Nawka/Kostomarov gewinnen EM-Gold: Winkler-Lohse nur traurige Zaungäste in Budapest
zuletzt aktualisiert: 07.02.2004 - 10:17Budapest (rpo). Bei den Eiskunstlauf-Meisterschaften in Budapest hat das russische Eistanz-Paar Tatjana Nawka und Roman Kostomarow die Goldmedaille gewonnen. Das deutsche Spitzenpaar Kati Winkler und Rene Lohso stand nur widerwillig an der Bande und gratulierte.
Damit endete die Eistanz-Entscheidung bei den Eiskunslauf-Europameisterschaften in Budapest. Die beiden Russen setzten sich vor Albena Denkowa und Maxim Stawiski aus Bulgarien sowie Elena Gruschina und Ruslan Gonscharow aus der Ukraine durch. Bei ihrem EM-Debüt belegten die Dortmunder Christina und William Beier den 16. Platz.
Höflich spendeten sie den frisch gekürten Eistanz-Europameistern Tatjana Nawka und Roman Kostomarow aus Russland Beifall, doch ihre Blicke waren leer, die Gesichter teilnahmslos. Der Blitzbesuch von Kati Winkler und Rene Lohse bei den europäischen Titelkämpfen in Budapest war ein von der ARD finanzierter Pflichttermin, dessen Wahrnehmung den beiden Berlinern sichtlich schwer fiel. "Man musste uns lange überreden", sagte Winkler und zwang sich zu einem Lächeln.
Sorgen ohne Ende
Zuviele Sorgen schwirren in den Köpfen der deutschen Eistanz-Meister herum; seit knapp zwei Wochen kämpfen die Olympia-Achten von Salt Lake City wieder mal gegen die Zeit. Denn vier Tage vor der Abreise zur EM erlitt Lohse einen Innenbandteilabriss im rechten Knie, die Teilnahme an den Weltmeisterschaften Ende März in Dortmund steht auf der Kippe. Besonders bitter: In der Westfalenhalle sollte eigentlich die lange Karriere der beiden Wahl-Allgäuer einen glanzvollen Abschluss finden.
Nun dagegen droht ein trauriges Ende, die Ungewissheit steckt beiden spürbar in den Knochen. Um diese Phase nicht unnötig auszudehnen, haben sich die Schützlinge von Trainer Martin Skotnicky eine Frist gesetzt. Lohse: "Anfang März müssen wir wieder auf dem Eis stehen und normal trainieren können. Dann sollten drei Wochen reichen, um wieder in Form zu kommen."
Psychische Belastung
Bis dahin bleibt dem 30-Jährigen nur vorsichtiger Muskelaufbau und wohldosiertes Konditionstraining. Seine Partnerin wirbelt, wie schon vor zwei Jahren vor Salt Lake City, mit einem Besenstiel über das Eis des Oberstdorfer Leistungszentrums, um in Tritt zu bleiben. Doch eine wirklich gezielte WM-Vorbereitung sieht anders aus.
Besonders Kati Winkler leidet psychisch unter der belastenden Situation. Fast einen ganzen Tag lang habe sie geweint, berichtete die 30-Jährige in Budapest, die Angst vor einem fast unbemerkten Abschied aus den großen Eishallen dieser Welt lastet schwer auf ihr: "Wenn wir es bis Dortmund nicht mehr schaffen sollten, weiß ich nicht, ob wir uns nochmal motivieren können."
In diesem Fall stünde der Deutschen Eislauf-Union eine längere sportliche Durststrecke bevor, denn das vom Verband als Nachfolger erkorene Dortmunder Geschwisterpaar Christina und William Beier musste in der ungarischen Hauptstadt erkennen, dass der Weg in die Weltklasse noch sehr, sehr weit ist. Nach einem Sturz in der Kür reichte es nur zu einem 16. Platz.
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