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"The German Gretzky"
Wie ein 20-jähriger Kölner die NHL aufmischt

Fotos: Leon Draisaitl – Super-Talent, Oilers-Profi, German Gretzky
Fotos: Leon Draisaitl – Super-Talent, Oilers-Profi, German Gretzky FOTO: dpa, zeus nic
Düsseldorf/Edmonton. Leon Draisaitl trumpft in der NHL ordentlich auf. Der gebürtige Kölner im Dienst der Edmonton Oilers zählt zu den besten Scorern der Liga. Nordamerikanische Journalisten tauften den 20-Jährigen bereits "The German Gretzky". Von Urs Lamm

Die Bilanz von Leon Draisaitl kann sich sehen lassen: In 25 Partien in der NHL erzielte der 20-Jährige neun Tore und 21 Vorlagen. Der gebürtige Kölner besticht durch Spielintelligenz und zielgenaue Pässe. Zusammen mit seinem Sturmkollegen Taylor Hall bildet er bei den Edmonton Oilers eines der torgefährlichsten Duos der Liga. Seinen spektakulärsten Auftritt hatte Draisaitl am 11. Dezember 2015 beim 7:5-Sieg der Oilers gegen die New York Rangers. Vier Tore legte der Mittelstürmer auf. Darunter das spielentscheidende 6:5 durch Hall.

In Nordamerika sind Fans und Experten begeistert von dem deutschen Talent. Journalisten tauften ihn bereits "The German Gretzky" in Anlehnung an Wayne Gretzky. Mit der Eishockey-Legende Gretzky holte Edmonton in den 80er Jahren viermal den Stanley Cup. Davon ist der kanadische Klub inzwischen weit entfernt. In den vergangenen neun Jahren langte es noch nicht einmal für den Einzug in die Play-offs. In dieser Saison können sich die Fans der Oilers zumindest wieder ein bisschen Hoffnung machen, dass kein zehntes Jahr hinzukommt. Draisaitl hat daran einen großen Anteil

Leon Draisaitl zeigt eine Gala-Vorstellung FOTO: ap

Seinen kometenhaften Aufstieg hat Draisaitl nicht nur seinem Talent, sondern auch seiner großen Willenskraft zu verdanken. Denn der 20-Jährige musste einige Rückschläge verdauen, bis er in der NHL richtig Fuß fasste.

Abgeschoben in die WHL

Beim Entry Draft 2014 wurde Draisaitl, der schon seit 2012 als Jugendspieler in Kanada aktiv war, in der ersten Runde an dritter Stelle von Edmonton ausgewählt. Damit stellte der Angreifer bereits vor seiner ersten NHL-Begegnung einen Rekord auf. Denn Draisaitl wurde dadurch der am höchsten gedraftete Deutsche aller Zeiten. Sein erstes NHL-Spiel bestritt er am 9. Oktober 2014 gegen Calgary (2:5), seinen ersten Treffer erzielte er am 24. Oktober gegen Carolina. Draisaitls NHL-Karriere schien ihren Lauf zu nehmen. Doch im November entschied das Management der Oilers das deutsche Talent in die Western Hockey League (WHL), eine der drei kanadischen amerikanischen Juniorenligen, zurückzuschicken. Dort traute man ihm bei den Kelowna Rockets eine bessere Entwicklung als in der NHL bei den kriselnden Oilers zu.

Deutsche im US-Sport FOTO: dpa, nic

Draisaitl machte aus der Situation das Beste. Er gewann mit Kelowna die Meisterschaft in der WHL und wurde außerdem in den Play-offs zum wertvollsten Spieler gekürt. Anschließend nahm er mit Kelowna am traditionsreichen Memorial Cup in Quebec City teil. Bei diesem Wettbewerb treten die drei Meister der Juniorenligen sowie der Gastgeber des Turniers an. Der Gewinn des prestigeträchtigen Cups blieb Draisaitl jedoch verwehrt. Im Finale verloren die Kelowna Rockets gegen die Oshawa Generals mit 1:2. Für ihn persönlich lief es jedoch hervorragend: Mit vier Toren und drei Vorlagen avancierte er zum Topscorer und wertvollsten Spieler des Turniers. Das war vorher noch keinem deutschen Spieler gelungen.

Draisaitl profitiert vom Verletzungspech der Oilers

Nach einem intensiven Fitnesstraining im Sommer 2015 hoffte Draisaitl auf einen zweiten Anlauf in der NHL. Doch Edmontons neuer Generalmanager Peter Chiarelli hatte andere Pläne und schickte Draisaitl in die zweitklassige American Hockey League (AHL) zu den Bakersfield Condors. "Ich muss zugeben: Die Enttäuschung war riesig, weil ich den ganzen Sommer sehr auf die Oilers fixiert war und so hart gearbeitet habe", sagte Draisaitl zuletzt im Interview mit del.org. Doch lange musste der Center nicht in der AHL bleiben. Das Verletzungspech der Edmonton Oilers veranlasste die Verantwortlichen, den Kölner Ende Oktober zurückzuholen. Draisaitl fasste sofort Fuß und ist seither nicht mehr aus dem Team von Trainer Todd McLellan wegzudenken.

Das Talent für den Eishockeysport wurde Leon Draisaitl in die Wiege gelegt: Sein Vater Peter bestritt 728 Partien in der Bundesliga beziehungsweise in der DEL. Mit den Kölner Haien wurde der Stürmer 1994/1995 in der Premierensaison der DEL deutscher Meister.

Peter Draisaitl war technisch versiert und galt als ausgemachtes Schlitzohr. 1995/1996 spielte er seine persönlich beste Saison, mit 61 Punkten wurde er Topscorer der DEL. Auch als Nationalspieler machte er sich einen Namen. 146 Mal lief er für das DEB-Team auf. Berühmt wurde er allerdings durch einen verschossenen Penalty. Bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville zwang Deutschland die hochfavorisierten Kanadier im Viertelfinale ins Penaltyschießen. Draisaitls Schuss‘ blieb auf der Torlinie liegen – Deutschland verpasste die Sensation.

Für Leon Draisaitl ist die Nationalmannschaft und die im Mai 2016 stattfindende WM in Russland theoretisch auch ein Thema. Diese überschneidet sich jedoch mit den Play-offs in der NHL. "Zunächst möchte ich den größtmöglichen Erfolg mit den Oilers", sagt der Shootingstar: "Aber wenn nichts dazwischen kommt, würde ich natürlich gern mein Land vertreten, ist doch klar", sagt Draisaitl.

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