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Deutscher vor Play-off-Debüt
Tom Kühnhackl peilt mit Pittsburgh den Stanley Cup an

Fotos: Kühnhackl bejubelt erstes Tor in der NHL
Fotos: Kühnhackl bejubelt erstes Tor in der NHL FOTO: ap, GP
Boston. Am Mittwoch beginnen in der NHL die Playoffs. Fünf Deutsche sind mit dabei – vom Ersatztorwart über Wackelkandidaten bis hin zum Stammspieler. Vier von ihnen dürfen sich berechtigte Titelhoffnungen machen.

Träume reifen, Bärte sprießen und die Sehnsucht nach "Lord Stanley" ist größer denn je. In der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL beginnt mit dem Playoff-Start am Mittwoch "die schönste Zeit des Jahres", betont Christian Ehrhoff.

"Jetzt fängt für den richtigen Eishockeyspieler das Leben an. Es geht um alles, jeder will halt seine Hand an diesen Stanley Cup kriegen", sagt der Verteidiger von Meister Chicago Blackhawks.

Pittsburgh Penguins gehören zu den Favoriten

Ehrhoff ist einer von fünf Deutschen in der K.o.-Runde. Der 33-Jährige zählt mit Chicago ebenso zum Favoritenkreis wie Tom Kühnhackl mit den Pittsburgh Penguins, Korbinian Holzer (Anaheim Ducks) und Ersatztorwart Philipp Grubauer (Washington Capitals). Den New York Islanders mit Schlussmann Thomas Greiss wird nicht viel zugetraut. Doch Playoff-Prognosen haben eine ähnliche Wertigkeit wie die Nachhaltigkeit der Ergebnisse der 1230 Partien in der Punkterunde – die interessieren ab sofort nicht mehr.

Mindestens acht Mannschaften kommen für den Titel in Frage. Zwar waren die Capitals bestes Vorrundenteam. Allerdings holte seit der Saison 2005/06 der Gewinner der Presidents-Trophy nur zweimal den Stanley Cup. "Für die Playoffs bedeutet die Presidents-Trophy absolut nichts. Außer, dass du für den Fall der Fälle im Finale Heimrecht hast. Aber da muss man erstmal hinkommen", sagt Ehrhoff.

Fotos: Christian Ehrhoff – Moerser, Ex-NHL-Profi, WM-Vierter FOTO: afp, Jen Fuller

Christian Ehrhoffs leidvolle Play-off-Erfahrungen

Er weiß, wovon er spricht. 2009 war Ehrhoff mit San Jose das beste Team der Vorrunde, scheiterte dennoch in der ersten K.o.-Runde an Anaheim. 2011 reichte es mit den Vancouver Canucks zumindest fürs Finale – dort gab es aber eine 0:4-Niederlage im siebten Spiel gegen die Boston Bruins mit Landsmann Dennis Seidenberg.

Jene Partie am 15. Juni 2011 war Ehrhoffs letztes Playoff-Match. Nun könnte er endlich wieder in der entscheidenden Meisterschafts-Phase auf dem Eis stehen. Chicago tritt bei den St. Louis Blues an. Ehrhoff ist jedoch bei den Verteidigern nur die Nummer sechs oder sieben - schwankt zwischen dritter Abwehrreihe und Tribüne. "Wenn ich denn spielen sollte, freue ich mich natürlich riesig. Jetzt bin ich in einem guten Team und hoffe, dass ich zum Einsatz komme."

Ähnlich wie Ehrhoff in Chicago ergeht es Holzer in Anaheim. Mal spielt der gebürtige Münchner, dann schaut er wieder nur zu. Grubauer ist im Capitals-Gehäuse die klare Nummer zwei hinter Braden Holtby. Sollte er gegen die Philadelphia Flyers zum Einsatz kommen, wäre das sicher ein schlechtes Zeichen für den Club von NHL-Topscorer Alexander Owetschkin und Buchmacher-Favoriten.

Tom Kühnhackl bei den Penguins gesetzt

Tom Kühnhackl braucht sich keine Gedanken über Einsatzzeiten zu machen. Er ist in der dritten Sturmreihe der Penguins gesetzt. Der Sohn von Eishockey-Legende Erich Kühnhackl kam erst Anfang des Jahres in die NHL, etablierte sich jedoch im Team um Superstar Sidney Crosby und steht nun gegen die New York Rangers vor seinem Playoff-Debüt. Pittsburgh ist mit Höchstgeschwindigkeit auf die K.o.-Runde zugerast, hat aus den vergangenen 20 Partien 32 Punkte geholt - so viele, wie kein anderes Team. "Sie hauen derzeit alles weg", sagte Bundestrainer Marco Sturm anerkennend: "Sie sind schwer zu stoppen."

Erich Kühnhackl hat sich schon die Flüge rausgesucht. Wenn sein Sohn Tom in den Play-offs spielt, will der deutsche Eishockey-Spieler des Jahrhunderts natürlich dabei sein. Ans Finale um die legendäre Trophäe denkt der einstige "Kleiderschrank auf Kufen" allerdings noch nicht. "So vermessen wollen wir gar nicht sein", sagte der 65-Jährige dem SID.

Für Kühnhackl junior ist der Stanley Cup "natürlich mein ultimatives Ziel". Doch der 24-Jährige genießt nach sechs Jahren in Nordamerika, in denen ihn schwere Verletzungen immer wieder zurückwarfen, schon jetzt jede Minute in der NHL. "Es ist abgefahren, es ist wie ein wahr gewordener Traum für mich", sagte der Landshuter. Nach schwierigen Jahren in der Juniorenliga und der unterklassigen AHL kam ihm Anfang des Jahres zu Gute, dass bei den Penguins mehrere Stammspieler verletzt ausfielen und sein AHL-Coach Mike Sullivan zum Cheftrainer in Pittsburgh befördert worden war.

Kühnhackl war einer der jungen Stürmer, die der Amerikaner ins kalte NHL-Wasser warf. Und er schwamm sich frei, überzeugte in der dritten Angriffsreihe nicht nur mit Kampfgeist und Einsatz, sondern brillierte auch mit fünf Toren und zehn Vorlagen. Höhepunkt war seine Gala beim 6:2 gegen die Washington Capitals um Superstar Alexander Owetschkin, als er den Siegtreffer erzielte und zwei weitere Tore vorbereitete. "Er hat seine Chance bekommen, und er hat sie genutzt", stellte Vater Erich stolz fest.

Wie Kühnhackl dürfte auch Greiss seinen Stammplatz sicher haben, wenn die Islanders auf die Florida Panthers treffen. Die eigentliche Nummer zwei hat von der Leistenverletzung seines Kontrahenten Jaroslav Halak profitiert, allerdings auch bewiesen, dass er mehr als ein zuverlässiger Ersatz ist. Allerdings sind die Islanders in den Play-offs nur krasser Außenseiter.

(dpa/sid)
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