Gedenken an Kumaritaschwili: "Der schwärzeste Tag im Rodelsport"
zuletzt aktualisiert: 11.02.2011 - 14:37Paramonowo/Berlin (RPO). Vor einem Jahr bei Olympia in Vancouver verunglückte der georgische Rodler Nodar Kumaritaschwili tödlich. Sein tragischer Unfall hat die Sportwelt erschüttert und teilweise zum Umdenken gebracht. Die Schuldfrage wird aber wohl nie geklärt werden.
Am Samstag steht der rasante Rodelsport für einen Augenblick still. Mit einer Gedenkminute wollen Athleten, Betreuer und Funktionäre beim Weltcup im russischen Paramonowo an den vor einem Jahr tödlich verunglückten Georgier Nodar Kumaritaschwili erinnern. Sein Unfall nur wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele von Vancouver hat die Sportwelt erschüttert und die Gefahren des gnadenlosen Leistungssportgedankens "höher, schneller, weiter" brutal offenbart.
Schweigeminute beim Weltcup
"Dieser 12. Februar 2010 hat sich als schwärzester Tag in der Geschichte des Rodelsports eingebrannt", sagte Josef Fendt. Der Präsident des Weltverbandes kann sich an fast jede Minute des tragischen Tages erinnern: "Manchmal ist das wie eine Last."
Vor allem die schrecklichen Bilder des Unfalls bekommt der Berchtesgadener nicht aus dem Kopf. Wie der gerade mal 21-jährige Kumaritaschwili beim Abschlusstraining in Kurve 16 des Hochgeschwindigkeitskurses aus der Bahn katapultiert und gegen einen Stahlträger geschleudert wird. Wie die Helfer vor Ort sofort Reanimierungsmaßnahmen einleiteten. Wie jede Hilfe zu spät kommt.
Georgien trauerte um den toten Rodler, der posthum zu einem Nationalhelden wurde. Die heimische Post brachte im Sommer eine Briefmarke mit seinem Konterfei heraus. Die Straße, in der er mit seiner Familie lebte, wurde nach ihm benannt. Auch die geplante neue Rodelbahn soll seinen Namen tragen.
Frage nach dem Schuldigen ungeklärt
Doch die Frage nach dem Schuldigen brennt seiner Familie und vielen anderen Georgiern weiter auf der Seele. Auch wenn die kanadischen Behörden nach monatelangen Ermittlungen von einem tragischen Unfall aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände ausgehen, werden immer wieder Vorwürfe laut.
Zuletzt tauchten in kanadischen Medien E-Mails vom März 2009 auf, in denen John Furlong, Chef des Organisationskomitees VANOC, davor warnte, ein Athlet könne sich auf der gefährlichen Bahn schwer verletzen. Dann "könnte es dazu kommen, dass uns vorgeworfen wird, wir wären gewarnt worden und hätten nicht gehandelt", heißt es in einer Mail.
Das Nationale Olympische Komitee Georgiens forderte nun in einem Brief das IOC auf, dem brisanten Inhalt des Mailverkehrs nachzugehen. Weltverbandspräsident Fendt kann die neuerlichen Diskussionen nicht verstehen: "Wir haben alle Fakten auf den Tisch gelegt, die Ermittlungen wurden eingestellt. Außerdem finde ich den Zeitpunkt makaber."
Geschwindigkeitslimit eingeführt
Auch die Sportler wollen lieber nach vorne blicken. Doch schon im Training zum Weltcup in Paramonowo kamen unweigerlich die Erinnerungen wieder hoch. Der Kanadier Brendan Hauptman stürzte schwer und zog sich eine Gehirnerschütterung sowie Verletzungen am Kinn zu. Die Französin Morgane Bonnefoy brach sich bei der WM vor zwei Wochen in Cesana wahrscheinlich den rechten Oberschenkel. "Im Rennsport kann man Unfälle leider nie ganz ausschließen", sagte Fendt.
Dennoch wollte und konnte man nach dem Tod von Kumaritaschwili nicht einfach so weitermachen wie bisher. Das Streben nach immer höheren Geschwindigkeiten wurde eingestellt. Bei den kommenden Winterspielen 2014 in Sotschi ist ein Geschwindigkeitslimit von 135 Stundenkilometern bereits beschlossene Sache.
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