Triathlon: Ebli will keine Sporttouristen: Vuckovic streitet um Olympia-Prämie
zuletzt aktualisiert: 11.06.2001 - 11:07Leipzig (rpo). Zum Millionär ist er nach dem Gewinn der Silbermedaille in Sydney nicht geworden, dafür malt Triathlet Stephan Vuckovic die Autogramme jetzt gleich im Dutzend auf Mützen und T- Shirts. Der Glatzkopf mit dem Piratentuch ist seit Olympia begehrt und beliebt, aber auch aufmüpfig geworden.
Weil dem 28-jährigen Reutlinger die vor vier Jahren vertraglich zugesicherte Olympia- Prämie vom Verband noch immer nicht gezahlt wurde, hat Vuckovic inzwischen seinen Anwalt eingeschaltet.
Es geht um 50.000 Mark, die die Deutsche Triathlon-Union (DTU) 1997 per Athletenvertrag für Olympia-Silber versprochen hatte. Im vergangenen Jahr unterzeichnete Vuckovic dann eine neue Vereinbarung, in der von einer Prämie keine Rede mehr war. "Das geschah unter Zwang. Ich habe das ja schriftlich. Es hieß: Entweder ihr unterschreibt das oder Sydney ist gelaufen", erklärte Vuckovic und will mit diesem Argument die Gültigkeit des Schriftstücks anfechten. Hilfe vom neuen DTU-Präsidenten Klaus Müller-Ott kann er dabei nicht erwarten: "Er sagt, das war vor seiner Zeit. Da kann er nichts machen."
Müller-Ott hat seit seinem Amtsantritt im Frühjahr dem deutschen Vorzeige-Triathleten schon manche Tür geöffnet. Und tatsächlich bezeichnet Vuckovic sein Verhältnis zum Verband inzwischen als "sehr gut". Mit Kritik im Namen seiner Mitstreiter hält der älteste deutsche Kader-Athlet trotzdem nicht hinterm Berg. "Im Weltmaßstab rennen wir hinterher, weil wir es verpasst haben, jüngere Athleten früh genug an die Spitze heranzuführen", so Vuckovic.
Zwei von vier Weltcup-Wettbewerbe besetzte die DTU in diesem Jahr, nach der WM kommen noch die Wettbewerbe in der Schweiz, Ungarn und Italien. "Andere Nationen wie Spanien haben ihre Athleten schon zu zehn Punkte-Rennen geschickt", beklagte Vuckovic. Die Folge: Während bei den Frauen Anja Dittmer (Neubrandenburg), Christiane Pilz (Rostock) und Joelle Franzmann (Trier) zur erweiterten Weltspitze gehören, rangiert bei den Männern derzeit kein Deutscher unter den stärksten 50 der Welt. Ein Platz unter den Top 50 wäre gleichbedeutend mit einem Ticket zur Weltmeisterschaft nach Edmonton. Momentan darf sich aber nur Vuckovic Hoffnung auf eine Wildcard machen.
"Die Kritik tangiert mich nicht, denn sie ist nicht aktuell", hält Bundestrainer Ralf Ebli seinem Spitzenathleten entgegen: "Es stimmt, dass in der Vergangenheit jüngere Athleten nicht früh genug zu hochklassigen Rennen geschickt wurden. Aber da war ich noch nicht im Amt." Die Besetzung der Weltcup-Wettbewerbe in diesem Jahr sei unter rein sportlichen Gesichtspunkten vorgenommen worden. "Außerdem bin ich dagegen, dass wir mit öffentlichen Geldern Sporttourismus betreiben", erklärte der seit Januar amtierende Bundestrainer seine Linie. Der blieb er auch bei der Nominierung für die Europameisterschaft treu. Bei Männern und Frauen verzichtete Ebli auf jeweils ein Ticket für die Titelkämpfe in Karlsbad.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum











