Laurent Dufaux gewinnt Schlußspurt: Weltcup: Jan Ullrich Zweiter in Zürich
zuletzt aktualisiert: 20.08.2000 - 21:40Zürich (dpa). Jan Ullrich (Merdingen) hat am Sonntag seinen ersten Sieg in einem Weltcup-Rennen auf Rang zwei hinter dem Schweizer Laurent Dufaux um Haaresbreite verpasst. Der diesjährige Zweite der Tour de France wurde beim Championat von Zürich über 248 Km im Schlussspurt einer dreiköpfigen Spitzengruppe nur von dem 1998 in den Doping-Skandal verwickelten Dufaux bezwungen. Dritter wurde der Weltranglisten-Erste Francesco Casagrande (Italien). Die Drei hatten sich am letzten Anstieg 26 Kilometer vor dem Ziel abgesetzt.
Im achten von zehn Weltcup-Rennen kam Ullrich-Team-Kollege und Weltcup-Spitzenreiter Erik Zabel (Unna) glimpflich davon, obwohl er wie in San Sebastian keine Punkte sammeln konnte. Der 30-jährige behauptete seine Führung mit 330 Punkten und musste nur Romans Vainsteins 16 Punkte gewähren. Der Lette liegt mit 204 Zählern nach wie vor auf Rang drei hinter Zabel und dem Belgier Andrej Tschmil (206). "Wir sind zufrieden. Natürlich ist Rang zwei immer der unangenehmste von allen. Aber Jan ist doch sehr stark gefahren und nur Vainsteins hat ein paar Punkte gemacht", sagte Telekom-Teamchef Walter Godefroot nach dem Rennen, das nach Streckenänderungen im Vergleich zu den Vorjahren wesentlich schwerer war.
Der nach enormen Start-Schwierigkeiten im Frühjahr jetzt endlich in Topform fahrende Ullrich, der in der vergangenen Woche in Italien sein erstes offizielles Rennen in diesem Jahr gewonnen hatte, war wahrscheinlich der stärkste Fahrer von allen 172 Startern. Im Schlusssprint hatte er sich mit einer sehr hohen Übersetzung aber wahrscheinlich zu viel zugetraut. Er wollte den Spurt von vorne gewinnen und wurde von Dufaux, der den ersten Sieg eines Einheimischen nach 19 Jahren (Beat Breu) feierte, passiert.
"Ich hatte nicht viel Alternativen, ich musste den Sprint 200 Meter vor dem Ziel anziehen. Natürlich hätte ich gerne gewonnen, ich bin mit meiner Leistung aber trotzdem zufrieden", sagte Ullrich, der am kommenden Samstag zur Spanien-Rundfahrt startet, die er im Vorjahr gewann.
Vor der letzten von sechs Runden über jeweils knapp 42 Kilometer hatte sich eine achtköpfige Spitzengruppe gebildet, wie sie hochkarätiger nicht besetzt sein konnte. Neben Ullrich und dem Toursieger Lance Amstrong (USA), der am Schluss Rang fünf belegte, hatten sich u. a. auch der amtierende Weltmeister Oscar Freire (Spanien), Casagrande, Ex-Weltmeister Oscar Camenzind und Dufaux (beide Schweiz) vom Feld abgesetzt.
Pro Runde mussten oberhalb des Zürichsees zwei Steigungen von fast zehn Prozent gemeistert werden. Am Gipfel des letzten Anstiegs, am Pfannenstiel, hatte der bärenstarke Ullrich bei fast tropischen Temperaturen auf sechs Kilometer dafür gesorgt, dass ihm nur noch Dufaux und Casagrande folgen konnten, auch Armstrong musste abreißen lassen. Dieses Terzett ging auf die letzten 24 Kilometer.
Godefroot im Begleitwagenwagen war zu diesem Zeitpunkt mit der Konstellation noch zufrieden. "Wichtig ist, dass kein direkter Zabel- Verfolger für die Weltcup-Wertung vorne mit dabei ist. So können wir auf einen Ullrich-Sieg hoffen und vielleicht auch mit Zabel-Punkten für die Gesamtwertung rechnen", sagte der Belgier 35 km vor Ende des Rennens. Zehn Kilometer später betrug der Vorsprung der inzwischen geschrumpften Gruppe 2:01 Minuten zu den ersten Verfolgern, so dass das Rennen zu Gunsten der acht Ausreißer gelaufen war.
Das vorletzte Weltcup-Rennen Paris-Tour findet erst nach den Olympischen Spielen und unmittelbar vor den Weltmeisterschaften am 8. Oktober statt. Zabel konnte dieses Rennen 1994 gewinnen. Der Weltcup wird am 21. Oktober mit der Lombardei-Rundfahrt in Italien abgeschlossen.
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