Eisschnelllauf: Friesinger beendet Karriere
zuletzt aktualisiert: 14.07.2010 - 11:54Kölm (RPO). Das Glamour Girl verlässt den eisigen Laufsteg - die Karriere der Anni Friesinger-Postma ist seit dem 14. Juli 2010 offiziell beendet. Anna Christine Friesinger-Postma, geboren am 11. Januar 1977 in Bad Reichenhall, wurde durch ihren Sport reich und berühmt, dem Eisschnelllauf war sie 17 Jahre lang eine schillernde und ausgesprochen erfolgreiche Botschafterin. Drei Olympiasiege sowie 16 WM- und 5 EM-Titel sprechen eine deutliche Sprache.
Seit dem 11. August 2009 ist Anni Friesinger mit dem ehemaligen Weltklasse-Läufer Ids Postma verheiratet. Sie pendelt zwischen Postmas Bauernhof in Deersum bei Heerenveen und ihrer Wohnung in Salzburg, wohin auch ihre Mutter Janina einige Jahre nach dem Tod ihres Mannes Georg (1996) gezogen ist.
Rinder, Berge und der Pilotenschein
Nun, da die langwierigen Knieprobleme ihre große Karriere beendet haben, wird sie wohl endgültig zu ihrem Ids und dessen 300 Rindern ziehen - aber ganz sicher darf und durfte man sich bei ihr nie sein. "Ich liebe halt die Berge", sagt sie immer. Vorsorglich hat sie ihren Pilotenschein gemacht, damit sie noch schneller weg kann, wenn ihr die Decke auf den Kopf fällt - wo auch immer. Schon zuvor hatte sie sich nebenbei per Fernstudium zur Innenarchitektin ausbilden lassen.
Natürlich hat Friesinger-Postma Holländisch gelernt, nicht nur für ihren Gatten. Die eisschnelllaufverrückten Niederländer lieben sie für ihren bayerisch-friesischen Slang. Und nicht nur dafür. Vor den Spielen von Vancouver veröffentlichte sie gemeinsam mit ihrer langjährigen Freundin und Rivalin Marianne Timmer den Bildband "Auge um Auge". Die intimen Fotos schafften es bis in den Playboy. "Ich schlüpfe gerne in Rollen", sagte sie damals. Friesinger-Postma hat halt viele Talente.
Dauerfehde mit Pechstein
Den legendären "Zickenzoff" mit ihrer langjährigen Erzrivalin Claudia Pechstein, in dessen Folge den Rivalinnen die Werbeverträge nur so zuflogen, verlor eigentlich keine der beiden, obwohl Friesinger-Postma damals die gefühlte Verliererin war. Pechstein führte den Kampf gnadenloser, und sie war 2002 bei Olympia in Salt Lake City erfolgreicher. Dort gewann Anni Friesinger-Postma über 1500 m ihr einziges olympisches Einzel-Gold.
Bei Olympia lief es für Friesinger-Postma nie so richtig rund. 2006 hatten sie und ihr Trainer Markus Eicher entschieden, gleich in fünf Wettbewerben zu starten und dementsprechend zu trainieren - ein Fehler. Die begnadete Allrounderin, die als einzige Läuferin in der Eisschnelllauf-Geschichte bei allen wichtigen Wettbewerben (Olympia, EM, WM in Sprint und Mehrkampf) Siege feierte, hatte sich zu viel zugemutet. Was blieb, war ebenwo wie vier Jahre später in Vancouver Gold mit dem Team.
Aber das Image der strahlenden Siegerin durfte keinen Kratzer bekommen, also lächelte sie trotz aller sportlichen und gesundheitlichen Rückschläge immer weiter. In ihr sah es oft anders aus, im Frühjahr nach Turin zeigte sie Burn-Out-Symptome. Also strukturierte sie ihr Leben um, holte Gianni Romme als neuen Trainer, distanzierte sich vom Verband und machte ihr eigenes Privatteam auf. Die WM 2011 in ihrer alten Heimat Inzell wollte sie unbedingt noch als Athletin erleben. Dieser Traum ist geplatzt, doch man wird weiter von Anni Friesinger-Postma hören.
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