Pluschenko erstmals Europameister: Vlascenko übertrumpfte Lindemann
zuletzt aktualisiert: 10.02.2000Wien (dpa). Der russische "Rotationsroboter" Ewgeni Pluschenko hat erstmals den Europameisterschafts-Titel im Eiskunstlauf gewonnen. In der Kürentscheidung am Donnerstagabend in Wien setzte sich der 17- Jährige aus St. Petersburg gegen seinen Landsmann und Dauerkonkurrenten Alexej Jagudin durch, der sich nach zweijähriger Dominanz bei EM und WM mit Silber begnügen musste. Hinter den beiden überragenden Russen wurde Dmitri Dmitrenko (Ukraine) Dritter. Der letztjährige EM-Vierte Andrejs Vlascenko (Füssen) kämpfte sich vom elften auf den siebten Platz vor und konnte damit einen internen Machtwechsel gerade noch verhindern: Der deutsche Meister Stefan Lindemann aus Erfurt wurde Achter und stand erstmals unter den Top Ten.
Nach seinem verletzungsbedingten Verzicht auf die deutschen Titelkämpfe im Januar in Berlin und dem verpatzten EM-Auftakt steckte Vlascenko in einem Tief. Vor 2 500 Zuschauern in der Stadthalle mussten der 19-jährige Thüringer und der 25-jährige gebürtige Russe auch noch unmittelbar hintereinander laufen. Lindemann verpatzte gleich zu Beginn die Kombination Dreifachaxel/Dreifachtoeloop holte sie aber später nach. "Ich habe mich hier ganz gut verkauft", meinte er. Vlascenko stützte sich beim Axel zwei Mal mit der Hand ab, war nach seiner Steigerung aber sichtlich erleichtert: "Ich habe wieder zu mir gefunden."
Weltmeister Jagudin (19), der noch nie russischer Meister war, konnte seine Führung aus dem Kurzprogramm diesmal nicht verteidigen. Drei Mal war Pluschenko zuvor seinem ausdrucksstärkeren Rivalen auf internationalem Eis unterlegen. Diesmal durfte sich der blasse Blonde jedoch über die Siegprämie von 22 000 Dollar freuen. Auch für seinen Coach Alexej Mischin war es ein besonderer Erfolg. Schließlich trainierte er früher Jagudin, der dann unter Meistertrainerin Tatjana Tarassowa an die absolute Spitze kam. Jagudin hatte in seiner Kür zwar keinen Sturz, aber einige Unsauberheiten und verlor so einen Titel an Pluschenko, der vor allem mit einer Kombination Vierfachtoeloop/Dreifachtoeloop/Zweifachrittberger glänzte.
Die Berliner Kati Winkler und Rene Lohse haben derweil nach dem Originaltanz ihren fünften Platz verteidigt. Die deutschen Meister und EM-Sechste des Vorjahres setzten sich vor die Israelis Galit Chait/Sergej Sachnowsky, die nach den Pflichttänzen noch gleichauf lagen. Es führen weiterhin die Vize-Weltmeister Marina Anissina/Gwendal Peizerat vor Barbara Fusar-Poli/Maurizio Margaglio (Italien) und den Russen Irina Lobatschewa/Ilja Awerbuch.
Den Franzosen ist nach dem verletzungsbedingten Ausfall der Titelverteidiger Anjelika Krylowa/Oleg Owsiannikow aus Russland ihr erster EM-Titel praktisch nicht mehr zu nehmen. Die etwas angeschlagenen Geschwister Thomas und Stephanie Rauer (Essen) belegen vor der Kürentscheidung am Freitag den 15. Platz. "Heute Morgen hatten wir einen Unfall im Training. Ich habe meinen Bruder mit der Kufe oben und unten am Auge geschnitten, als ich den Fuß hochnahm", berichtete sie.
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