Deutlicher Vorsprung vor San Francisco: USA schicken New York ins Rennen für Olympia 2012
zuletzt aktualisiert: 03.11.2002 - 11:56Colorado Springs (rpo). Danke Star-Aufgebot und "11. September-Bonus" hat New York das Rennen um die amerikanische Bewerberstadt für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2012 gegen San Francisco gewonnen.
Die 19 Millionen-Metropole setzte sich am Samstag in einer Kampfabstimmung gegen San Francisco durch und wurde vom Nationalen Olympischen Komitee der USA (USOC) zum Kandidaten für die internationale Entscheidung im Juli 2005 deklariert. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg interpretierte die 132 von möglichen 223 Stimmen als Vertrauensvorschuss für den "Big Apple": "Wir haben nach den Terroranschlägen bewiesen, was wir leisten können. New York ist bereit für die Herausforderung Olympia."
Positiv wurde die Entscheidung auch vom deutschen NOK-Chefinspektor Dieter Graf Landsberg-Velen aufgenommen. Der NOK-Vizepräsident hatte am vergangenen Freitag Leipzig als fünften und letzten nationalen Bewerber-Kandidaten unter die Lupe genommen und meinte: "Aus meiner Sicht ist das für den deutschen Kandidaten eine günstige Entscheidung. Ich glaube nicht, dass New York ein so attraktiver Gegner wie San Francisco ist."
In dem als offen geltenden Rennen wurde hinter den Kulissen hart um jede Stimme gekämpft. Als New York schließlich den Zuschlag erhielt, brachen die Menschen am Times Square in frenetischen Jubel aus. Den Ausschlag dürfte im Endeffekt das üppige Budget von fünf Milliarden Dollar gegeben haben, das fast ein Drittel über dem von San Francisco lag.
Ex-Bürgermeister Giuliani: "Wir haben das Knowhow"
"Wir haben das Knowhow für Großereignisse und werden die Welt nicht enttäuschen", versprach auch der frühere Bürgermeister Rudy Giuliani, der bei der USOC-Tagung in Colorado Springs ein Großkontingent bekennender New York-Fans anführte. Dessen Palette reichte von Weitsprung-Legende Bob Beamon bis zu Komiker Billy Crystal, dazu wurden Robert De Niro und der "Vorzeige-New Yorker" Woody Allen per Video eingespielt.
Der Wahlsieger will sich mit Spielen der kurzen Entfernungen gegen die Konkurrenz von mindestens sechs Städten durchsetzen. Ein Großteil der Wettbewerbe - darunter auch die Leichtathletik - soll in Manhattan stattfinden, das Olympische Dorf ist im Stadtteil Queens am Ufer des East River geplant. Keine der Wettbewerbstätten soll weiter als 20 Kilometer vom Olympischen Dorf entfernt sein.
Bloomberg versprach, bis zur Entscheidung im Jahre 2005 die nicht wenigen Problempunkte anzugehen. Dazu gehören die im Sommer ohnehin schon überfüllten Hotels und das Verkehrschaos. Auch eine Bürgerinitiative gegen den Bau des Olympiastadions auf dem Gelände von Eisenbahnschienen soll von der Bildfläche verschwunden sein.
Glückwünsche von IOC-Präsident Rogge
IOC-Präsident Jacques Rogge sprach New York seine Glückwünsche aus. "Jetzt sehen wir der Bewerbung dieser pulsierenden Stadt mit Vorfreude entgegen." Rogge hatte allerdings vergangene Woche auch erklärt: "Das IOC wird sich bei seiner Entscheidung nicht von Emotionen leiten lassen, sondern den Ausrichter aufgrund der qualitativen Fakten auswählen." Der Mitleidseffekt werde keine entscheidende Rolle mehr spielen.
Die Ereignisse des 11. September können helfen oder schaden. Fragen nach dem Thema Sicherheit wiegelten die Stadtoberen erst einmal ab: Schließlich seien sämtliche Olympiaorte ein potentielles Ziel. Die räumliche Konzentration der Spiele auf einen Umkreis von 40 km erleichtere den Sicherheitsbehörden jedoch die Arbeit.
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