Ivanisevic besiegt Henman im Halbfinale: Venus Williams bleibt "Königin" von Wimbledon
zuletzt aktualisiert: 08.07.2001 - 22:30London (rpo). Venus Williams bleibt nach einem weiteren Sieg auf dem heiligen Rasen die "Königin" von Wimbledon. Die Briten müssen dagegen auch weiter auf einen Finalisten aus dem eigenen Land warten. Die Titelverteidigerin aus den USA wehrte den jugendlichen Ansturm der Belgierin Justine Henin mühsam ab und verteidigte mit einem 6:1, 3:6, 6:0-Erfolg ihren Titel aus dem Vorjahr. Zuvor machte Goran Ivanisevic im Schlussakt einer dreitägigen Halbfinal-Hängepartie gegen Tim Henman mit seinem 7:5, 6:7 (6:8), 0:6, 7:6 (7:5), 6:3-Erfolg der "Henmania" ein Ende.
Nach dem Aus des zahmen "Tiger Tim" wird der Titel auch im 65. Jahr nach dem legendären Fred Perry wieder an einen Nicht-Briten gehen. Sowohl für den australischen Vorjahresfinalisten Patrick Rafter als auch den Kroaten, der zum vierten Mal im Finale steht, wäre es der erste Triumph auf dem "Heiligen Rasen". Das Match um die Nachfolge des siebenfachen Champions Pete Sampras beginnt am Montag um 13.00 Uhr MESZ (Premiere World/DSF), so wie vor 13 Jahren, als Boris Becker dem Schweden Stefan Edberg unterlag.
"Ich habe mich beeilt, weil ich nicht wieder nass werden wollte", sagte Venus Williams kichernd. Venus Williams war auf den Punkt topfit und hatte die eintägige Wartezeit offenbar besser weggesteckt. "Venus hat heute wirklich besser gespielt und verdient gewonnen", meinte ihre Kontrahentin. Das Match hatte kaum begonnen, das war der erste Satz auch schon vorbei. Wie gegen Anke Huber im Achtelfinale hatte ihre 19 Jahre alte Kontrahentin den Start total verschlafen. Als sie richtig wach war, wurde die Partie beim Stande von 3:2 für sie unterbrochen. Richtig, wegen Regens.
Die Pause allerdings war kurz und nicht einmal eine halbe Stunde später schaffte die Weltranglisten-Neunte den Satzausgleich. Die Becker-Faust war wieder da - der wallonische Tennis-Express in Fahrt gekommen. Doch Venus Williams zückte schon im zweiten Spiel des entscheidenden Satzes das Stopp-Zeichen in Form eines Breaks. Damit war ihre Unsicherheit gewichen und das Ziel wieder fest im Visier. "Vielleicht klappt es im nächsten Jahr", sagte Justin Henin. Trotz allem war es für sie nach dem Halbfinale bei den French Open ein neuerlicher Riesenerfolg, der mit ihrem höchsten Preisgeld in Höhe von 326 300 Dollar und Platz fünf in der Weltrangliste belohnt wurde.
"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", stammelte Ivanisevic nach seinem nicht einmal zwanzig Minuten dauernden Nachsitzen. Am Ende des drei Tage währenden Dramas in fünf Akten machte der als "verrückt" geltende Kroate Veitstänze auf dem Center Court, sprang auf zwei Drahtstühle, reckte Racket und Arme in die Höhe und ließ sich vom fairen Publikum hochleben. "Meine Arme sind hundert Kilo schwer", meinte er. Doch die lädierte linke Schulter schmerzte plötzlich nicht mehr. "Morgen wird der größte Tag in meinem Leben."
"Es ist unglaublich, ich kann's überhaupt nicht fassen", so Ivanisevic weiter. Sein Kontrahent, der zum dritten Mal im Semifinale scheiterte, verschwand wortlos in die Katakomben des mit 14 000 Zuschauern ausverkauften Stadions und trauerte den verpassten Chancen nach: "Es ist frustrierend."
Am Freitag schien er das Final-Ticket schon gelöst zu haben. Doch da stoppte ihn bei 2:1-Satzführung der Regen. Mit viereinhalb Stunden Verzögerung ging es am Samstag weiter. Doch in der 52-minütigen Wiederaufnahme zeigte Ivanisevic ungeahnte Kräfte, glich aus und wurde vom Regen gestoppt. Am Sonntag schaffte er das entscheidende Break zum 5:3. Den ersten Matchball vergab er noch mit einem Doppelfehler, doch den zweiten schlug sein Kontrahent ins Aus.
Die Nächte des Wartens und der Ungewissheit hatten "Tiger Tim" zahm gemacht. Der alte Hase aus Split kam mit dem Spiel der Nerven weit besser zurecht. "Es ist das erste Mal, dass Goran in Wimbledon so richtig locker aufspielt", meinte Niki Pilic. "Und deshalb kann er auch gewinnen." Der frühere deutsche Daviscup-Kapitän und Förderer des 29-Jährigen behielt Recht - und die britischen Fans vor der Großbildleinwand neben dem Center Court bekamen Tränen in die Augen.
Alle anderen Finalergebnisse im Überblick:
Damen, Doppel: Lisa Raymond/Rennae Stubbs (USA/Australien/1) - Kim Clijsters/Ai Sugiyama (Belgien/Japan/9) 6:4, 6:3
Herren, Doppel: Donal Johnson/Jared Palmer (USA/4) - Jiri Novak/David Rikl (Tschechien/3) 6:4, 4:6, 6:3, 7:6 (8:6)
Mixed: Leos Fried/Daniela Hantuchowa (Tschechien/Slowakei) - Mike Bryan/Liezel Huber (USA/Südafrika) (Montag)
Juniorinnen, Einzel: Angelique Widjaja (Indonesien/8) - Dinara Safina (Russland/15) 6:4, 0:6, 7:5
Junioren, Einzel: Roman Valent (Schweiz/10) - Gilles Muller (Luxemburg/2) 3:6, 7:5, 6:3
Juniorinnen, Doppel: Christina Horiatopoulos/Bethanie Mattek (Australien/USA) - Gisella Dulko/Ashley Harkleroad (Argentinien/USA/3) (Montag)
Junioren, Doppel: Giovanni Lapentti/Frank Dancevic (Äquator/Kanada/8) - Bruno Echagaray/Santiago González (Mexiko/1) 6:1, 6:4
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