Deutsche mit Platz sechs zufrieden: Weltmeister Anissina und Peizerat einfach zauberhaft
zuletzt aktualisiert: 02.04.2000 - 11:03Nizza (dpa). Die älteren Damen im Publikum wischten sich die Tränen aus den Augenwinkeln, die Herren schmetterten die "Marseillaise", und am Hallenausgang kreischten später die Teenies: Beim WM-Triumph der Lokalmatadoren Marina Anissina/Gwendal Peizerat in Nizza flippten die Franzosen völlig aus. "Anissina/Peizerat geheiligt", titelte die Sportzeitung "L'Equipe" am Samstag. "In der Halle war eine Stimmung wie beim Fußball. Wahnsinn!", staunte die deutsche Meisterin Kati Winkler, die mit ihrem Partner Rene Lohse gleich doppelten Grund zur Freude hatte: Die Berliner verbesserten sich auf Platz sechs.
Die Blondschopf aus Lyon und die gebürtige Moskauerin setzten sich mit ihrer «Carmina-Burana»-Kür wie schon bei der Eiskunstlauf-EM in Wien gegen Barbara Fusar-Poli/Maurizio Margaglio (Italien) durch und sicherten sich 82 500 Dollar Siegprämie. Die deutschen Meister Kati Winkler/Rene Lohse (Berlin) verbesserten sich gegenüber dem Vorjahr um einen Rang auf Platz sechs und waren damit restlos glücklich.
In Abwesenheit der verletzten Titelverteidiger Anjelika Krylowa/Oleg Owsiannikow aus Russland gewannen Margarita Drobiazko/Powilas Vanagas aus Litauen Bronze. Die Geschwister Stephanie und Thomas Rauer (Essen) wurden 19. Die Preisrichter hatten es zwar noch einmal spannend gemacht, als sie nach dem Originaltanz am Donnerstag die hochfavorisierten Anissina/Peizerat auf den zweiten Platz zurückstuften, doch am Ende erhielten die Franzosen sogar vier Mal die 6,0 in der B-Note. Mit 9:0 Stimmen fiel die Entscheidung dann eindeutig aus.
Winkler/Lohse krönten mit ihrer «Millennium»-Kür eine starke WM. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht: So konnten die Israelis Galit Chait/Sergej Sachnowski, die bei der EM noch hinter den Deutschen lagen, an ihnen vorbei ziehen. «Wir waren beide richtig gut drauf», meinte Kati Winkler freudestrahlend. Rene Lohse sagte: «Heute hätte ich ewig weiter laufen können. So locker habe ich mich noch nie gefühlt. Ich konnte heute auf dem Eis richtig klar denken.» Um eines Tages aufs Treppchen zu steigen, müssen die beiden in Sonthofen stationierten Bundeswehrangehörigen noch viel Geduld aufbringen. «Wir haben Fortschritte gemacht. Es wäre schön, wenn wir in zwei, drei Jahren mal eine Medaille holen können», meinte Kati Winkler.
Titelverteidigerin Maria Butirskaja hatte zuvor im Damen- Wettbewerb die Führung nach dem Kurzprogramm übernommen und damit die erste Runde des russischen Duells gegen Europameisterin Irina Slutskaja gewonnen. Vor der Kür liegt die Olympia-Zweite und US- Meisterin Michelle Kwan auf Rang drei. Tränen gab es bei der einzigen deutschen Teilnehmerin Zoya Douchine: Die Münchnerin wurde als WM- Neuling von den Preisrichtern nach einer wenig überzeugenden Vorstellung gnadenlos auf Rang 20 heruntergestuft.
«Der Flip war einigermaßen okay. Deshalb finde ich nicht, dass man mich so hart bestrafen musste», ärgerte sich die gebürtige Moskauerin. «Ich dachte nicht, dass es hier nur nach Namen geht.» Die deutsche Vize-Meisterin hatte jedoch den Doppel-Axel und die Kombination verpatzt. In der «Tränenecke» war der 16-Jährigen das Lächeln auf den Lippen gefroren, als sie die Noten sah. Wenigstens gehörte sie zu den 24, die sich für das Finale qualifizierten. «Das war auch mein Ziel. Morgen kann ich es nur besser machen.»
Als letzte Läuferin legte die 27-jährige Butirskaja eine fast makellose Kurzkür hin und übertrumpfte ihre sechs Jahre jüngere Konkurrentin. Dabei hatte sich die Russin vor ihrem Auftritt Schnittwunden an der Hand zugezogen, als sie ihre Kufe vom Eis befreite. Trotzdem setzte sie sich gegen die favorisierte Slutskaja durch, die nach ihren Siegen bei den nationalen Meisterschaften, beim Grand-Prix-Finale und der EM auf ihr erstes WM-Gold hofft.
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