Deutschland-Tour: Kasache holt sich den Gesamtsieg: Winokurow: "Ohne mich kein Tour-Sieg für Jan"
zuletzt aktualisiert: 04.06.2001 - 18:25Stuttgart (rpo). Alexander Winokurow hat die diesjährige Deutschland-Tour gewonnen. Der Kasache, der für das Team Telekom startet, war auf fünf von acht Etappen der schnellste Mann des Feldes. Sein Team-Kollege Erik Zabel holte sich auf dem letzten Teilstück seinen dritten Tagessieg und zeigt sich in ausgezeichneter Verfassung.
Trotzdem hielt sich das Publikums-Interesse bei der Deutschland- Tour, die im kommenden Jahr in den Alpen Station machen will, in überschaubareren Grenzen. Im Vergleich zum Vorjahr (offizielle Angaben: fünf Millionen) sollen diesmal rund eine Million weniger Fans an der Straße gestanden haben.
Winokurow, der nach seiner Silbermedaille in seiner Heimat zum Oberst befördert wurde, sieht sich eigentlich als "Chauffeur" von Teamkapitän Jan Ullrich (Merdingen). Der 27-Jährige hat bei der Deutschland-Tour in Abwesenheit seines "Chefs" den Kurs selbst bestimmt und steuerte auf seinen größten Erfolg für den Bonner Rennstall zu. Gestärkt durch seine Auftritte beim Heimspiel zwischen Hamburg und Stuttgart strotzt der Kasache vor Selbstvertrauen: "Ohne mich kann Jan die Tour de France wahrscheinlich nicht gewinnen."
Der Familienvater tritt erst seit drei Jahren professionell in die Pedale. Nach seinem Debüt beim ehemaligen französischen Rennstall Casino wechselte der in Monaco lebende Winokurow 1999 zu Telekom. Bei der Tour will er seinen Part als Nebendarsteller pflichtgemäß erfüllen. Zweifel an der Besetzung der Hauptrolle für die 88. Auflage der Frankreich-Rundfahrt auf Grund des derzeitigen Formtiefs von Ullrich beim Giro ließ Teamsprecher Olaf Ludwig nicht aufkommen: "Für die Tour gibt es klipp und klar nur einen Telekom-Fahrer, der auf Gesamtsieg fährt: Ullrich."
Aldag zeigte gute Leistungen
Mit kühlem Kopf hatte sich der eigentlich eher heißspornige Winokurow auf dem Weg von Hamburg nach Stuttgart schon vor dem letzten Teilstück eine ausgezeichnete Ausgangsposition erarbeitet. Die verhagelte "Königsetappe" schloss er mit Hilfe seines famosen Team-Kollegen Rolf Aldag, der am Sonntag eine eindrucksvolle Bewerbung für den letzten Platz im Telekom-Tour-Team abgab, mit uneinholbaren 1:56 Minuten Vorsprung auf den Spanier Aitor Garmendia vom Team Coast ab. An dieser Reihenfolge änderte auch die letzte Etappe nichts mehr.
"Ich fahre schon lange einem großen Erfolg hinterher", sagte Winokurow. Vor knapp einem Jahr behielt er auf der 18. Tour-Etappe von Lausanne nach Freiburg nicht die Nerven und musste den sicher geglaubten Erfolg noch dem inzwischen wegen Dopings gesperrten Salvatore Commesso überlassen. Für den Fahrer mit dem Spitznamen "Wino" hingen auch im März auf dem zweiten Teilstück von Paris-Nizza die Trauben zu hoch. Ausreißer Winokurow verlor seinen Vorsprung und den Sieg einen Meter vor dem Zielstrich an den Belgier Peter van Petegem.
Der Kasache, der als Gesamtsieger den Vorjahressieger David Plaza (Spanien) beerbte, gewann bei der Deutschland Tour für ihn selbst überraschend das Zeitfahren und übernahm in Heppenheim auf der drittletzten Etappe das Weiße Trikot. Dabei profitierte er vom Sturzpech seines Team-Kollegen Andreas Klöden (Cottbus). 24 Stunden später zeigte sich Winokurow generös und krönte Aldag auf der "Königsetappe" durch den Schwarzwald zum Tagessieger.
8. Etappe Freudenstadt - Stuttgart 158 km:
1. Erik Zabel (Unna) 3:38:08 Stunden 2. Sven Teutenberg (Mettmann) 3. Gerrit Glomser 4. Peter Wrolich (beide Österreich) 5. Fabian de Waele (Belgien) 6. Oscar Freire (Spanien) 7. Marcus Zberg (Schweiz) 8. Stefan Kupfernagel (Berlin) 9. Jürgen Werner (Chemnitz) 10. Gert Vanderaerden (Belgien) alle gleiche Zeit
Gesamtklassement:
1. Alexander Winokurow (Kasachstan) 30:57:17 Stunden 2. Aitor Garmendia (Spanien) 1:56 Minuten zurück 3. Rolf Aldag (Ahlen) 1:58 4. Bart Voskamp (Niederlande) 2:14 5. Felix Casas Garcia (Spanien) 2:15 6. Bert Grabsch (Leipzig) 2:18 7. Marcus Zberg (Schweiz) 2:46 8. Udo Bölts (Heltersberg) 2:46 9. Georg Totschnig (Österreich) 2:50 10. Franco Pellizotti (Italien) 4:04
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