Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften: Vancouver ein Trauerspiel - Nur Winkler/Lohse Olympia-reif
zuletzt aktualisiert: 25.03.2001 - 11:12Vancouver (rpo). Die Eiskunstlauf-WM in Vancouver war für die deutschen Teilnehmer ein Trauerspiel - Elf Monate vor Olympia gibt es für Salt Lake City zudem kaum Anlass zur Hoffnung auf Besserung. Einzig sichere Anwärter für die Spiele sind die Eistänzer Kati Winkler und Rene Lohse, die mit ihrem siebten WM-Platz immerhin zwei Startplätze sicherten.
Alle anderen WM-Teilnehmer der Deutschen Eislauf-Union (DEU) müssen um ihr Olympia-Ticket bangen, im Paarlaufen ist sogar der Startplatz in Gefahr. "Es ist zum Weinen", kommentierte Doppel-Olympiasiegerin Katarina Witt die Situation der einstigen deutschen Paradesportart, in der es zum dritten Mal in Folge keine internationale Medaille gab.
Auch DEU-Präsidentin Angela Siedenberg wollte die Leistungen der deutschen Kufenkünstler in Kanada nicht beschönigen: "Es ist wirklich ein weiter Weg zur Spitze." Die DEU will nach der WM in Klausur gehen und mögliche Fehler in der Saisonplanung aufarbeiten. So warfen Winkler/Lohse den Funktionären zu Beginn der Titelkämpfe vor, keine professionellen Bedingungen zu schaffen und sie finanziell im Regen stehen zu lassen. "Wir brauchen dringend einen Co-Trainer, denn Martin Skotnicky betreut ja auch noch gute Juniorenpaare und ist viel unterwegs", monierte die 27 Jahre alte Kati Winkler, die im Olympia- Jahr mit ihrem gleichaltrigen Partner richtig loslegen will.
Zwar werden im Eistanzen die neuen Weltmeister Barbara Fusar- Poli/Maurizio Margaglio (Italien) und die Silbermedaillengewinner Marina Anissina/Gwendal Peizerat (Frankreich) olympisches Gold unter sich ausmachen. Doch danach werden Plätze auf dem Podium frei werden, weil einige Paare ins lukrative Profigeschäft wechseln.
Um deutsche Läufer weiter nach vorn zu bringen, will die DEU verstärkt über den eigenen Tellerrand hinausschauen. So sollen Susanne Stadlmüller (Stuttgart) und Stefan Lindemann (Erfurt) im Sommer einige Wochen bei Meistertrainer Alexej Mischin und seinem Musterschüler Ewgeni Pluschenko, der erstmals Weltmeister wurde, in St. Petersburg trainieren. "Dem einen oder anderen tut es bestimmt ganz gut, mal aus seinem Trott herausgeholt zu werden", meinte Lindemanns Trainerin Ilona Schindler mit Blick auf die Bedingungen in Russland, das mit fünf Medaillen seine Position als vorherrschende Nation im Eiskunstlauf behauptete.
Enttäuscht zeigte sich Schindler vom fehlenden Durchsetzungsvermögen Lindemanns, der in der Kür völlig einbrach und nur 18. wurde: "Ich hätte mir gewünscht, dass er angreift, denn zu verlieren hatte er hier nichts." Doch der 20-Jährige, der wegen einer langwierigen Fußverletzung erst zum Saisonhöhepunkt fit wurde, war vor 17 000 Zuschauern im General Motor Place zu nervös.
Als eine Läuferin mit Zukunft präsentierte sich die 16 Jahre alte Susanne Stadlmüller, die bei ihrem WM-Debüt kess auftrat. "Ich will mir einen Namen machen. Die Preisrichter sollen sehen, dass da eine kommt, die das Potenzial hat, nach oben zu kommen", meinte die deutsche Meisterin, die auf Rang 16 lief. Die groß gewachsene Gymnasiastin ließ sich am Abschlusstag von der Kulisse und den Topleistungen der Weltmeisterin Michelle Kwan (USA) und der Zweiten Irina Slutskaja (Russland) einschüchtern. Vom Sprungrepertoire ist Susanne Stadlmüller schon weit, doch muss sie stabiler im Wettkampf werden. "Das kommt schon noch", meinte die selbstbewusste Athletin.
Im spannendsten Wettkampf von Vancouver, der umstrittenen Paarlauf-Entscheidung mit den kanadischen Siegern Sale/Pelletier vor den Russen Bereschnaja/Sicharulidse, spielte das deutsche Paar Mariana Kautz/Norman Jeschke nur eine Nebenrolle. Die Fußverletzung der Berlinerin hatte die Vorbereitung so beeinträchtigt, dass die beiden froh waren, die Saison "über die Bühne gebracht zu haben". Platz 16 reicht allerdings nicht für das Olympia-Startrecht. So muss die DEU im November in einem Wettkampf in Zagreb um einen Platz kämpfen.
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