Alle deutschen Damen ausgeschieden: Wimbledon: Schüttler folgt Kiefer in Runde drei
zuletzt aktualisiert: 27.06.2002 - 21:41London (rpo). Rainer Schüttler ist Nicolas Kiefer in die dritte Runde der 116. All England Championships in Wimbledon gefolgt. Dagegen mussten mit Jana Kandarr und Barbara Rittner auch die letzten beiden deutschen Damen die Segel streichen.
Schüttler siegte locker mit 6:3, 6:0 und 6:1 gegen den völlig chancenlosen Armenier Sargis Sargsian. Der 26 Jahre alte Bad Homburger ließ seinem Gegner nie eine Chance und zeigte das beste Rasenmatch seiner Karriere. In der dritten Runde trifft er auf den Spanier Feliciano Lopez der sich gegen Guillermo Canas (Argentinien) mit 4:6, 2:6, 7:6 (9:7), 7:5, 10:8 durchsetzte.
"Das ist ein sehr, sehr harter Brocken, eine sehr schwere Auslosung", meinte Deutschlands zweitbester Tennisprofi, "aber in der Form vom Donnerstag habe ich eine Chance." Mit Physiotherapeut Jürgen Dess hatte er am Abend vor seinem Match in London das Konzert der amerikanischen Rocker besucht und sich damit richtig in Stimmung gebracht: "Fernsehen und Tennis - so viel Abwechslung gibt es ja sonst nicht."
"Heute hat einfach alles gepasst", sagte der Hesse und freute sich diebisch über seine gelungene Vorstellung. "Es lief alles perfekt, fast schon zu perfekt, denn jetzt darf ich nicht den Fehler machen, zu viel von mir zu erwarten." Ein Sieg am Samstag ist allerdings Pflicht. "Ich will endlich den Bann brechen und zum ersten Mal ins Achtelfinale kommen."
Qualifikant Alexander Waske aus Frankfurt musste sich hingegen am Donnerstag in seinem Zweitrunden-Spiel dem Brasilianer Flavio Saretta mit 7:6 (7:4), 4:6, 4:6, 5:7 geschlagen geben. Der 27-Jährige scheiterte in den entscheidenden Momenten an seinen Nerven, als er jeweils zum Ende der Sätze Breaks gegen seinen eigentlich starken Aufschlag kassierte. Dennoch war das "Wimbledon-Abenteuer" für den gebürtigen Frankfurter ein großer Erfolg. Drei Siege in der Qualifikation und der Erfolg in der ersten Runde brachten ihn seinem Ziel "unter die ersten 100" zu kommen näher. Und die 20.000 Mark Schulden beim Vater kann er nun zurück zahlen.
Debakel der deutschen Damen
Getrübt wurde die Freude im Deutschen Tennis Bund (DTB) durch das Debakel bei den Damen. Schon nach zwei Runden ist keine der acht gestarteten deutschen Spielerinnen mehr im Feld, das gab es seit 1985 nicht mehr. Als letzte blieben am Donnerstag Barbara Rittner (Düsseldorf) und Jana Kandarr (Heidelberg) in der zweiten Runde auf der Strecke. Rittner unterlag der Italienerin Silvia Farina mit 3:6, 2:6, während sich Kandarr mit 3:6, 4:6 der Thailänderin Tamarine Tanasugarn geschlagen geben musste.
Schüttler machte im vierten Vergleich mit Sargsian kurzen Prozess und kam schon nach 1:16 Stunden zum dritten Erfolg gegen den 29 Jahre alten Armenier. Schüttler, der zum zweiten Mal nach 2000 in der dritten Runde von Wimbledon steht, servierte sicher und machte bei seinen Grundschlägen kaum Fehler. Sein erstes Break gelang ihm zum 4:3 im ersten Satz, danach gewann der Deutsche gegen seinen am Ende resignierenden Gegner zwölf Spiele in Folge.
Für Damen-Bundestrainer Markus Schur ist das enttäuschende Abschneiden seiner Schützlinge ein Rückschlag vor dem Fed-Cup-Viertelfinale im Juli in Cala Ratjada/Mallorca gegen Spanien. Aus seinem Team haben überhaupt nur Rittner und Marlene Weingärtner neben Greta Arn die erste Runde überstanden. Die 19-jährigen Bianka Lamade und Martina Müller waren neben Anca Barna und Angelika Roesch bereits im Auftaktmatch gescheitert.
Rittner enttäuscht
Die 29 Jahre alte Rittner bot gegen die ein Jahr ältere Farina eine enttäuschende Leistung und schüttelte nach Ballwechseln immer wieder den Kopf über das eigene Spiel. Im ersten Satz kassierte sie ein Break zum 2:4, im zweiten Durchgang verlor sie ihr Service zum 2:3 und 2:5. Rittner ist damit zum siebten Mal in Folge spätestens in der zweiten Runde in Wimbledon gescheitert. Nur 1992 und 1994 erreichte sie Runde drei.
Kandarr ist bei sieben Starts auf dem "heiligen Rasen" noch nie über das zweite Spiel hinausgekommen. Sie zeigte gegen die Weltranglisten-24. aus Thailand zwar eine kämpferisch gute Leistung, machte aber in der entscheidenden Phase zu viele einfache Fehler. Die Entscheidung gegen sie fiel, als sie beim Stand von 4:5 im zweiten Satz zwei Breakbälle zum Ausgleich jeweils unbedrängt ins Netz schlug.
Topfavorit Lleyton Hewitt absolvierte seine Pflichtaufgabe gegen Qualifikant Gregory Carraz aus Frankreich meisterlich. Nur im zweiten Satz verließ den Weltmeister für ein paar Minuten die Souveränität, die ihn hernach aber wieder auszeichnete. Mit 6:4, 7:6 (7:5), 6:2 zog er fast zeitgleich mit dem nebenan spielenden Schüttler in die dritte Runde ein, in welcher der Australier auf den Österreicher Julian Knowle trifft.
Ohne viel Federlesen kam auch Justine Henin weiter. Die Vorjahres-Finalistin aus Belgien setzte sich gegen Müller-Bezwingerin Denisa Chladkova aus Tschechien mit 6:2, 7:5 durch und spielt nun gegen die Schweizer Qualifikantin Myriam Casanova. Ausgeschieden ist Hewitt- Freundin Kim Clijsters aus Belgien, die der Russin Jelena Lichowtsewa mit 6:7 (5:7), 2:6 unterlag.
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