| 11.56 Uhr

Eisschnelllauf-Überraschung
Claudia Pechstein gewinnt WM-Silber über 5000 Meter

Das ist Claudia Pechstein
Das ist Claudia Pechstein FOTO: ddp
Gangneung. Claudia Pechstein ist die älteste WM-Medaillengewinnerin der Eisschnelllauf-Geschichte. Elf Tage vor ihrem 45. Geburtstag sorgte die Berlinerin am Samstag in Gangneung für eine Riesen-Überraschung und erkämpfte mit Silber bei den Welttitelkämpfen ihre 61. Medaille bei einer internationalen Meisterschaft.

Die fünfmalige Olympiasiegerin lief ihre Spezialstrecke über 5000 Meter in starken 6:53,93 Minuten und war damit so schnell wie noch nie seit ihrer Zweijahres-Sperre zwischen 2009 und 2011. Gleich nach dem Zieleinlauf legte sie vor 4000 Zuschauern die Finger auf die Lippen, als wollte sie damit alle Kritiker zum Schweigen bringen.

"Es ist für mich wie Gold"

"Es ist für mich wie Gold. Einfach ein Traum!", sagte Pechstein dem niederländischen TV-Sender NOS nach ihrem zweiten Platz über 5000 m: "Ich bin stolz, wieder eine WM-Medaille gewonnen zu haben. Es war für mich ein fantastisches Rennen - so wie ich es mir vorgestellt habe."

Schneller war nur Olympiasiegerin Martina Sablikova aus Tschechien in 6:52,38 Minuten, Bronze ging an die Kanadierin IvanieBlondin (6:57,14). Bente Kraus aus Berlin belegte in 7:00,62 Minuten den achten Rang.

Die 38 Jahre alte niederländische Olympia-Dritte Carien Kleibeuker musste als erste der Medaillenkandidatinnen in dem Zwölferfeld vorlegen. Sie konnte aber ihr Tempo nicht durchstehen, so dass Pechstein zunächst keine klare Orientierung für ihr eigenes Rennen hatte. Mit gleichmäßigen Rundenzeiten zermürbte die Berlinerin ihre Laufgegnerin Blondin und stand mit ihrer Glanzzeit vor dem Rennen der Topfavoritin Sablikova auf Platz eins. Die Olympiasiegerin wurde schließlich ihrer Ausnahmestellung gerecht und erkämpfte ihren insgesamt 17. WM-Titel.

Botschaft an die Kritiker

Im Ziel war Pechstein die Bronzemedaille bereits sicher, doch statt zu jubeln, hielt sie sich zunächst mahnend den rechten Zeigefinger vor den Mund und schickte eine eindeutige Botschaft an ihre Kritiker. "Das war für alle, die mir das nicht gönnen. Einfach mal die Klappe halten", erklärte Pechstein die Aktion später bei NOS.

Kurz nach der Zieldurchfahrt löste sich bei Pechstein aber die Anspannung. Sie riss beide Arme in die Höhe, an der Bande verneigte sich ihr Lebensgefährte Matthias Große, der sie während des Rennens lautstark angefeuert hatte. Auf der Ehrenrunde hielt sie zudem eine Deutschland-Fahne hoch.

Pechstein nutzte bei ihrer 17. WM-Teilnahme zugleich ihre größte Medaillenchance. Die Berlinerin hatte am Donnerstag eigens auf einen Start über 3000 m verzichtet, um sich gezielt auf den "langen Kanten" vorzubereiten. "Es war die richtige Entscheidung die 3000 m auszulassen. Ich bin keine 3000 m-Spezialistin mehr", sagte Pechstein, die offenbar schmerzfrei lief.

Dank an die Ärzte und Physios

Beim Weltcup in Berlin Ende Januar hatte sie über muskuläre Probleme im linken Oberschenkel geklagt, nach ärztlicher Untersuchung aber kein Startverbot für die WM erhalten. "Ich muss mich bei den Ärzten und den Physiotherapeuten bedanken", sagte sie.

Am Freitag war Pechstein an der Seite von Gabriele Hirschbichler und Roxane Dufter (beide Inzell) als Vierte in der Teamverfolgung (3:02,88) noch knapp am Podest vorbeigelaufen. Zum WM-Abschluss läuft Pechstein am Sonntag mit Außenseiterchancen im Massenstartrennen.

(can/sid/dpa)
 
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