| 12.15 Uhr

Erstes Play-off-Spiel seit elf Jahren
Draisaitl und Oilers entfachen neue Euphorie in Edmonton

Draisaitl knackt Torrekord von Bundestrainer Sturm
Draisaitl knackt Torrekord von Bundestrainer Sturm FOTO: dpa, AB abl
Edmonton/Köln. Jungstar Leon Draisaitl steht mit den Edmonton Oilers in den NHL-Play-offs. Erstmals seit elf Jahren spielt der Altmeister wieder um den Stanley Cup.

Die Tickets für das erste Play-off-Spiel seit elf Jahren waren in wenigen Minuten verkauft, überall leuchtet das Orange der Trikots, alle reden über die Oilers: Edmonton steht kopf, und Leon Draisaitl ist mittendrin. "Eishockey ist hier Religion, mehr noch als Fußball in Deutschland", sagt der deutsche Jungstar vor dem Start der NHL-Meisterrunde dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Die ganze Stadt ist euphorisch."

Der 21-Jährige aus Köln schickt sich an, mit dem fünfmaligen Stanley-Cup-Sieger an die glorreichen Zeiten von Wayne Gretzky und Co. anzuknüpfen. An der Seite des Scorerkönigs Connor McDavid hat sich Draisaitl, schon vor seinem ersten NHL-Spiel in Kanada als "German Gretzky" gefeiert, zu einem der besten Spieler der Liga entwickelt. Das stärkste Stürmerduo der Liga lässt die Edmontonians wieder träumen.

"Die ganze Stadt und die Fans freuen sich total, weil eine lange Leidenszeit ohne Playoffs zu Ende geht", berichtet Draisaitl: "Edmonton lebt Eishockey, und die Oilers sind Kult." Für das erste Play-off-Heimspiel seit dem verlorenen Finale 2006 waren die Eintrittskarten laut Klubangaben "in weniger als fünf Minuten" verkauft. Mindestens 300 Dollar muss in die Hand nehmen, wer in den diversen Internetbörsen noch Tickets für die Partie am Mittwoch (Ortszeit) gegen Vizemeister San Jose Sharks ergattern will, die besten Plätze kosten über 500. In San Jose kommt man bei Spiel zwei dagegen schon für 60 Dollar in die Arena.

Glorreiche Zeiten sind vorbei

Die besten Zeiten der Oilers sind lange vorbei. In den 80er Jahren begeisterten Gretzky, Mark Messier, Paul Coffey und Co. ganz Kanada und gewannen viermal den Stanley Cup, nach Gretzkys tränenreichem Abschied triumphierte Edmonton 1990 noch einmal ohne seine Legende. Es folgten fast drei magere Jahrzehnte, lediglich 2006 zog der Altmeister noch einmal ins Finale ein, scheiterte aber in sieben Spielen an den Carolina Hurricanes.

Mit McDavid und Draisaitl, den Gesichtern der neuen Generation, ist die Eishockey-Begeisterung zurückgekehrt. "In fast jedem Schaufenster sieht man irgendwas mit einem Oilers-Logo. Auch bei unseren Spielen ist die Stimmung überragend. Der Medienrummel ist unbeschreiblich. Die Zeitungen stehen voll über uns", berichtet Draisaitl.

Mit 29 Toren und 48 Vorlagen hat der Kölner maßgeblich zum Aufschwung beigetragen. Den deutschen Punkterekord des heutigen Bundestrainers Marco Sturm (59) pulverisierte er mit 77 Zählern geradezu. An der Seite von McDavid, mit 100 Punkten bester NHL-Scorer, schob sich der deutsche Nationalspieler auf Platz acht der Scorerliste.

Draisaitl der "geborene Scorer"

"Es ist schon sehr beeindruckend, mit welcher Konstanz er spielt", lobte Sturm, "er ist der geborene Scorer." Der Bundestrainer, der mehr NHL-Spiele als jeder andere Deutsche bestritt, traut Draisaitl mit Edmonton den Stanley-Cup-Triumph zu: "Für mich sind sie ein Geheimfavorit."

Sollte Draisaitl mit den Oilers in den Play-offs genauso überzeugen wie in der Hauptrunde, müsste Sturm bei der Heim-WM ausgerechnet in dessen Heimatstadt auf ihn verzichten. Sollte er dagegen früh ausscheiden, will er unbedingt in Köln im deutschen Trikot weiterspielen.

In Kanada müssen die Fans hin und wieder daran erinnert werden, dass die Nummer 29 aus dem fernen Deutschland stammt. Schon als Juniorenspieler begeisterte Draisaitl in Prince Albert in der kanadischen Provinz Saskatchewan, ehe er 2014 als drittbester Spieler seines Jahrgangs beim NHL-Draft gezogen wurde. Der "Deutschland Dangler" sei "der Fackelträger einer ganzen Eishockey-Nation", schrieb das Edmonton Journal.

(sid)
 
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