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17-Jähriger verunglückt
Alpin-Weltcup forderte immer wieder Todesopfer

Wintersport: Max Burkhart verunglückt tödlich
Skifahrer Max Burkhart (17) träumte vom großen Ziel DSV-Nationalmannschaft. FOTO: Paul und Cornelia Schmidt
Düsseldorf/Lake Louise. Der deutsche Alpin-Skifahrer Max Burkhart zieht sich bei einem Nachwuchs-Rennen in Kanada schwere Verletzungen zu und stirbt einen Tag später. Ist sein Tod eine Folge des steigenden Drucks? Der Deutsche Skiverband sagt nein. Von Marc Latsch

Auch am Tag nach dem Tod des deutschen Nachwuchs-Skifahrers Max Burkhart sitzt der Schock im deutschen Skisport-Zirkus tief.

"Wir sind tief bestürzt, die gesamte Skifamilie trauert um Max Burkhart", sagte Wolfgang Maier, DSV-Sportdirektor Alpin. Auch Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch äußerte sich bei Twitter betroffen. Felix Neureuther, wie Höfl-Riesch ein Vereinskollege des Verunglückten vom SC Partenkirchen, sprach bei Facebook sein Mitgefühl aus und verschaffte seinen ersten Gedanken Luft. "Was ist momentan bitte los??? Ich verstehe es nicht!!!", schrieb der momentan am Kreuzband verletzte Slalom-Spezialist.

Der 17-jährige Burkhart zog sich am Dienstag (Ortszeit) bei einem Nachwuchs-Rennen des Nor-Am-Cups im kanadischen Lake Louise schwere Verletzungen zu, an denen er am Folgetag starb. Der Oberbayer prallte in unglücklichem Winkel gegen die Streckensicherung und zerschnitt mit seinen Skiern das Netz, das seinen Aufprall auffangen sollte.

Burkhart war Mitglied im Bayerischen Landeskader, besuchte aber seit August ein privates Ski-Gymnasium in Kalifornien. Mit dessen Mannschaft nahm er auch am Rennen in Lake Louise teil. Es ist bereits der zweite Todesfall, den der Alpine Skisport im noch jungen Winter zu beklagen hat. Am 13. November kam der Franzose David Poisson, Gewinner der Abfahrts-Bronzemedaille bei der WM 2014, ebenfalls in Kanada ums Leben.

"Die beiden Fälle kann man nicht vergleichen. Burkhart ist während eines Rennes auf einer Rennstrecke gestürzt, während Poisson im Training verunglückt ist", sagt Ralph Eder, Pressesprecher des Deutschen Skiverbands (DSV) im Gespräch mit unserer Redaktion und zeigt die Unterschiede in den Sicherheitsvorkehrungen auf. Für Eder handelt es sich um ein tragisches Unglück, er kann aus der Ferne keinen Schuldigen ausmachen: "Die Strecke war gut gesichert. Zuletzt ist dort noch ein Weltcup-Rennen ausgetragen worden." Auch an eine Überforderung des Athleten durch steigenden Druck glaubt er nicht.

Der Fall erinnert an die gefährlichsten Zeiten des Skisports. Sicherheitszonen und Fangzäune spielten in den Rennplanungen lange Zeit keine große Rolle. Parallel dazu wurde der Sport schneller und die Pisten extremer.

Anfang der 1990er-Jahre mündete diese fatale Kombination in zwei tödlichen Unfällen, die sich per Weltcup-Liveübertragung in die Köpfe der Zuschauer einbrannten. Gernot Reinstadler erlitt 1991 im Zielhang von Wengen (Schweiz) eine Beckenspaltung, als sich seine Skispitze im Begrenzungsnetz verfing und es ihm fast das Bein abriss. Er starb in der Nacht nach dem Rennen. Ulrike Mayer, wie Reinstadler aus Österreich, zog sich 1994 bei ihrem Sturz auf der Kandahar-Abfahrt in Garmisch einen tödlichen Genickbruch zu. Sie stieß mit dem Kopf gegen einen unglücklich positionierten Holzpfosten.

Nach beiden Todesfällen reagierte der Internationale Skiverband. Es wurden bessere Netze entwickelt, die Pisten gründlicher von möglicherweise gefährlichen Gegenständen befreit. So kam es im Alpinen Skisport danach zwar weiterhin zu schweren Stürzen, Todesfälle bei klassischen Weltcup-Rennen blieben jedoch aus. Im Freestyle-Weltcup verunglückte 2012 der Kanadier Nick Zoricic tödlich.

Burkharts Tod zeigt nun auf, dass auch auf gut gesicherten Wettkampfstrecken die Gefahr noch immer mitfährt. "Bei allen Versuchen, die Sicherheit zu verstärken, wird uns vor Augen geführt, dass es sich um eine Risiko-Sportart handelt", sagt Eder.

Offen bleibt die Frage, ob sich ein solcher tödlicher Unfall generell nicht verhindern lässt. Die Sicherheitsvorkehrungen entsprachen nach derzeitigen Erkenntnissen den höchsten Standards. Dennoch musste ein 17-Jähriger mit dem Leben bezahlen.

Quelle: RP
 
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