In den sogenannten Training Camps sieben die 32 NFL-Teams aus, wer für sie spielen darf. Die Saison beginnt für die Vikings am 11. September. Dann dürfen 53 Spieler im Team sein. Zu Beginn des Trainingslagers sind es noch 90 Kandidaten. Wenn "MoBo", wie ihn US-amerikanische Medien nennen, es in den Kader schafft, wäre das eine Sensation. "Meine Chancen sind schwer einzuschätzen", sagt er. "Ich werde alles geben. Wenn es nicht reicht, dann reicht es nicht."

Allerdings: So schwierig der Sprung in das Team ist, so unwahrscheinlich war es auch, dass es der Wide Receiver überhaupt in die Vorauswahl schafft. Ende April wurde er aber in Chicago als erster europäischer Spieler direkt von einem NFL-Team verpflichtet.

Bei dem sogenannten Draft, bei dem Nachwuchsspieler auf die 32 Mannschaften verteilt werden, wählte Minnesota Böhringer aus. Vor ihm wurden 179 Spieler "gedraftet", nach ihm 73. Tausende weitere Talente standen ursprünglich zur Auswahl.

Eigentlich empfehlen sich Spieler über die Teams nordamerikanischer Universitäten für die NFL, da dort semiprofessionell trainiert und gespielt wird. Böhringer hingegen begann als 17-Jähriger bei den Crailsheim Titans mit Football. Dort spielte er in Oberliga. 2015 wechselte er zu den Schwäbisch Hall Unicorns, die in der German Football League (GFL) zu den besseren Teams gehören. Verglichen mit den Uni-Ligen der USA ist der sportliche Wert der GFL aber bescheiden.

In der Realität angekommen

Bei seinem ersten Training mit den Vikings im Mai übergab sich Böhringer. Zudem rutschten ihm mehrere zugeworfene Bälle durch seine Hände. Im Vergleich zu dem Training in Schwäbisch Hall sei "alles schneller", erzählt er. "Er hat einen sehr, sehr großen Rückstand", urteilt Vikings-Offensivcoach Norv Turner.

Doch für Böhringer spricht seine außergewöhnliche Athletik. Trotz seiner 1,95 Meter Größe und rund 100 Kilo Gewicht ist er extrem schell und sprungstark. Mit dieser seltenen Kombination können Receiver Abwehrspieler überlaufen und überspringen. Für den Ballfänger spricht außerdem, dass er schnell lernt, wie seine Trainer betonen.

"Ein Receiver, der sich nicht vom ersten Training an verbessert, wird schnell draußen sein", betont der US-Sportjournalist und Football-Experte Michael Schottey. Ein Deutscher hat in der NFL noch nie als Receiver gespielt. Weil die Position extrem anspruchsvoll und wichtig ist, wird in der NFL talentierten, aber noch nicht ausgereiften Akteuren durchaus Zeit zum Lernen eingeräumt.

(old/dpa)
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