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"King Leon" schießt Oilers zum Sieg
Frühaufsteher Draisaitl: Schlaflos zum größten Augenblick

Leon Draisaitl: Schlaflos zum größten Augenblick
Perfekter Abend für Leon Draisaitl FOTO: dpa, jf nic hak
Ein besseres Saisondebüt hätte sich Leon Draisaitl nicht erträumen können. Mit zwei Toren schoss das deutsche Ausnahmetalent die Edmonton Oilers zum Sieg gegen die Montreal Canadiens.

Leon Draisaitl riss den rechten Arm wuchtig in die Luft und schrie seine unbändige Freude heraus. Doppelpack, Siegtreffer und Spieler des Spiels - für das deutsche Eishockey-Ausnahmetalent wurde sein Saisondebüt bei den Edmonton Oilers zum bislang größten Augenblick seiner noch jungen NHL-Karriere.

"King Leon", titelte NBC online nach dem denkwürdigen 4:3 gegen die favorisierten Montreal Canadiens, doch der 20-Jährige selbst wirkte beinahe ungerührt. "Es ist gut für mich persönlich, aber für das Team ist es genauso wichtig", sagte Draisaitl so lapidar, als hätte er gerade eine x-beliebige Trainingseinheit absolviert.

In seine Gefühlswelt an einem aufregenden Tag ließ Draisaitl, der sein letztes Tor in der nordamerikanischen Profiliga im November 2014 erzielt hatte, nur beim Jubel 62 Sekunden vor der Schlusssirene blicken. Hinterher dankte er routiniert seinem Mitspieler Ryan Nugent-Hopkins für die sehenswerte Vorarbeit zum Siegtreffer und versprach, sich weiter verbessern zu wollen.

Fotos: Leon Draisaitl – Super-Talent, Oilers-Profi, German Gretzky FOTO: dpa, zeus nic

Dabei hatte der ersehnte Anruf der Oilers zwei Tage nach Draisaitls 20. Geburtstag alle Planungen auf den Kopf gestellt. Zu nächtlicher Stunde um 3:45 Uhr klingelte der Wecker, um 6:30 Uhr stieg Draisaitl dann in Bakersfield/Kalifornien, wo er im Farmteam der Oilers die Saison begonnen hatte, ins Flugzeug nach Phoenix. Dort harrte er zwei Stunden aus, bevor seine Reise nach Kanada weiterging.

Um 14.30 Uhr landete Draisaitl vor seinem insgesamt erst 38. NHL-Einsatz schließlich in Edmonton/Alberta. "Ich bin zum Hotel gefahren, habe schnell etwas gegessen und mich dann zur Halle aufgemacht", berichtete Draisaitl, der erzählte, dass er nach dem frühen Aufstehen auch im Flieger kaum eine Auge zugemacht habe: "Im Grunde habe ich gar nicht geschlafen."

Draisaitl-Treffer reicht Edmonton nicht FOTO: afp, DL/ma

Verständlich daher, dass er gegen die Canadiens Anlaufzeit benötigte. "Er hat ein bisschen zögerlich angefangen", sagte Oilers-Coach Todd McLellan: "Dann hat ihn aber Taylor Hall (Mitspieler von Draisaitl/Anm. der Red.) zur Seite genommen und gesagt: 'Auf geht's Junge, entspann' dich, spiel' einfach dein Spiel. Du bist ein Guter.' Danach hat er reingefunden."

Und wie: Erst leitete Draisaitl mit dem 1:3 im zweiten Drittel die Aufholjagd ein, und verwandelte später die Rexall Place Arena in ein Tollhaus. "Leon hatte einen verdammt langen Tag, aber er hat es richtig gut gemacht", meinte Reihenkollege Nugent-Hopkins, während das kanadische Jahrhunderttalent Connor McDavid anfügte: "Es ist unglaublich für ihn, wir freuen uns alle sehr. Das ist schon etwas Besonderes."

Auch angesichts der Enttäuschung, die der gebürtige Kölner Anfang Oktober zu verkraften hatte, als ihn die Oilers etwas überraschend aus dem Kader strichen. "Wenn wir ihn hochholen, wollen wir, dass es für immer ist", sagte Manager Peter Chiarelli nach der Entscheidung und zeigte Verständnis für Draisaitls Ärger.

"Es hat Zeit gebraucht, die Frustration zu überwinden. Ich hatte auch ein paar Schwierigkeiten in den ersten Spielen", gab Draisaitl zu. Einige Verletzungen eröffneten ihm den Weg zurück in den Oilers-Kader, zudem hatte der Center in der American Hockey League (AHL) gerade sein erstes Tor erzielt und wieder Vertrauen gefasst: "Das letzte Spiel war wirklich gut und jetzt bin ich hier und ich bin glücklich darüber."

Wenn er weitermacht wie gegen die Canadiens, wird Draisaitl Bakersfield bestimmt so schnell nicht wiedersehen.

(are/sid)
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