Steinhauser auf Rang fünf - Lette siegt im Massensprint: Vainsteins überraschte die Favoriten
zuletzt aktualisiert: 15.10.2000 - 19:03Plouay (dpa). Lange Gesichter bei den Favoriten und eine jubelnde deutsche Mannschaft gab es am Sonntag beim letzten Rennen der Weltmeisterschaft im Straßenradsport. Der 27-jährige Lette Romans Vainsteins setzte sich nach 268,9 Rennkilometern im Profi-Wettbewerb im Spurt durch und sorgte vor 100 000 begeisterten Zuschauern in Plouay für den ersten Weltmeistertitel seines Landes. In einem packenden Finale war er knapp vor dem Polen Zbigniew Spruch und Titelverteidiger Oscar Freire (Spanien) erfolgreich. Einem der großen Favoriten, Michele Bartoli (Italien), blieb nur Rang vier vor dem großartig kämpfenden Tobis Steinhauser (Scheidegg).
Der Fahrer aus dem Team Gerolsteiner war am Ende als einziger Deutscher in dem stark geschrumpften Hauptfeld übrig geblieben. "Ich wollte unter die besten 15 und hatte ein sehr gutes Gefühl von Anfang an. Ich habe mich immer an Bartoli orientiert. Obwohl ich kein typischer Sprinter bin, habe ich mich erstaunlich gut behauptet", sagte der 28-jährige Sieger der Hessen-Rundfahrt. Der verletzte Olympiasieger Jan Ullrich (Merdingen), der erkrankte Weltcup- Spitzenreiter Erik Zabel (Unna) und der indisponierten Olympia-Dritte Andreas Klöden (Berlin) waren nicht am Start.
"Ein Kurs zum ermüden", hatte der Berliner Jens Voigt die 14-km- Runde genannt. Und der Leipziger Bert Dietz, der nach mehr als 25 Jahren Radsport-Karriere in Plouay sein letztes Rennen bestritt, ergänzte: "Auf den ersten Runden denkt man noch, das ist ja gar nichts. Dann aber tut jeder Hügel mehr weh." Den Kraftverlust musste auch der Sieger vom Rennen Rund um den Henninger Turm erleben. Kai Hundertmarck (Kelsterbach) stieg in der drittletzten Runde aus. "Ich bin platt, das Rennen war einfach zu lang."
Auch Laurent Jalabert (Frankreich), der als Ex-Weltmeister das Zeitfahren zu Gunsten des Einzelrennens ausgelassen hatte, stieg zwei Runden vor Schluss entkräftet vom Rad, an seiner Seite der Nürnberger Jung-Profi Matthias Kessler. Da waren aber vielleicht noch 40 der ursprünglich 158 Rennfahrer dabei, aus dem deutschen Team nur noch Steinhauser und bereits 30 Sekunden zurück der deutsche Meister Rolf Aldag (Ahlen).
Erst in dieser Phase traten erstmals die großen Favoriten Michaele Bartoli und Andrej Tschmil an der Spitze in Erscheinung, konnten sich aber nicht absetzen. Tschmils Landsmann Axel Merckx setzte mit dem Glockenzeichen zur letzten Runde zu einem weiteren vergeblichen Versuch an, dann kam 10 km vor dem Ziel der erneute Antritt von Tschmil, der schließlich 1 000 m vor dem Ziel wieder gestellt wurde.
Die Weißrussin Sinaida Stachurskaja eroberte am Samstag im Eisregen nach 60 km Alleinfahrt den Weltmeistertitel. Über 127,4 km gewann die 29-Jährige mit 1:27 Minuten Vorsprung vor der Niederländerin Chantal Beltman. Aus dem deutschen Team, das ohne die Olympia-Zweite Hanka Kupfernagel (Berlin) antrat, kamen Judith Arndt (Frankfurt/Oder/29.), Trixi Worrack (Cottbus/30.) und Bettina Schöke (Stuttgart/34.) ins Ziel. Der Neuseeländer Jeremy Yates überraschte im Junioren-Rennen den Russen Wladimir Gussew. Als bester Deutscher kam Marcel Sieberg aus Castrop-Rauxel auf Platz sieben.
Radsport, Straßen-Weltmeisterschaften in Plouay/Frankreich, sechster und letzter Tag:
Männer, Straßenrennen (268,9 km):
1. Romans Vainsteins (Lettland) 6:15:28 Stunden 2. Zbigniew Spruch (Polen) 3. Oscar Freire (Spanien/TV) 4. Michele Bartoli (Italien) 5. Tobias Steinhauser (Scheidegg) 6. Niki Aebersold (Schweiz) 7. Scott Sunderland (Australien) 8. William Chann McRae (USA) 9. Paolo Bettini 10. Francesco Casagrande (beide Italien) 11. Michael Boogerd (Niederlande) 12. Axel Merckx (Belgien) 13. Gorazd Stangelj (Slowenien) 14. Niklas Axelsson (Schweden) 15. Dave Bruylandts (Belgien) 16. Oscar Camenzind (Schweiz) 17. Maximilian Sciandri (Großbritannien) 18. Jean-Cyril Robin (Frankreich) 19. Andrej Tschmil (Belgien) 20. Raimondas Rumsas (Litauen) alle gleiche Zeit ... 36. Rolf Aldag (Ahlen) 3:17 Minuten zurück ... 65. Bert Dietz (Schwabach) 11:34 ... 67. Ralf Grabsch (Hürth) 12:20 ... 83. Jörg Ludewig (Steinhagen) ... 88. Grischa Niermann (Hildesheim) 89. Jan Schaffrath ... 92. Jens Voigt (beide Berlin) alle gleiche Zeit
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