"Historischen Fehler wiederholt": Wegen Peking 2008: Mordrohungen und Vergleiche mit Nazi-Deutschland
zuletzt aktualisiert: 15.07.2001 - 11:17Moskau (rpo). Die Wahl Pekings zur Olympiastadt 2008 sorgt weiter für Zündstoff. Die Gegner der chinesischen Politik haben, wie jetzt bekannt wurde, sogar vor Morddrohungen nicht zurückgeschreckt. Nach der Wahl verglichen Tibet-Gruppen die IOC-Entscheidung mit der vor dem Zweiten Weltkrieg, als Berlin und Hitler-Deutschland die Spiele von 1936 austragen durften.
Das irische IOC-Mitglied Pat Hickey erhielt im Vorfeld der Abstimmung nach eigener Aussage in seinem Dubliner Büro Droh-Anrufe aus Tibet-Kreisen.
"Ich bekam für den Fall meiner Stimmabgabe für Peking drei Morddrohungen von einer Gruppe, die sich als Befreiungsarmee von Tibet bezeichnet hat - und ich bezweifele, dass ich das einzige IOC-Mitglied war", sagte Hickey am Samstagmorgen der französischen Nachrichtenagentur afp: "Die Wahl ist geheim, und ich behalte mein Geheimnis. Niemand weiß, wofür ich gestimmt habe." Angst hat der Ire offenbar nicht: "Ich bin überzeugt, dass dies nicht mehr als heiße Luft ist."
Ein von verschiedenen Tibet-Organisationen unterzeichnetes Schreiben tauchte in Zürich auf. "Das IOC hat einen ernsten Fehler gemacht, wie 1936, als Hitler gestattet wurde, die Spiele in Berlin auszutragen. Die Tibeter glauben ganz stark, dass das IOC diesen historischen Fehler wiederholt hat", heißt es in dem Papier. Zugleich wurde ein siebenjähriger Protest angekündigt.
Auch die Exilregierung Tibets hatte unmittelbar nach der Wahl für Peking die IOC-Entscheidung scharf kritisiert. "Wir bedauern zutiefst, dass China die Olympischen Spiele 2008 bekommen hat. Das dokumentiert die internationale Zustimmung für Pekings Menschenrechtsverletzungen und wird China ermutigen, die Repressionen auszuweiten", hieß es in einer Reaktion der Exilregierung im nordindischen Dharamsala.
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