Graf oder Becker?: Waldenfels: "Kein Schnellschuss" am Rothenbaum
zuletzt aktualisiert: 13.02.2001 - 17:08Hamburg (dpa). Ladies first - da muss sogar ein Boris Becker warten. Der rot-blonde Schlagzeilen-Dauerlieferant ist auf der Prioritätenliste von Georg von Waldenfels (Foto) ausnahmsweise nur die Nummer zwei. "Zunächst werde ich mit Steffi Graf sprechen. Da stehe ich zu meinem Wort", betonte der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB) am Dienstag und setzte damit ein Signal in der Wochen langen öffentlichen Diskussion über den künftigen Turnierdirektor am Hamburger Rothenbaum. "Danach würde ich mit Boris Becker reden, wenn er Interesse hat, und dann vielleicht auch mit Michael Stich", kündigte von Waldenfels an.
Zwar hat keiner der drei ehemaligen Weltklasse-Profis diesen anspruchsvollen Vollzeit-Job direkt abgelehnt, doch "Einstellungsgespräche" sind noch nicht einmal ansatzweise geführt worden. Nägel mit Köpfen, so von Waldenfels, werden frühestens im Sommer gemacht. Fest steht bisher einzig und allein, dass DTB- Sportwart Walter Knapper nur in diesem Mai für die beiden Top- Turniere am Rothenbaum verantwortlich ist. "Wir werden 2002 definitiv einen neuen Turnierdirektor haben, aber wir wollen keinen Schnellschuss", versicherte von Waldenfels. Knapper wiederum könnte sich durchaus vorstellen, Turnierchef zu bleiben. "Es gibt viele Varianten", erklärte der Sportwart auf einer Pressekonferenz am Dienstag, "eine ist, dass ich weitermache, wenn man mich will."
Sein Chef sieht das anders. "Da dreht sich im Moment überhaupt kein Kandidatenkarussell. Ich lasse mir keine zusätzlichen Namen von außen aufdrängen", meinte von Waldenfels. Und: "Wir haben keine Not und Eile und müssen das nicht von heute auf morgen entscheiden." Der Verbandspräsident will die Nachfolge in Ruhe und Ordnung regeln. Zunächst berät Mitte März das DTB-Präsidium mit dem Aufsichtsrat darüber, was ein Turnierdirektor am Rothenbaum überhaupt leisten soll.
Erst Konzept - dann Personalentscheidung
Erst wenn das Konzept steht, beginnt die "Personaldebatte" richtig. Bisher hat von Waldenfels von den Ambitionen der drei Wimbledonsieger auch nur aus der Zeitung erfahren. "Ich habe noch mit keinem der Drei bisher direkten Kontakt gehabt oder telefoniert", meinte der Jurist aus München. "Wir brauchen kein Aushängeschild für 14 Tage, sondern einen Turnierdirektor, der das ganze Jahr über eine engagierte Arbeit macht", forderte der DTB-Präsident.
Dass der Verband sparen muss, wollte er gar nicht bestreiten. Der bisherige Turnierchef Günter Sanders, der zuvor Geschäftsführer und Generalsekretär in Personalunion war, soll mit rund 400 000 Mark zu Buche gestanden haben. Im vorigen Monat hatte sich der Verband von Sanders getrennt.
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