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NHL-Star
Draisaitl auf dem Prüfstand

Fotos: Draisaitl – Super-Talent, Oilers-Profi, German Gretzky
Fotos: Draisaitl – Super-Talent, Oilers-Profi, German Gretzky FOTO: dpa, zeus nic
Edmonton. Leon Draisaitl steckt mit den Edmonton Oilers in der Krise. Als Titel-Anwärter gestartet, suchen die Kanadier hängeringend ihre Form. Auch für den jungen Deutschen persönlich wird dies zur Bewährungsprobe.

Leon Draisaitl musste einfach mal raus. Runter vom Eis, Schlittschuhe in die Ecke - etwas für die Seele tun. Im Bighorn Golf Club in Palm Desert ließ Deutschlands Eishockey-Star den Blick über das Fairway schweifen, ein bisschen kalifornische Sonne genoss er auch. Ein Moment zum Innehalten. Draisaitl ist weit gekommen, doch so etwas wie gerade, eine waschechte Krise, ist ihm bisher noch nicht untergekommen.

"Es ist natürlich frustrierend. Wir haben ein Stück weit ein anständiges Spiel gemacht", sagte Draisaitl nach der 1:2-Niederlage der Edmonton Oilers gegen den letztjährigen Stanley-Cup-Finalisten Nashville Predators: "Aber wir lassen uns nicht unterkriegen und machen uns an die Arbeit." Das wird bitter nötig sein, war die Pleite gegen Nashville immerhin schon die siebte in den vergangenen acht Spielen in der NHL.

Äußerlich scheint Draisaitl das alles wenig zu beeindrucken. Er bleibt gewohnt cool, fährt sich wie sonst auch mit regloser Miene durch den Bart und spult seine Standardfloskeln ab. Das klingt dann in etwa so: "In allen Reihen haben wir sehr solide gespielt. Der Einsatz war gut, wir müssen jetzt dranbleiben." Nur, wenn die Punkte fehlen, ist das eben nicht ausreichend.

Knapp vorbei ist in der Erfolgsmaschinerie NHL einfach zu wenig, zumal viele Experten die Oilers vor der Saison als Meisterschaftsanwärter gehandelt hatten nach dem letztjährigen Einzug ins Play-off-Viertelfinale. Zusammen mit Edmontons Kapitän Connor McDavid sollte Draisaitl eine exquisite Doppelspitze abgeben. In der Vorsaison hatten beide schließlich schon Vergleiche mit Pittsburghs Traumduo Sidney Crosby/Jewgeni Malkin herausgefordert.

Als achtbester NHL-Scorer der Hauptrunde war Draisaitl in die absolute Elite seiner Zunft aufgestiegen. Die Oilers statteten ihn mit einem 68-Millionen-Dollar-Vertrag über acht Jahre aus. Mit 22 Jahren ist Draisaitl jetzt reich, aber auch größerem Druck ausgesetzt. Mit elf Toren und 23 Vorlagen aus 40 Spielen ist der Mittelstürmer persönlich durchaus auch erneut auf einem guten Weg.

Doch als Drittletzter der Pacific Division sind die Oilers derzeit weit von den Play-offs entfernt, es hilft nur noch eine lange Erfolgsserie. Vom "German Gretzky" verlangen die Kanadier jetzt mehr. Die Zeitung Edmonton Sun schrieb zuletzt, Draisaitl würde spielen, "ohne da draußen im Moment einen Unterschied auszumachen".

Auch sein Trainer fordert eine Steigerung des Star-Duos Draisaitl/McDavid. "Wir müssen den Kopf oben behalten, eine andere Körpersprache zeigen, bereit sein, einen zusätzlichen Schritt zu machen", sagte Todd McLellan: "Man darf nicht den einfachen Weg gehen, um aus dem Dreck zu kommen. Dafür muss man hart arbeiten."

Die Erwartungshaltung verunsichert Draisaitl aber nicht. "Natürlich will man mehr im nächsten Jahr", hatte er dem SID vor der Saison gesagt. Schließlich spiele er in der Stadt des legendären Wayne Gretzky: "Da wird Gewinnen immer gefordert, das ist völlig verständlich." In der Nacht zum Samstag (3.00 Uhr) bei den Arizona Coyotes um Draisaitls Nationalmannschaftskollegen Tobias Rieder sollten die Oilers endlich damit anfangen.

(sid)
 
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