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"Kann nicht wählerisch sein"
Ehrhoff nach Degradierung auf der Suche nach neuem Team

NHL: Christian Ehrhoff nach Degradierung auf der Suche nach neuem Team
Christian Ehrhoff hat in Los Angeles keine Zukunft mehr. FOTO: afp, hh
Christian Ehrhoff spielt seit 2004 in der Eishockey-Liga NHL. Viele Jahre galt er als Leistungsträger, stand 2011 im Stanley-Cup-Finale und war best bezahlter NHL-Abwehrspieler. Nun wurde Ehrhoff von den Los Angeles Kings ins Farmteam versetzt.

Wie haben Sie die vergangenen Tagen erlebt?

Ehrhoff Ich hatte mir schon gedacht, dass irgendwas passieren würde, hatte aber eher damit gerechnet, getradet zu werden. Ich wurde ja Mitte vergangener Woche auf die Waiver Liste gesetzt. Leider hat mich kein Team innerhalb von 24 Stunden genommen, aber ich weiß, dass einige noch Interesse haben. Jetzt wird halt im Hintergrund versucht, bis zum Ende der Wechselfrist am 29. Februar noch einen Deal zu machen. Und bis dahin spiele ich im Farmteam.

Wie erklären Sie sich, dass Sie trotz ihrer mehr als 800 NHL-Spiele von keinem Team genommen wurden?

Ehrhoff In der NHL darf jedes Team ein Maximum von 50 Profiverträgen haben und zudem die Gehaltsobergrenze nicht überschreiten. Deshalb wollen die meisten Teams halt keinen Spieler nehmen, ohne im Gegenzug nicht einen anderen samt seines Gehaltes abzugeben. Da muss man jetzt sehen, ob irgendein Deal gemacht werden kann, der den Kings passt.

Wie groß ist Ihr Einfluss auf Ihren Werdegang?

Ehrhoff Ich habe keinen Einfluss. Und es hat den Anschein, als sei das Interesse eher gering und nur bei einigen Teams vorhanden. Deshalb bin ich froh, wenn ich zu einem Team komme, das mich möchte. Und da kann ich jetzt nicht wählerisch sein.

Wie hat Ihre Familie die Situation aufgenommen?

Ehrhoff Bislang ist ja noch nicht so viel passiert, noch mussten wir ja nicht umziehen. Das haben wir in den vergangenen beiden Jahren schon zweimal erlebt. Und meine älteste Tochter hat mir deshalb auch schon gesagt, dass sie nicht noch einmal umziehen möchte. Meine Töchter sind zwischen einem Jahr und sechs Jahren alt. Die verstehen die Situation natürlich noch nicht richtig.

Fotos: Christian Ehrhoff – Moerser, NHL-Profi, WM-Vierter FOTO: afp, Jen Fuller

Es hat den Anschein, als würden Sie nach vielen erfolgreichen Jahren gerade die Schattenseiten des Profisports erleben.

Ehrhoff Das ist halt auch Teil des Business. Man ist nicht immer oben. Ich hoffe einfach nur, dass ich noch eine andere Chance bekomme. Denn für mich war in Los Angeles nicht mehr so die Möglichkeit da, ich war in meiner Position ziemlich festgefahren, konnte letztlich mein Spiel nicht mehr spielen.

Wie sieht es derzeit mit Ihrem Selbstbewusstsein aus?

Ehrhoff In die beiden AHL-Partien am Wochenende bin ich auf jeden Fall mit mehr Selbstvertrauen gegangen. Das war zuvor bei den Kings anders. Das war keine einfache Situation für mich. Ich konnte mir das Vertrauen der Trainer einfach nicht erarbeiten, mein Selbstvertrauen war nicht gerade auf dem höchsten Punkt. Denn ich wusste, dass jeder Fehler bedeuten kann, wieder nicht im Kader zu sein. Und wenn das so ist, spielt man sicherlich nicht sein bestes Eishockey.

Sie haben bei den Kings, die als Titelanwärter gelten, in der dritten Abwehrreihe gespielt. Reichen Ihre Qualitäten nicht mehr aus, um bei einem Top-Team zu den besten vier Verteidigern zu gehören?

Ehrhoff Ich denke, dass es hier einfach für mich nicht gepasst hat. Wir haben zum Saisonstart drei Spiele verloren, von da an hatte ich bei den Trainern einen schweren Stand. Ich glaube trotzdem, dass ich in dieser Liga noch spielen kann und hoffe, dass ich das auch beweisen kann. Ich habe allerdings auch Verständnis für die Kings, die jetzt etwas ändern wollten.

Haben Sie sich bereits mit einer Rückkehr nach Deutschland befasst?

Ehrhoff Nein, noch überhaupt nicht. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ein Sprichwort besagt: "Diese Brücke überquere ich erst, wenn ich dahin komme."

Aber es ist kein Geheimnis, dass Ihr Heimatverein, die Krefelder Pinguine, Ihre erste Option wären.

Ehrhoff Natürlich. Ich werde irgendwann nach Krefeld zurückkehren und dort wohnen. Wir haben ja unser Haus dort. Aber derzeit sind meine Gedanken noch nicht dort. 

 

(dpa)
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