Golf: Langer nur 28.: Vijay Singh gewann überlegen 64. US-Masters
zuletzt aktualisiert: 11.04.2000 - 11:23Augusta (dpa). Erst küsste Vijay Singh den kleinen weißen Ball, dann reckte er den rechten Arm samt Golfschläger in die kühle Abendsonne von Augusta und genoss den Beifall. Das "Allergrößte" seiner turbulenten Karriere war vollbracht. Mit einem überflüssigen Birdie hatte der auf den Fidschi Inseln geborene Profi am Sonntag seinen souveränen Triumph beim 64. US-Masters besiegelt und mit 828 000 Dollar seine höchste Siegprämie kassiert.
Nach einer 69er Finalrunde gewann er mit 278 Schlägen vor dem Südafrikaner Ernie Els (281) sowie David Duval und Loren Roberts aus den USA, die jeweils 282 Schläge benötigten. Mit zwei Schlägen mehr landete der amerikanische Weltranglisten-Erste "Tiger" Woods auf dem fünften Platz.
Lediglich auf Rang 28, seiner acht-schlechtesten Platzierung bei 18 Masters-Teilnahmen, fand sich Bernhard Langer gemeinsam mit acht anderen Spielern wieder. Der mit sich unzufriedene Schwabe brauchte auf dem gefürchteten Par 72 Kurs des Augusta National Golf Clubs in Georgia 293 Schläge. Nach zwei guten ersten Tagen, als er mit vier Schlägen Rückstand zum Führenden vage Hoffnungen auf seinen dritten Masters-Gewinn auslöste, brach er regelrecht ein. "Mein Schwung war mies. Ich habe zu viele Bälle verzogen", ärgerte sich der Anhausener, der den unvergesslichen Moment seines erfolgreichen Kollegen Vijay Singh am Fernsehen miterlebte. "Singh ist ein Topspieler. Er hat sich verdient durchgesetzt", anerkannte Langer.
Anerkennend äußerten sich auch andere Elitegolfer über Singh, der 1998 mit den PGA Championship sein erstes Major-Turnier gewann. "Ich freue mich riesig für ihn. Es war toll, sein schönes Spiel zu sehen", meinte Woods. Duval bezeichnete den Weltranglisten-Achten, mit dem er sich auf den letzten beiden Runden direkt duellierte, als "einen der wunderbarsten Spieler des Planeten". Vijay sei großartig, würdigte der entthronte spanische Titelverteidiger Jose Maria Olazabal seinen 37 Jahre alten Nachfolger, als er ihm bei der traditionellen Ehrung am 18. Loch in das begehrte Grüne Champions-Jackett half.
Dem nach Woods zweiten farbigen Sieger des prestigeträchtigsten Turniers, das mit 4,6 Millionen Dollar dotiert war, fiel es sichtlich schwer, seine Gefühle zu unterdrücken. "Hier zu spielen, war schon eine Ehre. Doch dieses Grüne Jackett jetzt zu tragen, übertrifft alles. Ich werde es die ganze Nacht nicht ausziehen", versicherte Singh, der den von seinem neunjährigen Sohn Qass an der Golftasche geklebten Spruch "Papa, vertraue deinem Schwung" beherzigte. "Vijay schlug lang, hart und gerade und puttete perfekt", urteilte Els über seinen Trainingspartner, der sich auch als nervenstark erwies.
"Ich hatte nur Schmetterlinge im Bauch, als ich von einem Schlag zum anderen ging. Wenn ich über dem Ball war, war ich voll konzentriert", erzählte der seit fünf Jahren mit seiner Familie in Florida lebende Asket, der weder raucht noch Alkohol trinkt.
Golf sei sein Leben, sagt Singh, der über 1 000 Putter besitzt. "Wenn ich ins Bett gehe, denke ich an Golf, wenn ich aufwache, denke ich auch Golf." Unter Anleitung seines Vaters hatte er als Achtjähriger die ersten Bälle geschlagen. Oftmals schwänzte er deshalb die Schule. Damals gab es auf der rund 500 000 Einwohner zählenden Pazifikinsel lediglich eine Neun-Loch-Anlage. Inzwischen zählt das Eiland zwölf Plätze. Mit 17 Jahren spielte der ehrgeizige Teenager, der mit seinen Brüdern Krishna und Mira die Fidschi Inseln als Team beim Dunhill Cup vertrat, auf der PGA-Asian Tour.
Über seine Vergangenheit redet Singh jedoch ungern. Aus gutem Grund. Vor sieben Jahre hatte er beim Turnier in Indonesien seine Scorecard umgeschrieben, um den Cut zu schaffen. Zwei Jahre Sperre waren die Folge. Im tiefsten malaysischen Regenwald in Borneo fand er einen Not-Job als Golflehrer für monatlich 160 Dollar. "Es war wie im Exil in Sibirien. Das war der Tiefpunkt meines Lebens", so Singh.
64. US-Masters, Endstand vier Runden (Par 72 Kurs/4,6 Millionen Dollar):
1. Vijay Singh (Fiji) 278 Schläge (72+67+70+69) 2. Ernie Els (Südafrika) 281 (72+67+74+68) 3. David Duval 282 (73+65+74+70) und Loren Roberts 282 (73+69+71+69) 5. Tiger Woods 284 (75+72+68+69) 6. Tom Lehman (USA) 285 (69+72+75+69) 7. Davis Love III 286 (75+72+68+71) Phil Mickelson (alle USA) 286 (71+68+76+71) und Carlos Franco (Paraguay) 286 (79+68+70+69) 10. Hal Sutton (USA) 287 (72+75+71+69) ... 28. Bernhard Langer (Anhausen) 293 (71+71+75+76)
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